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Edito: Vorgetäuscht

Aufmerksamkeit erregen und Emotionen erzeugen. Zwei Dinge, die „Fake News“ meistens problemlos hervorrufen. Die Sensationsgeilheit vieler Menschen, oft gepaart mit einem gehörigen Schuss Naivität, sorgen dafür, dass sich die hirnrissigsten Nachrichten verbreiten wie ein Lauffeuer. Zum Beispiel kursierte vor nicht allzu langer Zeit mit fast schon erschreckender Beständigkeit die Geschichte vom „Hurilla“ durchs Netz. Ein einfaches Babygorilla-Foto und eine zusammengesponnene Story reichte aus, um viele Internetnutzer glauben zu lassen, dass indische Forscher tatsächlich eine Kreuzung aus Mensch („Human“) und einem Gorilla erschaffen hätten. Die Insel des Dr. Moreau lässt grüßen…

Die Story ist natürlich völliger Humbug und alleine bei den Titeln der Internet- und Facebookseiten, die solche Storys und Nachrichten teilen und verbreiten, müssten schon die Alarmglocken läuten. „Nouvelordremondial“, „Illuminati Exposed Media“, „blog.halle-leaks.de“ oder „Noch.Info“ um nur einige zu nennen, sind Namen, die ähnlich vertrauenserweckend sind wie ein Schweinefleisch süß-sauer bei einem abgewrackten China-Restaurant im Amsterdamer Stadtviertel „Oude Zidje“.

Hirn einschalten, bitte!

Besonders oft – und das haben die erfundenen Stories rund um den „Spiderman von Paris“ Mamoudou Gassama gezeigt – nutzt das rechtsextreme Lager die Taktik, Geschichten die erstunken und erlogen sind, zu verbreiten, um gezielt Stimmung für ihre politische Denkweise zu machen. Nein, liebe Internetfaschos, es hing keine Puppe am Geländer und es war auch keine Inszenierung der französischen Regierung. Hirn einschalten, bitte!

Etwas was in Zeiten von dem nicht enden wollenden Fluss an Desinformation voraussetzt, dass Internetnutzer aufgeklärt sind und Medienkompetenz besitzen. Ein Start – vielleicht sogar ein dringend notwendiger – wäre ein Schulfach, welche solche Kompetenzen vermittelt und die Selbstreflexion über die vermeintlichen „News“ aus den „bombensicheren“ Quellen ankurbelt. Junge Leute zu mündigen Bürger zu erziehen, bedeutet im digitalen Zeitalter auch den kritischen Geist in Bezug auf „Fake News“ zu erwecken, vor allem um gezielter Manipulation den Riegel vorzuschieben.

Wenn die Manipulation natürlich derart gezielt und perfekt inszeniert ist, wie im Falle des toten-untoten russischen Journalisten Arkadi Babtchenko, dann hilft selbst das nicht. Dass der ukrainische Staat, mit dem nach biblischem Vorbild inszenierten Auferstehungsszenario, eine rote Linie überschritten hat, ist Fakt und zieht wahrscheinlich sogar einen Bumerang-Effekt nach sich. Bei der nächsten Meldung über einen Anschlag aus Kiew werden viele genauer hinschauen…

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

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Author: Philippe Reuter

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