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Edito: Kontrollwahn

Wer in die USA einreisen will – egal ob als Tourist oder Geschäftsmann – der soll in Zukunft beim Ausfüllen seines ESTA-Formulars auch seine Social-Media-Konten angeben, zumindest wenn es nach dem „Department of Homeland Security“ (DHS) der USA geht. Die Angabe soll zwar freiwillig sein, könnte sich gegebenenfalls trotzdem auf die Genehmigung eines Visums auswirken.

Was die amerikanische Grenzschutzbehörde mit einer solch zwielichtigen Ansage bezwecken will, scheint klar: Einreisende verunsichern. Wahrscheinlich wird so manch einer seine Konten ganz freiwillig angeben, um sich irgendwelchen Stress bei der Einreise zu ersparen.

Ob die Datensammelwut wohl zu mehr Sicherheit führt?

Ob diese Datensammelwut allerdings auch nur in geringster Weise dazu führt, dass die DHS „sich mehr Klarheit über schändliche Aktivitäten und Verbindungen verschafft“ – wie sie es selbst behauptet –, scheint mehr als fraglich.

Jemand der tatsächlich vor hat, in die USA einzureisen und dort eventuell einen Anschlag zu verüben, wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht so naiv sein, dies über Twitter, Facebook und Co. im Vorfeld groß herauszuposaunen. Und sogar wenn er genau dies täte, wäre es eine Bankrotterklärung für jeden Geheimdienst dieser Welt, wenn eine sich selbst im Netz als Bedrohung anpreisende Person nicht schon im Vorfeld einer Einreise auf dessen Radar auftaucht und die Vita frühzeitig durchleuchtet wird.

Es geht also wahrscheinlich nicht darum, die potenziellen Gefahrenquellen herauszufiltern, sondern darum der Welt vorzugaukeln, dass man alles unter Kontrolle hat. Gefühlte Sicherheit ist halt eben auch eine Form der Sicherheit…

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Aktualität, Politik, Multimedia, Bandporträts

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Author: Martine Decker

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