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Edito: Fort- oder Rückschritt

Das Gefühl, wenn sich ein Problem in Luft auflöst und die Beklemmung verschwindet, also umgangssprachlich, wenn einem der berühmte Stein vom Herzen fällt, kennt jeder. Genau dies dürfte auch bei einigen Akteuren rund um das Dossier der Abschaffung der Kirchenfabriken der Fall gewesen sein. Deren Dachverband Syfel hatte bekanntlich sowohl gegen das Bistum, wie auch gegen die Regierung Klage eingereicht, weil man beim Syndikat der felsenfesten Überzeugung ist, dass die Konvention aus dem Jahr 2015, welche das Ende der Kirchenfabriken besiegelt, gegen das Recht verstößt.

Letzte Woche gab es in diesem Dossier eine ziemlich herbe Niederlage für das Syndikat der Kirchenfabriken, denn das Bezirksgericht Luxemburg erklärte die Klage für unzulässig. Erleichterung beim Bistum, wo Generalvikar Leo Wagener dem Luxemburger Wort verriet, dass das Erzbistum in seiner Position bestätigt wurde. Aber auch Erleichterung beim Innenminister: Dan Kersch zeigte Genugtuung auf Facebook über die Entscheidung des Bezirksgerichts: „Grouss Satisfaktioun.“

Und das sonst um keine Pressemitteilung verlegene Syfel? Sprecher Marc Linden sagte dem Tageblatt, man sei über das Urteil überrascht, aber man wolle nicht aufgeben. Dass, der Dachverband dieses Urteil, erst einmal sacken lassen will, ist eigentlich verständlich. Doch neben dem Syfel dürfte auch die größte Oppositionspartei erst einmal schlucken müssen. Denn im Streit zwischen der aktuellen Regierung und dem Dachverband der Kirchenfabriken, hatte die CSV sich vehement auf die Seite des Syfel geschlagen, die immer gleiche Kritik gebetsmühlenartig runtergebetet, unzählige parlamentarische Anfragen zu dieser Thematik gestellt und sich für das Erhalten einer Kirchengemeinde pro Gemeinde eingesetzt. Und jetzt? Funkstille im Hause CSV, schließlich geht man so kurz vor einem Wahltermin nicht gerne mit einer Klatsche hausieren.

Die CSV geht nicht gerne so kurz vor einem Wahltermin mit einer Klatsche hausieren.

Spannender allerdings, als der vorübergehende Gang der CSV auf Tauchstation, ist das, was und ob sich überhaupt etwas zu der Thematik Trennung von Kirche(n) und Staat im CSV-Wahlprogramm wiederfinden wird und wie viel Mut die CSV haben wird, andere gesellschaftliche Reformen in diesem festzuhalten. Bis dieser veröffentlicht wird, muss man sich noch bis zum 15. September gedulden. Klar ist allerdings, dass zumindest ein Teil der CSV der aktuellen Regierung sehr dankbar sein dürfte, dass das Thema Trennung von Kirche(n) und Staat mitsamt dem Abschaffen der Kirchenfabriken mehr als nur angedacht und quasi abgeschlossen wurde, auch wenn man aus Publicitygründen, dies natürlich nie öffentlich zugeben wird.

Dass im Wahlkampf vielleicht der ein oder andere der christdemokratischen Führungsriege ein paar Situation zu dieser Thematik vom Stapel lassen wird, ist sicher wie das Amen im Gebet. Schließlich will auch der konservative Teil der Wählerschaft, die glaubt mit dem Abschaffen des Religionsunterrichts, der Konvention zwischen Kirche(n) und Staat und der damit einhergehenden Abschaffung der Kirchenfabriken wäre das Ende der Katholischen Kirche in Luxemburg nahe, bedient werden. Dass dem beileibe nicht so ist, hat der kürzlich von der Katholischen Kirche veröffentlichte Jahresbericht gezeigt: Die Finanzen sind im grünen Bereich und sogar die angebotene Katechese findet einen gewissen Anklang.

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Stellvertretender Chefredakteur
Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

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Author: Martine Decker

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