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Edito: Unfreiwillig komisch

Politische Kommunikation ist kein einfaches Unterfangen. Und zumindest im Ausland zermartern sich ganze Betreuerstäbe die grauen Zellen, wenn es darum geht, einen Mandatsträger bei seiner Kommunikation zu beraten. So ist es kein Zufall, dass vergangene Woche in Frankreich das erste „Statement“ von Macron zur Affäre Benalla, ein „geleakedes“ Video war, in dem Emmanuel Macron in bester Trump-Manier markige Sprüche klopft. Ein eindeutiges Zeichen – manche politischen Analysten sprechen sogar von einem „bras d’honneur“ in Richtung Opposition – , dass Macron sich nicht vom Gegenwind einschüchtern lassen will. Das Video ist natürlich ganz gezielt „geleaked“ worden und Teil einer Kommunikationsstrategie.

Und in Luxemburg? Hierzulande stehen bekanntlich Mitte Oktober Wahlen ins Haus, und irgendwelche Kommunikationsberater müssen wohl den Parteien gesteckt haben, dass man sich möglichst volksnah zeigen sollte. Egal ob in Broschüren oder in dem massenweise produzierten Social-Media-Content. Gemeinsames Credo, scheinbar: unfreiwillig komische Momente.

Beispiele gefällig? Die LSAP hat letzte Woche auf Facebook ein Video online gestellt, in dem der Zuschauer mit dem Spitzenkandidaten Etienne Schneider „ennerwee“ sein darf. Und hier wird, der in den Politmonitoren für seine Kompetenz anerkannte, allerdings nicht unbedingt als Sympathieträger durchgehende Wirtschaftsminister, als scherzende, gut gelaunte Plaudertasche inszeniert, die zwischen Basketballspielen und Polizeimuseumsbesuch noch lässig im Auto eine kleine Breitseite gegen die CSV abfeuert. Soll natürlich so rüberkommen, ist aber in etwa so ungekünstelt wie der Geschmack eines Stückes „Hubba Bubba Dr. Pepper Cherry“. Einer ähnlichen Inszenierung hat die DP den Premierminister unterzogen, der in zwei Folgen „Better Call Bettel“ mit dem Mann von der Straße telefoniert. Die Anspielung auf die Serie „Better Call Saul“, samt Titelmelodie und abgekupfertem Logo, hat wohl irgendeiner bei der DP als witziges Augenzwinkern empfunden, war dann doch eher peinlich.

Und weiter geht’s: Die adr hat für jeden seiner Kandidaten ein Filmchen gedreht und versucht sich staatsmännisch zu geben. Der Schuss geht allerdings nach hinten los. So spricht zum Beispiel Roy Reding in Schengen über einen besseren Schutz der EU-Außengrenzen. Schengen und Grenzen… Sylvie Mischel stellen die Macher in Esch vor die Polizeistelle, um über mehr Sicherheit zu sprechen. Sicherheit und das vermeintlich brandgefährliche Esch… Nur zwei von unzähligen Beispielen, wo die adr tief in die Klischee-Kiste greift und deshalb zu nicht gewollter Selbstparodie driftet.
Ein weiteres Schmankerl ist die Bilanzbroschüre der CSV. Die Verfasser dieser Broschüre hatten die „gute“ Idee, sämtliche aktuellen Abgeordneten mit einem Substantiv zu skizzieren, die so manche Fragen aufwerfen. Wieso ist Laurent Zeimet ein „Belüfter“ und was ist ein „Belüfter“? Hoffentlich kein Teil, das nur heiße Luft produziert. Wer sich von dieser gewöhnungsbedürftigen Idee nicht abschrecken lässt und sich den Texten widmet, der trainiert seine Lachmuskeln. So wird Michel Wolter folgendermaßen beschrieben: „Er ist der Durchmarschierer der CSV, der Joker für alle Fälle.“ Wer da nicht an Lee Majors und seinen GMC denkt, der hat in den 80ern auf einem anderen Planeten gelebt. Wolter wurde allerdings nicht mit Cowboyhut und Zigarre in der Badewanne abgelichtet. Zum Glück!

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Author: Philippe Reuter

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