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Edito: Süßes kriegt Saures

Nachdem über die letzten Jahrzehnte die Politik mit zahlreichen Maßnahmen, von Preiserhöhungen über Rauchverbote bis hin zu Schockbildern, dem Tabak den Kampf angesagt hatte, geht es jetzt dem Zucker – sprich dem zu hohen Zuckerkonsum mit allen seinen negativen Auswirkungen auf die Gesundheit – an den Kragen.

Eine Zuckersteuer soll helfen, vor allem den Verzehr von zuckerreichen Limonaden zu drosseln und damit Volkskrankheiten wie Übergewicht und Diabetes einzudämmen. Mit dieser Idee ist die Luxemburger Regierung beileibe nicht alleine, denn sie basiert auf einer Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), welche allen Regierungen nahegelegt hat, eine entsprechende Steuer von mindestens 20 Prozent einzuführen. Zwölf Länder (Frankreich, Finnland, Ungarn, Mauritius, Barbados, Dominikanische Republik, Ecuador, Cookinseln, Tonga, Fidschi und Chile) erheben bereits eine solche Steuer. Neben Luxemburg ist unter anderem in Großbritannien, Irland, Portugal und Italien eine Zuckersteuer in Planung.

Das Problem des zu hohen Konsums liegt auch im „versteckten“ Zucker.

Es mag durchaus sein – und das hat das Drehen an der Preisschraube beim Zigarettenkonsum gezeigt –, dass eine Sonderabgabe beim Verkaufspreis eine direkte Auswirkung auf den Konsum hat. Aber anders als bei den Glimmstängeln müsste in Sachen Zucker noch viel mehr passieren, falls es den politischen Verantwortlichen ernst ist und der Ansatz mehr als nur eine publicity-trächtige und populistische Effekthascherei im Bereich Volksgesundheit sein soll. Denn die Tatsache, dass Industrielimonaden in der Regel überzuckert sind, dürfte den meisten Konsumenten längst bekannt sein, genau wie ein Raucher weiß, dass Zigaretten schädlich sind.

Das Problem des zu hohen Konsums liegt nämlich auch im „versteckten“ Zucker in Industrielebensmitteln. Komplementär zur Steuer – die in Luxemburg aufgrund einer hohen Kaufkraft des größten Teils der Bevölkerung wohl eher begrenzt Wirkung zeigen dürfte – müssten Nahrungsmittelproduzenten dazu gebracht werden, weniger Zucker zu verarbeiten. Zucker ist nämlich günstig, sorgt für Geschmack und Fülle und wird deshalb in großen Mengen in Lebensmitteln verarbeitet.

Zusätzlich müssten Lebensmittelhersteller angehalten werden, Zucker in den Inhaltsstoffen klarer zu kennzeichnen. Für Zucker gibt es nämlich insgesamt 70 verschiedene Namen und Stoffe. Für den Verbraucher ist es daher kaum oder schwierig zu erkennen – und deshalb ist es ihm auch nicht klar –, dass er Zucker zu sich nimmt.

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

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Author: Martine Decker

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