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Eigenlob stimmt

Skoda Superb, der Name ist selbstbewusst. Dreieinhalb Jahre nach Einführung kommt die dritte Generation des Flaggschiffs aus Mlada Boleslav in den Genuss einer Modernisierung. Erstmals wird es wie bei dem etwas kleineren Octavia eine Scout-Version für die Outdoor-Fraktion geben und ab Ende des Jahres dann ein Plug-in-Hybrid mit einem 1,4-Liter-Benziner

Fotos: Skoda

Ganz so viel wurde am Äußeren des Autos bei diesem Facelift nicht geändert. Warum auch? Im Jahr 2018 wurde des Skoda Superb insgesamt 137.500 Mal verkauft, davon allein 43.700 Mal in der Volksrepublik China, seinem mit Abstand größten Markt. In Europa waren die drei ertragreichsten Märkte der Reihe nach Deutschland (19.200), Großbritannien (8.500) und Polen (8.300), knapp vor der Türkei (7.700) und dem Heimatland Tschechien (7.100). Am besten verkaufte sich die zweithöchste Ausstattungsebene Style (39,2 %), deutlich vor Ambition (27,2 %), Sportline (14,7 %) und der Luxus-Ausstattung Laurin & Klement (14,3 %). Bei den Motoren behielten die Diesel mit 68,4 % ganz klar die Oberhand gegenüber den Ottomotoren (31,6 %), bei den Karosserievarianten setzten sich die Kombis (54 %) gegen die Limousinen (46 %) durch.

Die Privatkunden hatten auch 2018 wieder einmal nicht viel zu melden mit 18 % Kaufanteil, denn 82 % wurden von den Flottenmanagern absorbiert. In Luxemburg dürften die Zahlen ähnlich klingen, mit einem stärkeren Trend zu den Luxusausstattungen und den potenteren Antrieben. Bei all diesen Firmenwagen wundert es kaum, dass die Hitparade der Lackierungen wie zu erwarten trist ausfällt: Schwarz (24 %), Dunkelgrau (16 %), Hellgrau (14 %)  und Weiß (10 %). Das versprüht wenig Frohsinn, ist aber wertbeständig.

Dabei gibt es den Skoda Superb in schönem Emerald Green, Lava Blue und Magnetic Brown, aber so richtig angezogen davon fühlen sich anscheinend die Wenigsten. Deshalb haben die Tschechen sich mehr auf das Innere und die Unterhaltungs- bzw. Lebenserhaltungselektronik konzentriert. Der neue adaptive Abstandsassistent (ACC) kann den Superb in den vorausfahrenden Verkehr hängen und bis zu 210 km/h mit einem Side Assist zusammenarbeiten, der die Umgebung bis zu einer Distanz von 70 Meter auslotet. Er verarbeitet Bilder der Frontkamera und Daten aus dem Navigationssystem, ein neuer Front Assist integriert jetzt einen aktiven Fußgängerschutz. Ein Emergency Assist für mehrspurige Fahrbahnen wird ab Mitte 2020 zur Verfügung stehen. Dieser wird es dem Superb dann erlauben, sich selbständig im Ernstfall am Straßenrand abzustellen. Falls das noch erlaubt ist, denn zumindest Deutschland hat seine Bedenken diesbezüglich angemeldet.

Am Äußeren wurden ein paar behutsame Retuschen vorgenommen, den Superb ziert jetzt ein etwas größerer Doppelgrill mit Doppelrippen, der Schriftzug auf den Heck wurde der Familienphilosophie angepasst. Die Scheinwerferoptik wurde abgeflacht und beinhaltet ab Werk bereits LED.

Das Wohnzimmer wurde frisch möbliert, es funkeln die Chromapplikationen und es leuchten die farbigen Kontrastnähte. Auf komfortablem Gestühl mit Alcantara und verschiedenen Infotainment-Systemen mit Displays von 8 bis 9,2 Zoll Diagonale zur Auswahl, bietet der Superb nicht nur außergewöhnlich viel Platz in beiden Reihen, sondern er lässt das Raumwunder auch in bestem Licht erscheinen. Ein Cheapo-VW? Von wegen! Schlüsselloser Zugang und Starterknopf, flauschige Fußmatten und Armlehnen mit integriertem Ambientelicht buhlen um die Wette. Die Dekorleisten im Holzimitat sind zwar beim ersten Anklopfen als Hartplastik entlarvt und die Carbonleisten sind einfach nur fehl am Platz in solch einer Sänfte, aber Schwamm drüber. Dier Topversionen massieren und becircen den Besitzer wie ein Valet aus der Oberklasse, hier gibt es kaum etwas zu meckern. Das Platzangebot ist exemplarisch, die Simply Clever-Ideen zum Verstauen und Sortieren lauern an allen Ecken und Enden.

Bei der Fahrvorstellung fuhren wir den Kombi mit dem neuen 2.0 TDI Evo-Motor mit 150 PS und siebengängigem Doppelkupplungsgetriebe (DSG7) mit Tiptronic-Funktion, dessen offizielle Verbrauchswerte zu diesem Zeitpunkt noch nicht ermittelt waren. Er soll sparsamer als seine Vorgänger sein. Es versteht sich von selbst. Nach der Pflicht auf Asphalt ging es danach im Superb Scout mit 190 PS, DSG7 und Allradantrieb auf eine leichte Schotterpiste zur Kür. Kein Offroad-Parcours, wohlgemerkt, aber doch eine nicht ganz plane Straße durch die Weinberge, die der Tscheche mit reichlich Elan und eine lange Staubwolke hinter sich herziehend, ohne zu murren oder gar poltern ganz souverän meisterte.

Der bei der Testfahrt ausgeführte Evo-Diesel besticht durch einige Finessen wie ein ausgebufftes Kühlkonzept, bei dem Motorblock und Zylinderkopf getrennt gekühlt werden, was dazu führt, dass der Motor schneller seine optimale Betriebstemperatur erreicht. Beim Fahrwerk gibt es nichts fundamental Neues, der große Tscheche federt wie gewohnt alles geschmeidig weg und lässt zu keinem Moment auf den verlängerbaren Sitzflächen Stress in der ersten Reihe aufkommen. Bei den Bremsen, dem Gaspedal, der Lenkung, überall gilt die gleiche Devise: Komfort ist Trumpf!

Die Motorenpalette erstreckt sich über drei Benziner und drei Diesel, mit insgesamt zehn Konfiguration in einem Leistungsspektrum von 120 bis 282 PS, jeweils mit manuellen Sechsganggetrieben und sechs- bzw. siebengängigen Doppelkupplungsgetrieben, dazu je nach Antriebsstrang einen optionalen oder serienmäßigen Allradantrieb. Im Klartext hat der Kunde die Wahl zwischen einem 1.6 TSI (Benziner) mit Sechsganggetriebe oder DSG7, einem 2.0 TSI mit oder ohne Allradantrieb und jeweils DSG7, einem manuellen 1.6 TDI (Diesel), einem Zweiliter TDI, traditionell mit 190 PS oder als Evo mit 150 PS, dann abschließend (und wie die Evo-Motoren derzeit noch nicht verfügbar) ein Plug-in-Hybrid mit 1.4 TSI und 85 kW starkem E-Motor für eine Systemleistung 218 PS, das ganze an ein Sechsgang-DSG gekuppelt.

Die Basispreise für die Limousine beginnen bei 31.320 € für den 2.0 TSI Ambition DKG7 150, bei 32.300 € für die gleiche Version des Kombis. Sie münden beim 2.0 TDI Laurin & Klement DKG7 190 4×4 für 47.270 € für die Limousine und 48.840 € für den Kombi. Die Preise für die 2.0 TSI mit 272 PS und siebengängigem DSG sowie für die mit den neuen 2.0 TDI Evo-Motoren (150 PS/DSG7) ausgestattete Versionen werden nachgereicht. Das Gleiche gilt für das 1.4 TSI Plug-in-Hybrid.

Die diversen Packs sind mit 1.772 € (Sportline) bis 2.655 € (Business) nicht exzessiv teuer. Individuelle Extras wie die Metallic-Lackierung kostet noch einmal 525 € extra – mit Ausnahme von Velvet Red, die als „Premium“-Lackierung 900 € kostet. Die Optionsliste ist zwar ellenlang und reichhaltig, die Tarife ihrerseits allerdings nicht außergewöhnlich scharf gewürzt. Am oberen Ende stehen das Sound-System von Canton für 545 € und die Standheizung mit Fernbedienung für 950 €  bzw. das Columbus-Infotainment mit 9,2-Zoll-Bildschirm, Bluetooth, Touchscreen, SD-Karte und allem Drum und Dran für 1.095 € bis 1.355 €, je nach Ausstattungsniveau. Sicher, für 1.690 € bekommt man das Matrix-LED-Paket am unteren Ambition-Level, aber das erscheint eine eher unwahrscheinliche Investition auf dem untersten Status-Treppchen zu sein, denn in den vier Ausstattungsebenen darüber – Sportline, Scout, Style und Laurin & Klement – ist sie bereits enthalten. Das sind ja fast japanische Zustände.

Erstmals in einem Superb ist das optionale Voll-LED-Matrix-Scheinwerfer verbaut, das es dem Fahrer erlaubt, ohne Unterbrechung mit Fernlicht durch die Nacht zu donnern und dem Wagen das automatische Abblenden oder vielmehr Ausklammern des Gegenverkehrs zu überlassen. Dynamische Blinker wurden in die optionalen Voll-LED-Heckleuchten integriert. Da wir bei der Testfahrt im grellen Tageslicht unterwegs waren, konnten wir es nicht ausprobieren. Aber wir kennen es aus anderen Modellen der Volkswagen-Gruppe und wissen: Es ist sein Geld auf jeden Fall wert, denn der nächste Winter kommt bestimmt.

+ Endlos viel Beinfreiheit im Fond
+ Großer und gut durchdachter Frachtraum
+ Zahlreiche, vernetzte Assistenten
+ Komfortables Fahrwerk mit gutmütigem Charakter
+ Cleveres Licht, virtuelles Cockpit
+ Humane Preisspirale im Wunsch-Katalog

–  DSG etwas langsam beim Spurten
–  Hybridantrieb lässt auf sich warten

Technische Daten:
2.0 TDI DSG7 190 4×4

Ab 43.310 € (°42.600 €)
*5,6-7,1 l/100 km
*146-187 g/km

1.968 cm3
140 kW/190 PS @ 3.500-4.000 U/min
400 Nm @ 1.900-3.000 U/min
8,0 (°8,1) s 0-100 km/h
232 (°223) km/h

*Nach WLTP-Zyklus
° Kombi

Eric Netgen

Chefredakteur autorevue

Author: Eric Netgen

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