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Edito: One step beyond

Die Regierung hat letzte Woche mit ihrer Exit-Strategie angedeutet, wie sie Luxemburg in den nächsten Wochen vom aktuellen Lockdown wieder progressiv auf wirtschaftliche Betriebstemperatur hochfahren will. Trotz berechtigten Kritikpunkten und noch offenen Fragen wurde der Fahrplan in Richtung „Normalität“ von allen politischen Lagern meist wohlwollend kommentiert. Weniger begeistert sind hingegen die unterschiedlichen Wirtschaftszweige, wie etwa der Horesca-Bereich, die noch lange kein Licht am Ende des Corona-Tunnels sehen.

Natürlich wird es interessant zu verfolgen sein, ob der jetzt aufgezeichnete Weg überhaupt in diesem Zeitraum umgesetzt werden kann und wann man wieder von einem normalen Alltag sprechen darf. Der Einschnitt, der diese Pandemie in unseren handelsüblichen Gewohnheiten hinterlassen wird, ist jetzt noch nicht mit Endgültigkeit auszumalen. Klar wird sein, dass der Alltag sich nicht so schnell wieder so gestalten wird, wie noch im Januar und Februar dieses Jahres.

Müssen wir uns nicht daran gewöhnen, dass wir noch viele Monate das Haus nicht ohne Mundschutz oder Maske verlassen können? Müssen wir nicht akzeptieren, dass größere Veranstaltungen, egal ob Konzerte, Theatervorführungen, öffentliche Feierlichkeiten oder auch noch Sportveranstaltungen, wohl noch längere Zeit tabu sein werden? Müssen wir nicht ertragen, dass unsere Freiheiten – zu denen auch die sozialen Kontakte zu den Menschen gehören, die wir schätzen und lieben –, im Zuge des Schutzes der Gesundheit der Gesamtbevölkerung drastisch beschnitten werden?

Der Fahrplan in Richtung „Normalität“ wurde von allen politischen Lagern meistens wohlwollend kommentiert.

Wahrscheinlich müssen wir mit all dem in naher und mittelfristiger Zukunft leben, auch wenn bei dem Einschnitt in die individuellen Freiheiten keiner – weder die führenden Politiker und schon gar nicht die Opposition – aus den Augen verlieren darf, dass diese das höchste Gut sind. Ein Lockdown der Bevölkerung ist nämlich nur in absoluten Ausnahmesituationen zu rechtfertigen, ansonsten drohen demokratische Staaten schnell den Schritt zur Demokratur einzuleiten. Was dann auf dem Spiel steht, wenn auch noch rechtspopulistische oder rechtsextreme Regierungen am Ruder sind, kann man sich schon jetzt anhand von Victor Orban und Ungarn anschauen. Eine Implosion der über Jahrzehnte aufgebauten Europäischen Union wäre wahrscheinlich ein sehr realistisches Szenario, dichte Grenzen inbegriffen.

Was passieren wird, sollten die jetzt beschlossenen Lockerungen eine negative Auswirkung auf den Verlauf der Corona-Pandemie hierzulande haben, wird sich zeigen. Es wird jedenfalls schwieriger werden, die Bevölkerung noch einmal in gleichem Maße zu überzeugen, dass „Bleift doheem“ erneut die Maxime der Stunde ist. Schließlich war beim ersten Lockdown die große Majorität der Bevölkerung aufgrund der Dringlichkeit zu handeln noch bereit, ohne großes Murren ein kleines Opfer für das Gesamtwohl der Bevölkerung zu leisten. Ob dies tatsächlich ein zweites Mal genau so funktionieren wird, kann bezweifelt werden. Bleibt zu hoffen, dass es nicht zu einem zweiten Lockdown kommen muss.

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

Author: Martine Decker

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