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Edito: Politischer Hürdenlauf

„Au Luxembourg, contrairement à la France, on ne manque pas de masques“, kündigt der TF1-Anchorman Gilles Bouleau am 5. Mai einen Beitrag in den 20.00-Uhr-Nachrichten an. In diesem wird erklärt, dass hierzulande genügend Masken vorhanden sind und diese sogar gratis an die Bevölkerung verteilt werden. Nicht nur von den Gemeinden – der TF1-Journalist war in Mamer – sondern, auch vom Staat selbst. Der Bericht erklärt, dies sei möglich, weil Luxemburg seine Masken früh in China geordert und dabei Verträge mit möglichen Strafgebühren durchgesetzt hat und dass man dank der Frachtfluggesellschaft Cargolux und den Kontakten von Boss Richard Forson in China ziemlich problemlos an Masken kam und noch immer kommt. Ein bisschen Neid des südlichen Nachbarn ist auf jeden Fall aus dem knapp vierminütigen Beitrag herauszuhören.

Die See, in der viele Firmen und Unternehmer stechen, wird also stürmischer.

Die Regierung hat es also geschafft die sanitäre Krise relativ gut zu meistern. Und nicht nur die internationalen Medien, sondern sogar die Opposition hierzulande (mit der CSV an der Spitze) hat relativ wenig bis gar nichts an den politischen Handlungen in Sachen Lockdown zu bemängeln. Mal vom Pandemie-Gesetz und den Umgang mit den Gewerkschaften abgesehen. Doch jetzt, wo die Verbreitung des Corona-Virus eingedämmt wurde, kommen neue Hürden, die es zu überwinden gibt, auf die Regierung zu. Zum einen die Massentests, die laut „reporter.lu“ später anlaufen als gedacht, weil es an Material und Personal fehlt, zum anderen gilt es zu verhindern, dass auf die sanitäre Krise eine wirtschaftliche – mit zahlreichen Fir-menpleiten und explodierender Arbeitslosigkeit – folgt. Dass die dunklen Wolken am Wirtschaftshorizont längst aufgezogen sind, dürfte klar sein. Der Internationale Währungsfonds rechnet mit einer globalen und epochalen Rezension, der schwersten seit rund hundert Jahren. Laut IWF könne die Wirtschaftsleistung um drei Prozent schrumpfen. Die See, in der viele Firmen und Unternehmer stechen, wird also stürmischer, und hier muss die Regierung zeigen, ob sie diese zweite Herausforderung ähnlich souverän meistern kann, wie die erste. Der Hürdenlauf hat erst begonnen und je nach Pandamie-Entwicklung könnte dieser noch mehrere Monate andauern.

Den Unmut vieler unabhängiger Unternehmer hat man sich schon jetzt zugezogen, wie man in den vergangenen Wochen auf den sozialen Netzwerken nachlesen konnte. Viele zeigten Unverständnis, dass sie einfach mit einer Art „lettre type“ eine Absage für eine staatliche Finanzspritze erhalten haben. Dass sich alle Wogen glätten werden, kann man schon jetzt bezweifeln und vor allem im Horesca-Bereich wächst der Unmut. Zahlreiche Kneipenbesitzer und Restaurantbetreiber fürchten schlichtweg um die eigene Existenz und pochen genau wie die Horesca selbst auf einen baldigen Öffnungstermin. Dabei ist es für die Politik alles andere als ein leichtes Unterfangen, in dieser Domäne den wirtschaftlichen und gesundheitlichen Aspekt unter einen Hut zu bekommen. Die nächste Hürde eben…

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

Author: Martine Decker

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