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Edito: Wir schaffen das

Die Covid-19-Krise hat Luxemburg seit Anfang letzter Woche fest im Griff und spätestens mit dem Ausrufen des „Etat de crise“ dürfte auch der Letzte den Ernst der Lage verstanden haben. Der Kampf gegen das Virus ist noch längst nicht überstanden, und der Alltag in Luxemburg dürfte für Wochen oder sogar Monate weiter auf Sparflamme vor sich hin köcheln.

Erstaunlicherweise taucht in diesen schweren Zeiten genau dort eine Art Besonnenheit und Solidarität auf, wo man es zunächst gar nicht erwartet hätte: in den sozialen Medien. Natürlich sind die rechtspopulistischen Einpeitscher nicht von Facebook oder Twitter verschwunden und sie sprühen weiterhin ihr Gift, – einige sind sich sogar nicht zu blöd, um zu versuchen sich selbst als Coronaviren-Experten zu inszenieren und sich als Krisenmanager aufzuspielen – allerdings werden ihre Parolen (denen im Normalfall eh zu viel Aufmerksamkeit geschenkt wird) in diesen schweren Zeiten von anderen positiveren Denkanstößen und vor allem Aufrufen nach Solidarität übertüncht. Das ist auch gut so…

Viele Menschen sind sich bewusst, dass in schweren Zeiten nur der Zusammenhalt helfen wird.

Unwillkürlich fühlt man sich an den Sommer 2019 erinnert, als im Zuge des Tornados, welcher über Petingen und Niederkerschen hinwegfegte und für Verwüstung sorgte, eine große Solidarität mit den Opfern herrschte und, wo Menschen spontan dabei halfen, aufzuräumen oder Geld für Betroffene sammelten. Es ist beruhigend zu wissen, dass viele Leute sich bewusst sind, dass in schweren Zeiten nur der Zusammenhalt helfen wird, die vorherrschende Krise zu überstehen. Das gilt ganz besonders im Fall von Covid-19 und für den Ausnahmezustand in dem sich das Großherzogtum für die nächste Zeit befinden wird.

Weitaus weniger gut passt da ins Bild, dass einige Zeitgenossen sich im Supermarkt mit völlig übertriebenen Hamsterkäufen eingedeckt und damit ihr egozentrisches Weltbild auf beeindruckende Art und Weise öffentlich zur Schau gestellt haben. Richtig skandalös, kriminell, dreist und unverschämt ist es allerdings, dass medizinisches Material geklaut wird und die Regierung sich genötigt sieht, dieses Material in Zukunft von der Armee überwachen zu lassen.

Die Covid-19-Krise wird am Ende zeigen, wie solidarisch die Einwohner dieses Landes tatsächlich sind und hoffentlich hallt der Aufruf zur Solidarität länger nach als sonst ein 0815-Internet-Hype. Denn wenn alle Einschränkungen bis irgendwann wieder aufgehoben sind, gilt es der arg gebeutelten Geschäftswelt und dem Horesca-Bereich solidarisch gegenüber zu sein. „Wir schaffen das“ hatte die deutsche Bundeskanzlerin 2015 im Zuge der Flüchtlingskrise als Motto herausgegeben. Ein Motto, das auch für die aktuelle Krise gilt, vorausgesetzt alle stellen ihr eigenes Ego etwas hinten an.

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

Author: Martine Decker

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