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Ein Light-Produkt?

(Ausgabe 38/2014)
 

Ist eine Cola Light noch eine richtige Cola? Ohne eine endlose ernährungstechnische Diskussion über Softdrinks vom Zaun brechen zu wollen: Diese Frage kann, mit einem Blick auf die Inhaltsangabe der beiden Brausesorten, eigentlich nur mit „Ja“ beantwortet werden. Soll ein „einheitlicher Werteunterricht“ eine Art „Religionsunterricht light“ werden? „Nein“ muss die Antwort lauten, wenn man die ursprüngliche Idee einer neutralen Wertevermittlung in der öffentlichen Schule nicht aus dem Auge verlieren will. Doch die inhaltlichen Diskussionen über das neue Fach scheinen sich als zäh und schwierig zu erweisen.

Ein Beispiel für dieses Problem ist die, dass aus einer anfänglichen gemeinsamen Arbeitsgruppe, in der vier Ethikprofessoren und vier Religionslehrer über die Inhalte eines Werteunterrichts diskutieren sollten, aufgrund von unüberwindbaren Differenzen mittlerweile zwei Arbeitsgruppen geworden sind. Diese Differenzen beruhen weniger auf die Themengebiete, die angeschnitten werden sollen, als viel mehr auf die Herangehensweise an die Themen. Ein fader Beigeschmack hinterlässt zudem die Tatsache, dass der vom Schulministerium mit dem Projekt beauftragte Jean-Marie Kieffer aus der „Division de l’innovation pédagogique“ ein ehemaliger Religionslehrer ist.

Das sind zwei Tatsachen, die vielleicht erklären, weshalb Minister Claude Meisch (DP) bei seiner Pressekonferenz zur diesjährigen Schulrentrée andeutete, dass der ursprünglich angedachte Termin für den Werteunterricht – die Rentrée 2015/2016 – wohl kaum zu halten sein wird und der längst überfällige Schritt doch wohl erst für die Rentrée 2016/2017 vollzogen wird.

Meisch möchte in Bezug auf den Inhalt des Werteunterrichts eine breite Akzeptanz. Also auch die der bisherigen Gegner. Das klingt dann doch eher nach einer Light-Version eines Religionsunterrichts als nach etwas grundlegend Neuem. Bei Regierungsantritt klang dies alles noch forscher. Und das wirft eine Frage auf: Wieso hat der Unterrichtsminister auf einmal so viel Angst vor der eigenen Courage?

Nachdem Wirtschaftsminister Etienne Schneider (LSAP) in Sachen Trennung von Kirche und Staat letzte Woche die Katze aus dem Sack gelassen hat, könnte man auch von Claude Meisch eine solch konsequente Herangehensweise erhoffen. Oder soll die öffentliche Schule das letzte Überbleibsel einer ehemals religiös dominierten Gesellschaft bleiben?

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Stellvertretender Chefredakteur
Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

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Author: Georges Noesen

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