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Edito: Eine andere Ökonomie

Money makes the world go round. Eine Binsenweisheit! Aktuell ist globaler Handel der Motor, welcher weltweiten Wirtschaftswachstum garantiert. Falls dieser Motor leicht verschnupft ist, zieht dies natürlich dementsprechende Auswirkungen nach sich. Laut OECD sollen schon in diesem Jahr Handelskriege – wie etwa der zwischen China und Amerika – 0,2 Prozentpunkte Weltwirtschaftswachstum gekostet haben. Und auch für das kommende Jahr prognostiziert die OECD „lediglich“ einen globalen Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent. Für Luxemburg fallen die OECD-Prognosen weniger schlecht aus.

Angesichts dieses ungebremsten Wachstumsglaubens und der damit einhergehenden Schwarzmalerei, falls die Prognosen schlechter ausfallen als angedacht, kann man sich durchaus fragen, ob man nicht längst über Alternativmodelle nachdenken sollte oder, viel eher sogar müsste. Vor allem auch, wenn wir unseren ökologischen Fußabdruck und CO2-Bilanzen verbessern und den Klimawandel noch abwehren wollen. Hierzulande wurde im vergangenen Wahlkampf das Wirtschaftswachstum und wie Luxemburg sich zukünftig entwickeln soll, zwar ausreichend thematisiert, klare und eindeutige politische Lösungsansätze waren aber kaum zu vernehmen.

Umso erfrischender, wenn jemand einen Mentalitätswandel einfordert und den auch noch mit einem neuen ökonomischen Modell untermauert. Kate Raworth – unterrichtet an renommierten Elite-Universitäten wie Cambridge und Oxford und bezeichnet sich schon mal gerne, mit einem leicht ironischen Augenzwinkern, als „bad girl“ – präkonisiert einen radikalen Wandel, vor allem, weil die sozialen Ungleichheiten auf der Erde angesichts des aktuellen Modells kaum aus der Welt zu schaffen sind und, weil wir dabei sind, den Planeten zu zerstören.

Was ist das Leben eines regimekritischen Journalisten im Vergleich zu niedrigen Erdölpreisen wert?

Ihre Idee einer „Donut-Ökonomie“ regt zum Nachdenken an und resümiert sich folgender Maßen: Lebensnotwendiges (als das Innere und als soziales Fundament des Donuts) wie etwa Nahrung, Wasser, Bildung, Gesundheit oder soziale Gerechtigkeit müssen für jeden Menschen zugänglich sein. Der äußere Rand des Donuts stellt die Höchstgrenze dar, die wir unserer Umwelt zumuten können. Um nicht über diese Grenze (wo Luftverschmutzung, Verlust der Biodiversität, Erderwärmung und ähnliches beginnen) hinauszukommen, müssten laut Raworth vieles überdacht werden, um eine nachhaltige Wirtschaft möglich zu machen. In ihrem Buch „Die Donut-Ökonomie“ erklärt sie, welche Hebel angesetzt werden müssen, um ihre Ziele zu erreichen.

So oder so, dem Trugschluss, dass wir ewig wie bisher weiter machen könnten, erliegen zwar immer noch viele Menschen, doch Gegenstimmen werden vermehrt lauter. Auch wenn die Mehrheit der weltweiten politische Entscheidungsträgern noch meilenweit von einem wirklichen Umdenken in Richtung einer nachhaltigen, sozial gerechten und ethisch vertretbaren Wirtschaft sind.

Die Ermordung Dschemal Kaschoggis hat erneut eindeutig unterstrichen, wie die Weltpolitik tickt: Was ist das Leben eines regimekritischen Journalisten im Vergleich zu niedrigen Erdölpreisen, damit einhergehenden brummenden Wirtschaftszahlen und lukrativen Wirtschaftsdeals (im Falle Saudi Arabien vor allem Waffen) wert? Schaut man, wie die viele Handelspartner Saudi Arabiens reagiert haben, fällt die Antwort eindeutig aus: Nicht viel. Der Preis des Barrels scheint (noch immer) wichtiger.

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

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Author: Philippe Reuter

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