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Edito: Nötige Umverteilung

Die „Chambre des salariés“ weißt in ihrem rezent veröffentlichten „Panorama social 2019“ darauf hin, dass das Armutsrisiko seit 2017 wieder stark am Steigen ist, die Schere zwischen Klein- und Großverdienern weiter auseinander geht und, dass vor allem Alleinerziehende und Arbeitssuchende am ehesten von dem angesprochenen Armutsrisiko betroffen sind. Einer der Kriterien, der diese Ungleichheit dokumentiert, ist der Gini-Koeffizient, je höher dieser liegt, umso ungerechter ist das Einkommen verteilt. Und auch wenn dieser Koeffizient nicht als einziger Indikator wie ein „Stein des Weisen“ an Land gezogen werden kann, um die Vermögensverteilung vollends und hieb- und stichfest einzuschätzen zu können, so ermöglicht er dennoch einen mehr als nur brauchbaren Vergleichsansatz.

In Luxemburg liegt der Koeffizient bei knapp unter 31 und damit über dem Durchschnitt der Euro-Zone. Es gibt also hierzulande noch sicherlich zahlreiche Verbesserungsmöglichkeiten, um den Weg zu einer gerechteren Gesellschaft zu ebenen. Dazu bedarf es natürlich den nötigen politischen Willen, auch unpopuläre Maßnahmen (gegenüber den reicheren Bevölkerungsschichten) durchzusetzen. Dass dieser Wille nicht immer vorhanden ist, zeigt ein Blick ins Nachbarland, wo Emmanuel Macron die „impôt sur la fortune“ (ISF) im Jahr 2017 abgeschafft hat. Letzte Woche ruderte der französische Präsident in Sachen ISF zwar nicht zurück (etwas, was die Bewegung der „gilets jaunes“ gefordert hatte), er will allerdings mit angekündigten Steuererleichterungen den schwächeren Einkommensschichten entgegenkommen. Der renommierte französische Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty hatte vor zwei Jahren bei der Abschaffung der ISF nicht mit Kritik gespart und behauptet, dass die Abschaffung des ISF ein schwerwiegender moralischer, ökonomischer und historischer Fehler gewesen sei, und dass diese Art der Steuergeschenke an die reichere Bevölkerungsschicht zu diesem Zeitpunkt überhaupt keinen Sinn ergeben würde.

Eine bessere Welt erreicht man nicht mit politischen Parolen, sondern mit beherzten Entscheidungen.

Thomas Piketty, der mit seinem 2013 erschienen Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ weltweit für große Aufmerksamkeit und Diskussionen sorgte, forscht seit Jahren unter anderem im Thema der Vermögensverteilung und prangert öfters eine steigende Vermögenskonzentration ganz nach dem Motto „die Reichen werden reicher und die Armen ärmer“ an. Eine These, die global ihre Gültigkeit hat, wie verschiedenen Studien untermauern. Die NGO Oxfam rechnete für das Jahr 2014 aus, dass die Hälfte des Weltreichtums nur einem Prozent der Weltbevölkerung gehört und dass demnach Handlungsbedarf bestünde. Eine bessere Welt erreicht man nämlich nicht mit politischen Parolen, sondern mit beherzten Entscheidungen. Dazu gehört dann auch, dass eine Steuerpolitik praktiziert wird, die keine übertriebenen Optimierungen und Steuerschlupflöcher zulässt. Auch hier gibt es in Luxemburg sicherlich noch Spielraum nach oben. Und ob die seit Januar geltende Erhöhung des Mindestlohns von 100 Euro in Sachen Umverteilung der Gerechtigkeit letzter Schluss ist, sei mal dahin gestellt.

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

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Author: Philippe Reuter

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