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Edito: The final countdown?

Die Briten schreiten bekanntlich am 12. Dezember zur Urne. Dann müssen sie entscheiden, ob sie eher dem aktuellen Premierminister Johnson und den Tories und deren Wahlkampfmantra „Brexit endlich durchziehen“ ihr Vertrauen schenken wollen, oder aber Jeremy Corbin (und der Labour-Partei), der im Wahlkampf vor allem die sozialen Probleme des Landes in den Vordergrund stellt. Die anderen Parteien – die populistische Brexit-Party inbegriffen – werden allem Anschein nach nur eine minimale Nebenrolle einnehmen.

Laut Umfragen könnte die Rechnung von Johnson mittels Neuwahlen seine Position zu stärken, tatsächlich aufgehen. Der aktuelle Premierminister konnte zum einen in den vergangenen Monaten deutlich an Zuspruch gewinnen (von 25 Prozent im August auf aktuell 41) und zum anderen sagt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov den Konservativen 359 von 650 Sitzen voraus (ein Plus von 42 Sitzen im Vergleich zu 2017). Die Labour Partei würde nur noch 211 statt den 262 von vor zwei Jahren erhalten. Johnsons Poker-Coup scheint also wie erwähnt aufzugehen und der Brexit dann – endlich wird manch ein politischer Beobachter sagen – eingetütet sein.

Äußerst spannend wird es allerdings, sollte bei den britischen Wahlen die „Labour Party“ das Rennen machen.

So weit, so gut. Äußerst spannend wird es allerdings, sollte trotz anders lautender Vorhersagen die „Labour Party“ das Rennen machen. Dann dürfte sich nämlich jeder in Europa darauf einstellen, dass das Kapitel „Brexit“ noch über einen etwas längeren Zeitraum die europäische Politik beschäftigen wird. Weil Corbyn, trotz einer eher neutralen Haltung in Sachen Brexit im Wahlkampf, eine Neu-Verhandlung des Deals in Aussicht stellt und sogar darüber nachdenkt anschließend noch einmal ein Referendum abzuhalten. Noch schwieriger dürfte die Situation werden, falls der Wähler kein eindeutiges Statement abgibt und man sich in einer Pattsituation wiederfindet.

Was aktuell allerdings ziemlich erstaunlich ist, ist die Tatsache, dass die Diskussion über die Zukunft Großbritanniens nach dem Brexit gar nicht erst thematisiert wird. Ganz so, als sei schon glasklar, welche Rolle (vor allem in Sachen Wirtschaft) das Land auf europäischer und weltweiter Ebene nach dem Austritt aus der EU spielen würde. Dabei ist es gerade diese Frage, die wegweisend sein wird, sowohl für die britische Wirtschaft, wie auch für den einfachen Mann von der Straße. Leider zeugt diese Herangehensweise von einer Politik, die den Bürger in Vorwahlkampfzeiten lieber mit simplistischen Dingen von sich zu überzeugen versucht und die komplexen Fragen lieber klein redet, oder sie lieber im politischen Hinterzimmer thematisiert. Das ist nicht nur auf der Insel so.

Foto: Editpress / Alain Rischard

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

Author: Philippe Reuter

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