Home » Politik & Wirtschaft » Editorial » Edito: Ready, set, go

Edito: Ready, set, go

Schon seit Wochen scharren wohl einige mit den Hufen, und in den verschiedenen Parteizentralen dürfte manchen das jährliche Sommerloch wohl länger als sonst vorgekommen sein, doch seit letztem Wochenende ist es soweit, und die fleißigen Parteihelfer können kleben, was der Tapetenkleister hergibt.

Klar, über Kreativität kann man mindestens so gut wie über Geschmack streiten. Allerdings zeugen „heile Welt“-Stock-Fotos mit irgendeinem x-beliebig austauschbaren Spruch oder im Photoshop glatt gebügelte Mutschs, Koxs und Gramegnas in Großformat oder rechtspopulistische Sprüche mit Luxemburger Fahne (gerne auch mal falsch herum aufgedruckt) vor allem von einem: Luxemburger Parteien beweisen im Wahlkampf ähnlich viel Courage zu etwas Neuem oder Innovativem, wie Inspektor Columbo Mut zu etwas anderem als einem zerknitterten Trenchcoat. Lediglich an die Sozialen Netzwerke als vermutliche Allzweckwaffe beim Wählerfang scheinen einige mittlerweile fester zu glauben, als an die Stichhaltigkeit des Inhalts ihres jeweiligen Wahlprogramms.

Bis zum 14. Oktober sind es noch vier Wochen, und als politikinteressierter Mitbürger erhofft man sich doch sehr, dass binnen diesem Zeitraum die Diskussionskultur sich etwas von dem mittlerweile allgegenwärtigen Stammtischniveau eines durchschnittlichen Facebook-Posts abhebt. Doch seien wir ehrlich: In Zeiten, in denen Politiker sich in den Netzwerken ähnlich in Szene setzen wie der nächste gerade megaghypte Influenzer, gilt auch in der Politik das Marketingcredo „Image ist alles“ mehr als je zuvor. Doch ist diese Strategie, die etwa bei der übersüßten österreichischen Energyplörre „Red Bull“ noch bestens funktioniert, wirklich auf die Luxemburger Politlandschaft umsetzbar? Kaum…

Politik ist kein Lippenstift und Claude Wiseler nicht Dagi Bee.

Es mutet zumindest seltsam an, dass ein Teil der Luxemburger Politprominenz versucht, sich selbst zum Beispiel auf dem gerade bei jüngeren Leuten sehr angesagten Netzwerk Instagram einen peppigen Anstrich zu verpassen. Oder anders gefragt: Findet ein potenzieller Wähler Mars Di Bartolomeo plötzlich einen Politiker, dem er unbedingt zwei Stimmen geben muss, weil er ihn beim Schnorcheln im Swimming-pool zuschauen kann? Vermutlich nicht, denn auch, wenn irgendwelche Kommunikationsstrategen den Politiker ganz fest ins Ohr gezwitschert haben, dass das heute so gemacht werden muss, will man sich jung, dynamisch, fesch und trendig geben. Tatsache ist: Politik ist kein Lippenstift und Claude Wiseler nicht Dagi Bee. Und erwachsene mündige Wähler mit der gleichen Marketingstrategie ködern zu wollen, wie dreizehnjährige vor sich hin pubertierende Lümmel und Gören, wird wohl auch nur bedingt funktionieren.

Aber noch ist ja nicht aller Tage Abend und die Wahlversammlungen, Rundtischgespräche, Interviews oder anderen TV-Duelle werden zeigen, in wie weit politische Inhalte dominieren oder ob auch hier die Qualität eher Richtung populistisches Trump-Wahlkampf-Niveau driftet samt prollig lauter Diskussionskultur oder sich doch mit wichtigeren Dingen beschäftigt wird. Wenn die Diskussionen nur halb so künstlich werden, wie manches vor Stereotypen strotzende Wahlplakat, dann ist schon viel erreicht.

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

Teilen ...Email this to someoneShare on Google+Print this pageTweet about this on TwitterShare on Facebook
Author: Philippe Reuter

Login

Lost your password?