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Edito: Strippenzieher

Feuer frei! Seit die Konvention im Januar 2015 zwischen Kirche(n) und Staat unterschrieben wurde, gibt es aus der Ecke der Katholischen Kirche, allerdings fast ausschließlich vom Syndikat der Kirchenfabriken (Syfel), heftigsten Widerstand. Dabei ist die Angelegenheit eigentlich klar wie Kloßbrühe. Zumindest lässt die in der Konvention angedachte Marschroute kaum Spielraum zu: Die Kirchenfabriken sollen abgeschafft und die Besitztümer in einen Fonds überführt werden, die von diesem verwaltet werden.

Gegen diese Tatsache stemmt sich das Syfel mit aller Macht und steht dabei ziemlich einsam da. Schließlich hat sogar das Bistum kaum Verständnis für die verhärtete und reaktionär-verkrampft wirkende Haltung des Syndikats. Bei näherer Betrachtung erschleicht einen allerdings der Verdacht, dass das Syfel gar nicht so der „lonesome cowboy“ ist, der aus Liebe zur Tradition an dem festhält, was seit 1809 Bestand hatte, wie man es vermuten könnte. Denn mittlerweile scheint beim Wirken des Syfel die größte Oppositionspartei die Fäden im Hintergrund mitzuziehen und damit Oppositionsarbeit in der Thematik Trennung von Kirchen und Staat über Bande zu betreiben.

Jedenfalls spricht einiges für diese These: Zum einen sind zahlreiche (Ex)-CSV-(Kommunal)-Politiker in einzelnen Kirchenfabriken aktiv und damit natürlich auch indirekt im Syfel Sprachrohr für die CSV-Position. Zum anderen bedient die CSV, indem sie sich auf die Seite des Syfel schlägt und den Empörungssturm über die angedachte Abschaffung der Kirchenfabriken am Leben hält, den wertkonservativen Flügel der Partei, was in Bezug auf kommende Wahlen nicht unwichtig ist. Letzte Woche karikierte Dan Kersch diese CSV-Syfel-Connection und betitelte die Syfel-Generalversammlung in einem RTL Radio Lëtzebuerg-Interview als „Seniorenveranstaltung der CSV“.

Zieht die CSV beim Syfel die Fäden im Hintergrund?

Neben der Tatsache, dass die Christdemokraten sich aktuell die Chance nicht nehmen lassen – was für eine Oppositionspartei durchaus legitim ist –, mit allen Mitteln gegen die Regierung zu argumentieren, spielt beim Kirchensyndikat zusätzlich etwas mit, bei dem man sich als Außenstehender durchaus die Frage stellen kann, ob es nicht vielleicht auch politisch gesteuert ist.

Das Syfel wurde nämlich erst am 30. April 2014 gegründet, zu einem Zeitpunkt also, als längst klar war, dass die aktuelle Regierung in Sachen Trennung von Kirchen und Staat aktiv werden würde. Bleibt die Frage, ob die CSV nicht schon damals die Chance auf eine vehemente Gegenstimme zu den Regierungsplänen witterte und deshalb auch bei der Schaffung des Syndikats die Fäden im Hintergrund zog?

Dass man auf jeden Fall bei der CSV eine sehr eigene Sichtweise hat, zeigt die Kritik, die man an den Innenminister richtet. Man wirft ihm vor, er würde „auf Spaltung und Streit“ setzen. Dass das Syfel mit dem Bistum eine Einigung gefunden hatte, von der man wusste, dass diese nicht mit der Konvention vereinbar war, lässt zumindest erahnen, dass das Kirchensyndikat kein Interesse am Rauchen der Friedenspfeife hatte. Um zu versuchen, das Kriegsbeil dennoch zu begraben, wurde die Causa Kirchenfabriken jetzt zur Chefsache. Xavier Bettel wird es nicht leicht haben.

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Stellvertretender Chefredakteur
Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

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Author: Martine Decker

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