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Edito: Unnötig?

Eigentlich ist man schon fast dazu geneigt, den guten alten in Unterwäsche auf dem Comicsofa herumlümmelnden Homer Simpson und sein „laaaaaaaaaaaaaaaaangweiiiilig“ herauszukramen, wenn wieder mal irgendwo darüber diskutiert wird, was der Stellenwert der Luxemburger Sprache ist, sein muss oder sein sollte. Vor allem, weil das Thema seit der Petition 698 aus dem Jahr 2016, schon gefühlt hunderte Male durchgekaut wurde und in der Regel über diese Thematik mit ähnlicher Sachlichkeit und Objektivität diskutiert wird, wie Roger Laboureur einst die Spiele der „diables rouges“ bei der WM 1986 in Mexiko kommentierte.

Auf der einen Seite die rechtspopulistischen Schwarzmaler – nicht selten mit den beratungsresistenten Nee2015/adr-Verfechtern als Sprachohr in den sozialen Netzwerken – welchen allen Tatsachen zum Trotz, ganz dem postfaktischen Zeitalter entsprechend partout das nahende Ende der Sprache von Edmond de la Fontaine und Michel Lentz heraufbeschwören wollen. Auf der anderen Seite die moderateren Akteure, egal ob aus der Politik oder der Zivilgesellschaft, welche mit schöner Regelmäßigkeit darauf hinweisen, dass Luxemburgisch-Kurse besser besucht sind als in der Vergangenheit, mehr Luxemburgisch gesprochen wird als je zuvor und die Sprache eher ein quicklebendiger Sprössling als ein 110-jähriger morbider Greis ist.

Schwarzmaler schwören das Ende der Luxemburger Sprache herauf.

Doch mittlerweile – dank dem politischen Willen der Mehrheitsparteien und nicht zuletzt wegen des letzte Woche einstimmig verabschiedeten Gesetzesprojektes 7231 – drängt sich die Diskussion rund um die Sprache wieder verstärkt in den Vordergrund und wird mit erheblicher Wahrscheinlichkeit zum großen Wahlkampfthema hochstilisiert (auch wenn die genauen Wahlprogramme der einzelnen Parteien ähnlich lange auf sich warten lassen). Doch – auch wenn man selbstverständlich über die Sprache, ihren Stellenwert und wie man sie noch gezielter fördern kann, nachdenken kann – war dies vonnöten? Haben sich die (Mehrheits-)Parteien nicht ganz einfach vom rechtspopulistischen Flügel der adr vor den „Glaubenskrieg über die Sprache“-Karren, spannen lassen?

Die Tendenz, diese Frage zu bejahen, drängt sich auf, denn spätestens nach dem Referendum von 2015 wollen vor allem die Majoritätsparteien und die CSV das Feld bei einer solchen Thematik nicht unumkämpft den adr-Politikern und ihren neuen Sidekicks vom „Nee2015“ überlassen. Vielleicht dann doch nicht so ganz unwichtig, den hinter deren Deckmantel des Einsatzes für die Sprache, versteckt sich bei einigen Akteuren nichts anderes als latente Fremdenfeindlichkeit, gepaart mit einer gehörigen Portion Frankophobie.

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Stellvertretender Chefredakteur
Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

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Author: Philippe Reuter

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