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Ein Leben für die Hunde

Hunde sind für die meisten Menschen Freunde und Familienmitglieder. Mit dem Alaskan Malamute kann man aber durchaus mehr machen als nur Kuscheln. Schlittenfahren zum Beispiel.

Text: Jil Baustert / Fotos: Andrée Birnbaum, Philippe Reuter

Neben dem Haus von Andrée Birnbaum und Gatte Franck Chabriac begrüßen uns zahlreiche Hunde. Zu klein für Wölfe, zu groß um Huskys zu sein. Da wir zu früh da sind, sind wir alleine und werden von den Tieren mit ruhigem Blick fixiert. Sie leben zu zweit oder dritt in großen Gehegen mitten im Wald. Seit 15 Jahren dreht sich im Leben der 47-Jährigen alles um die Schlittenhunde.

„Obwohl ich als Kind Angst vor Hunden hatte, war ich fasziniert von ihnen und wollte trotz meiner Panik einen eignen. Im Alter von 13 Jahren hat mir dann ein Züchter eine etwas ältere Hündin geschenkt, damit ich meine Phobie überwinden konnte. So hat alles angefangen“, erzählt Chabriac. Der gebürtige Franzose hat damals mit der ausgebildeten Hündin und einem Fahrrad erste Versuche gemacht sich im Schlittenfahren zu üben.

Seit 1982 ist der Erzieher im Hundeschlittensport aktiv. Zahlreiche Teilnahmen an Meisterschaften, gute Platzierungen aber auch Enttäuschungen kommen in den Jahren zusammen. Um seine Hunde optimal ausbilden zu können, züchtet er auch seit Jahrzehnten. So hat er auch seine heutige Frau kennengelernt. „Ich wollte einen Malamute. 2001 bin ich dann auf Francks Zucht aufmerksam geworden und kaufte einen Welpen bei ihm. So führte eins zum anderen“, verrät Birnbaum. Heute laufen ungefähr 20 Alaskan Malamutes auf dem gemeinsamen Grundstück. Die meisten von ihnen kommen auch als Schlittenhunde zum Einsatz.

Dass solche Hunde Probleme mit der Hitze haben, ist also nur ein weit verbreitetes Vorurteil.

Um mit dem Schlitten zu fahren, sollte am besten eine Schneeschicht von ungefähr 20 Zentimetern liegen. Da es in Luxemburg nicht sehr viel schneit, besteht das heimische Training nicht aus Schlittenfahren. Hier kommen Roller und Karts zum Einsatz. Die Saison beginnt im Oktober und endet Ende März. Anfang April werden die Vierbeiner abtrainiert und in die Sommerpause geschickt. „Genau wie beim menschlichen Sportler ist die Regeneration sehr wichtig. Eine Pause hält die Hunde auch motiviert, denn uns ist es wichtig, dass sie es gerne machen“, erklärt der 42-Jährige.

Permanente Bewegung: Die Malamutes sind Lauftiere. Die meisten von ihnen kommen als Schlittenhunde zum Einsatz.

Permanente Bewegung: Die Malamutes sind Lauftiere. Die meisten von ihnen kommen als Schlittenhunde zum Einsatz.

Das Wohlergehen der Hunde spielt im Leben des Paares eine bedeutende Rolle. Die liebevoll eingerichteten Parks im Wald tragen sehr zum Vollergehen der wolfsähnlichen Tiere bei. Denn ein permanentes Leben im Haus stimuliert die Hunde nicht ausreichend. „Sie lieben es zu schmusen, aber sie sind genauso froh wenn sie sich wieder vom Menschen entfernen können“, so die Züchter. Ein weiterer Vorteil der Gehege ist die permanente Bewegung. Denn Alaskan Malamutes sind Lauftiere. Deshalb eignen sie sich hervorragend um lange Strecken mit dem Schlitten zurückzulegen. Sportliche Rennen sind in 3 Hauptkategorien unterteilt: Sprintrennen, Mitteldistanz und Langstrecke. Außerdem gibt es Etappenrennen. Im Sprint sind die flinken Huskys dominant, die schweren Malamute eignen sich hierfür nicht. „Ich bin schon Sprints gestartet, aber nachdem wir das Ziel erreicht hatten, schauten die Hunde mich skeptisch an, als ob sie fragen würden warum wir schon wieder stehen“; lacht Chabriac.

Die Anfangszeit war nicht wirklich erfolgreich für ihn. Als er dann unter luxemburgischer Flagge gestartet ist, blieb er auch nicht vom Spott seiner französischen Kollegen verschont. Das hat den Erzieher nur noch mehr dazu animiert an Wettkämpfen teilzunehmen. So folgen eine Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft und einen vierten Platz bei der EM. Seine Frau hat diesen sportlichen Ehrgeiz eher nicht. „Ich liebe es die Hunde zu trainieren und mit ihnen zu arbeiten. Aber Wettkämpfe sind definitiv nichts für mich. Ich habe es ein paarmal versucht und wurde auch platziert, aber es reizt mich nicht so sehr“, erklärt die dreifache Mutter.

Nähe und Distanz: Die Malamutes lieben es zu schmusen. Doch sie sind genauso froh, wenn sie sich wieder vom Menschen entfernen können.

Nähe und Distanz: Die Malamutes lieben es zu schmusen. Doch sie sind genauso froh, wenn sie sich wieder vom Menschen entfernen können.

Rennen mit Malamutes unterscheiden sich deutlich von denen mit Huskys. Um ein Gefährt in Bewegung gesetzt zu bekommen, brauch es nur zwei bis drei Tiere. Ein ganz anderes Bild als man von den herkömmlichen Husky-Gespannen gewohnt ist. Trotzdem hat das Paar im tiefen Schnee bis zu zehn Hunde angespannt. Das ist aber die Ausnahme. Alaskan Malamutes sind nicht nur Sportgefährten, sie sind auch tierische Freunde des Paares. Birnbaum erzählt uns, dass sie sich nach stressigen Tagen oft einfach nur bei die Hunde ins Gehege sitzt. Das wäre entspannender als Yoga. Die innige Beziehung zwischen den Menschen und den Vierbeinern sehen wir bei unserem Besuch mit eigenen Augen. Liebevoll, aber bestimmt gehen sie mit den Tieren um.

Ein Herz für Hunde: Andrée Birnbaum und Franck Chabriac.

Ein Herz für Hunde: Andrée Birnbaum und Franck Chabriac.

Die Entscheidung, die Hunde in den kleinen Parks zu halten, wurde schon oft kritisiert. Dabei sind die Hunde zufriedener draußen. Ihre dichte Unterwolle sorgt für eine ausgezeichnete Isolation, deshalb kommen sie auch mit größeren Temperaturunterschieden gut zurecht. Dass solche Hunde Probleme mit der Hitze haben, ist also nur ein weit verbreitetes Vorurteil. Bei sehr hohen Temperaturen sollte kein Hund sportlich gearbeitet werden, weder Malamutes, noch andere. Außerdem macht der starke Bewegungsdrang ein Leben im Haus quasi unmöglich. In den Parks sind die Hunde in kleinen Gruppen und bewegen sich fast pausenlos. Das fördert natürlich den Muskelaufbau. Dieser ist unerlässlich für die sportliche Nutzung der Tiere. Mit 10 Monaten werden die Hunde langsam an das Material und das Laufen vor einem Gefährt herangeführt. Davor werden die Tiere beim Spazierengehen an die Stimmkommandos gewöhnt. Innerhalb der ersten Trainings Saison können die meisten schon Rennen bestreiten.

Tierische Freunde: Franck Chabriac züchtet seit langem Hunde.

Tierische Freunde: Franck Chabriac züchtet seit langem Hunde.

Das ist auch der Plan des Paares für die kommende Saison. Normalerweise endet ihre Saison mit einem vierwöchigen Ausflug nach Lappland. Aus mehreren Gründen fällt dieser kommenden März aus. Daher ist der Plan wieder aktiver im Rennsport zu werden. Und das mit größtenteils jungen Hunden. Sobald die Temperaturen auf 12 Grad abgekühlt sind, beginnt das Paar mit dem Training und hofft an alte Erfolge anknüpfen zu können. Neben der Welt- und Europameisterschaft, stehen noch Etappenrennen auf dem Programm. Zumindest für Chabriac. Seine Frau muss noch für sich selbst entscheiden, ob ein Wettkampf für sie in Frage kommt.

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Author: Philippe Reuter

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