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Edito: Die etwas andere Waffe

Diskussionen im Internet entpuppen sich mit beängstigender Regelmäßigkeit zu einem müßigen Unterfangen, bei dem selbst der griechische Sisyphos-Mythos zu Pipifax mutiert. Das Schema dieser „Unterhaltungen“ ist allzu oft nach dem gleichen Motto gestrickt: Person A setzt eine möglichst provokative, am besten unüberprüfbare Meinung in die Welt, hofft auf ein paar Likes und ein bisschen „fame“. Dann lehnt sie sich zurück, suhlt sich selbstgefällig in diesem Morast aus Unwahrheiten und wartet verzweifelt darauf, dass ein anderer – Person B – versucht, diese hirnrissigen Aussagen sachlich zu widerlegen und dagegen zu argumentieren. Doch dieses Unterfangen gelingt selten, schließlich hält Person A sich in der Regel für besonders schlau.

So kann man dann in den sozialen Netzwerken mit erschreckender Normalität über abstruse Verschwörungstheorien stolpern, sich über Pseudo-Nachrichtenseiten aufregen, die sich, mit Artikeln aus dubiosen Internetquellen angereichert, in den Vordergrund spülen wollen und natürlich feststellen, wie viele Zeitgenossen gar kein Problem damit haben, jede rechtspopulistische und rechtsextreme Spinnerei als der Wahrheit letzter Schluss zu akzeptieren. Aber, was hilft eigentlich – im Rahmen der grassierenden Diskussions-Unkultur – gegen diese Zeitgenossen, die Beratungsresistenz scheinbar mit der Muttermilch eingeimpft bekommen haben und der Sachlichkeit mit ähnlichen Allergiesymptomen gegenüber stehen wie dem Menschenverstand? Die Antwort so simpel wie womöglich effizient: Humor. Und zwar nicht der leicht machistische und übertrieben klischeehafte Vorschlaghammerhumor, wie ihn die Deckkäpp, Hoppen Théid und Konsorten kredenzen und der mit schöner Regelmäßigkeit mit der Grenze zum Rassismus und anderen Tabus flirtet, sondern subversiver, ironischer, sarkastischer, im Idealfall mit einer Portion Zynismus angereichter, Humor.

Hilft Humor gegen die grassierende Diskussions-Unkultur?

Auf Facebook gibt es haufenweise Seiten, die auf diese Art von Humor setzen um den schlimmsten Schwurbeleien, Fake News den Kampf anzusagen und Rassismus zu bekämpfen. „Hooligans gegen Satzbau“, „Hahahagida“ oder das „Linksradikale Netzwerk der Volksfront von Judäa e.V.“ sind nur drei Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum. Die Betreiber setzen konsequent Humor als Waffe gegen Ignoranz ein. Und auch in der Luxemburger Social-Media-Blase tauchen immer mehr Seiten auf – „Memes bis zum Weltraumkommunismus“ und „rad“ sind nur zwei Beispiele – , die mittels Humor und Satire versuchen humoristisch gegen eine stumpfer werdende Gesellschaft vorzugehen. Eine Strategie, welche nicht ganz abwegig scheint, schließlich entlarvt manch ein Internetkommentator seine geistige Haltung schon alleine durch die unfreiwillige Komik, welche seine Äußerungen beinhalten. „Wenn wir schweigen, beginnen wir, den Hass zu akzeptieren. Also, reden wir!“, findet der deutsche Journalist Hasnai Kazim, der mit seinem Buch „Post von Karlheinz“, ein Sammelband über an ihn gerichtete Hassmails und seine Reaktionen – die vor Süffisanz und Sarkasmus strotzen – darauf veröffentlichte. Ob Humor allerdings ausreicht, um effizient gegen die bereits erwähnten Phänomene anzukämpfen, bleibt abzuwarten. Ein guter und zudem unterhaltsamer Anfang ist es allemal.

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

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Author: Philippe Reuter

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