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Edito: Die Renaissance

Was Politiker seit Jahren in Sachen sanfter Mobilität anstreben – sprich ein verstärktes Umsteigen vom eigenen PKW auf Zug, Bus, Tram und nicht zuletzt Fahrrad – könnte durch die Pandemie und den damit einhergehenden Lockdown beschleunigt werden. Das Fahrrad wurde von vielen Menschen wiederentdeckt. Vor allem als Freizeitbeschäftigung. Die Regierung ist fest gewillt diese neue Fahrrad-Welle zu reiten und das Rad auch als tägliches Fortbewegungsmittel zu pushen. Transportminister François Bausch und Tourismusminister Lex Delles haben auch deshalb vergangene Woche den Sommer zum „Vëlosummer 2020“ mit zahlreichen Förderungen einberufen.

Erstens ist eine Verdopplung der Prämie bei der Neuanschaffung eines Fahrrades vorgesehen. Bis zu 600 Euro kann man noch bis zum 31. März 2021 zurückerstattet bekommen. Prinzipiell soll die Regelung nur für neue Fahrräder gelten. Soll diese Prämie aber mehr sein als eine ökologische Blendgranate, dann sollte die Regierung schleunigst darüber nachdenken, auch für den Kauf von Second-Hand-Fahrrädern eine Prämie einzuführen. Als weiterer Schritt sollen quer durchs Land im August sechzehn Straßen für den normalen Verkehr gesperrt werden. Was die Radler sicher freuen wird, dürfte für eine Menge Zähneknirschen bei manchen Autofahrern sorgen. Da die einzelnen Gemeinderäte aber noch bis nächste Woche die Möglichkeit haben, ihr Veto einzulegen, bleibt abwarten, wie viele „Pop-up-Radwege“ es schlussendlich im August quer durch das Land geben wird.

Es gibt noch immer zahlreiche Dinge, die Fahrradfahren in Luxemburg eher zu einem Spießrutenlauf als zu einem Genuss machen.

Die Ideen sind sicherlich erfreulich, aber leider gibt es noch immer zahlreiche Dinge, die Fahrradfahren in Luxemburg eher zu einem Spießrutenlauf als zu einem Genuss machen. Angefangen mit der Internetseite velospisten.lu, die aus einem längst vergessenen Internetzeit-
alter stammt. Eine interaktive Planung mit der Möglichkeit eine GPX-Datei zu downloaden, was längst „state of the art“ ist, fehlt genauso, wie eine Karte oder ein Nachrichtenfeed, der einem klar und deutlich anzeigt, welcher Fahrradweg gerade gesperrt ist. Denn erstaunlicherweise warten die Verantwortlichen mit den notwendigen Arbeiten und Instandsetzungen an den Wegen scheinbar immer bis ins Frühjahr. Ein Zeitpunkt, wo die Wege eigentlich wieder verstärkt in Anspruch genommen werden. Die PC12 lässt aktuell grüßen. Ob dies dazu beiträgt die Fahrradkultur zu fördern? Wohl eher nicht.

Alles in allem hat man momentan das Gefühl, dass zwar die Richtung stimmt, mit der das Fahrrad gefördert und attraktiv gemacht werden soll, es allerdings aktuell (noch) ein riesiges Flickwerk ist. Ob man damit einem Fahrradlaien so richtig Lust aufs Benutzen des Drahtesels macht, sei mal dahingestellt. Vor allem in städtischen Ballungsgebieten müsste längst eine Neuaufteilung des urbanen Raumes angestrebt werden, um endlich durchgehende und sicher befahrbare Fahrradwege zu schaffen. Dies darf – wie die Lëtzebuerger Velos-Initiativ es gebetsmühlenartig wiederholt – nicht auf Kosten der Fußgänger und Fußgängerwege gehen. Ob das Autoland Luxemburg dazu bereit ist?

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

Author: Martine Decker

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