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Edito: Zurück in die Zukunft

Aktuell versucht die halbe Automobilwelt das Rad neu zu erfinden, sprich sich fit zu machen für die Zukunft der Mobilität. Vor allem in Sachen Antrieb ist in den letzten Jahren einiges passiert und die Zukunftsfähigkeit des Verbrennungsmotors wird immer kleiner geredet, auch weil die Politik den E-Antrieb als ultimative Lösung aller Umweltprobleme hoch jazzt. Auch wenn in Sachen Antrieb nicht alles dieser fast schon hollywoodreif inszenierten Schwarz-Weiß-Malerei, zwischen böser Verbrennung und gutem Strom, entspricht und man die Diskussion eigentlich um ein Vielfaches differenzierter führen müsste, kann sich dennoch kein Hersteller erlauben den Zug, in Richtung E-Mobilität vollständig zu verpassen.

Dabei sind E-, wie auch Hybrid-Autos eigentlich ein alter Hut. Im späten 19. Jahrhundert – also zu Beginn des Autozeitalters – stritten drei Antriebskonzepte um die Nachfolge der alteingesessenen und ehrwürdigen Pferdekutsche und das auf Augenhöhe: Elektro-, Dampf angetriebene und benzinmotorisierte Autos. Letztere wurden zunächst eher kritisch beäugt und im städtischen Umfeld waren Elektroautos eher die Regel. So fuhren um 1900 in New York zum Beispiel fast nur elektrisch angetriebene Taxis. Der benzinbetriebene Motor konnte sich am Ende allerdings aufgrund von Reichweitenvorteilen durchsetzen. Erstaunlicherweise ist es dies einer der Thematiken, die in Zeiten, wo die elektrische Revolution scheinbar kurz bevorsteht, auch noch heute für angeregte Diskussionen zwischen Verbrennungsmotorjüngern und Elektroantriebsaposteln sorgt.

Es wäre vermessen zu behaupten, dass früher alles besser war.

Über die Frage, wie die individuelle Mobilität heute aussehen würde, wenn zu Automobil-Pionierzeiten am Elektroantrieb geforscht und dieser weiter entwickelt worden wäre, kann man nur philosophieren, Tatsache ist, dass nicht nur beim Auto und dem Individualverkehr (das Comeback des Fahrrads lässt grüßen), sondern in vielen Dingen des alltäglichen Lebens mittlerweile eine Art „back to the roots“ zu erkennen ist. Zum Beispiel wenden sich immer mehr Menschen bei ihren wöchentlichen Einkäufen wieder den lokalen und saisonalen Produkten zu. Wenn sie dann ihr eigenes Obst und Gemüse auch noch selbst anbauen, mag das im aktuellen Zeitgeist, zwar als relativ hip gelten, wer aber in seinen Erinnerungen kramt, der weiß, dass dies für unsere Großeltern normal war – auch, weil es keine gigantischen Einkaufstempeln gab, in denen man zu jeder Jahreszeit immer alles kaufen konnte.

Es wäre vermessen zu behaupten, dass früher alles besser war, aber es war sicherlich auch nicht alles schlechter. Und so braucht man sich in Sachen Mobilität, genauso wenig nostalgiegeschwängert das Pferdekutschenalter wieder herbei zu wünschen, wie PS-blind die Benzin- oder Dieselkarrosse als Summum der Evolution anzusehen. Es kommt auf die Grautöne dazwischen an… nicht nur beim Individualverkehr.

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

Author: Martine Decker

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