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Edito: Endlich erwachsen

Das 21. Jahrhundert wird 2018 volljährig. „Endlich 18“ titelte die Berliner „tageszeitung“ und widmete ihre letzte Wochenendausgabe 2017 dem Erwachsenwerden, das häufig mit Träumen und Unsicherheiten, mit Sehnsucht und Angst verbunden ist. 18 Jahre bedeutet für den, der es wird, einige Rechte zu erlangen, unter anderem das Wahlrecht. Es heißt aber auch mehr Verantwortung. Viele Jugendliche fühlen sich schon viel früher erwachsen. Dabei müsste die Volljährigkeit um drei bis vier Jahre nach hinten verschoben werden, findet die Neuropsychologin Kerstin Konrad von der Universität Aachen: Der Körper sei dem Kopf voraus. Beim Luxemburger Referendum 2015 wurde gefragt, ob hierzulande schon ab 16 Jahren gewählt werden darf. Das Nein fiel deutlich aus.

Strittig ist, die Befindlichkeit der jungen Generation analysieren und einordnen zu können. Unstrittig hingegen ist es, dass die Politik, die jetzt praktiziert wird, für alle Generationen gemacht wird, vor allem wird sie jedoch die jüngeren treffen. „Die Lebensqualität, die wir genießen, gehört nicht uns“, sagte Premierminister Xavier Bettel am Vorabend des Nationalfeiertages im vergangenen Jahr. „Wir haben sie von den Generationen vor uns geerbt.“ Dieses Erbe verpflichte uns den kommenden Generationen gegenüber.

Lebensqualität beinhaltet den materiellen Wohlstand ebenso wie das subjektive Wohlbefinden der Bürger, soziale Sicherheit und Zukunftsperspektiven. Damit wären wir beim Wahljahr 2018. Bei den Parlamentswahlen im Oktober wird darüber entschieden, wer für die kommenden Generationen die politische Hauptverantwortung übernehmen soll. Auf den ersten Blick sieht es für die Jugend von heute gut aus: Die Wirtschaft blüht in Luxemburg, die Arbeitslosigkeit ist gesunken. Die meisten Jugendlichen hierzulande leben wohlbehütet.

Doch der Schein trügt. Lebensqualität und Zukunftsperspektive sind im reichen Luxemburg nicht für alle gleich. Etwa ein Fünftel der Einwohner ist von Armut bedroht. Ohne Sozialtransfers läge die Quote deutlich höher. Am stärksten von Armut betroffen sind junge Menschen. Viele Jugendliche haben kaum Aussichten auf eine gut bezahlte Arbeit. Ihr Erwachsensein beginnt mit vielen Fragezeichen. Die Ungleichheiten nehmen zu, die soziale Kluft droht größer zu werden. Ursachen sind die ungleiche Einkommensverteilung, ungleiche Bildungschancen und die angespannte Wohnungssituation – Immobilien werden in dem eigenheimverwöhnten Großherzogtum für immer mehr Menschen unerschwinglich. Mehr und mehr Menschen haben zwar eine Arbeit, können sich aber immer weniger leisten. Diese Trends zu stoppen, ist eine der Aufgaben der aktuellen und der künftigen Regierung, die am 14. Oktober gewählt wird.

Stefan Kunzmann

Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft

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Author: alommel

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