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Ein Satz heiße Ohren

„Slaps and Beans“ wurde bereits 2017 erstmalig veröffentlicht und hat den Sprung auf zahlreiche Plattformen geschafft. Pünktlich zum 90. Jahrestag der Geburt von Bud Spencer wurde die Prügelorgie auf iOS und Android veröffentlicht. Ein guter Grund das Beat’em up endlich anzutesten.

Slaps and Beans // Genre: Beat’em up // Studio: Trinity Team // Publisher: Buddy Productions // Termin: erhältlich // Plattform: u.a. PS4, Xbox One, Switch, Mac, Windows, Android und iOS // Preis: 4,49 Euro (iOS) // Altersempfehlung: 12+

„Marmor, Stein und Eisen bricht, aber mein kleines Fäustchen nicht!“ kalauert Carlo Pedersoli (alias Bud Spencer) in „der Dicke in Mexiko“, eine filmische Verulkung schießwütiger Italowestern. Und genau dieser Kalauer fasst das Spieleprinzip von „Slaps and Beans“ geradezu perfekt zusammen. Im 2D-Beat’em up, das mit schickem Retro-Charme daherkommt, schlüpft der Spieler wahlweise in die Rolle von Bud Spencer oder seinem ewigen Sidekick Terence Hill (je nach Charakterwahl hat man leicht andere Fähigkeiten) und prügelt sich durch die halbe Filmografie der Beiden. Klare Referenzen an unter anderem „die rechte und die linke Hand des Teufels“, „Miami Cops“ oder „zwei Asse trumpfen auf“ sind im Spiel auf jeden Fall vorhanden.

Das Filmduo Spencer/Hill hat bei vielen Fans Kultstatus erreicht, vor allem wegen der markigen Sprüche und den zünftigen Raufereien, welche die Filme prägten. Die Szenarien der Streifen waren dabei in der Regel eher dürftig, passten vom Umfang her wahrscheinlich auf einen handelsüblichen Bierdeckel und wurden trotz ihrer Popularität von Kinokritikern geächtet. Es bedurfte also als einiges an Mut vom italienischen Independent-Studio „Trinity Team“ den beiden Kultkloppern ein spielerisches Denkmal zu setzen, das zum einen Fans nicht enttäuscht, zum anderen als Videospiel auch noch ansatzweise etwas hergibt. Finanziert wurde die spielerische Hommage vollständig über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter (was den Entwicklern eine gewisse Narrenfreiheit garantiert haben dürfte), und als einer der Produzenten war Bud Spencers ältester Sohn Guiseppe Pedersoli mit an Bord. Eigentlich beides gute Voraussetzungen, um die beiden erwähnten Aspekte abzudecken oder?

Auf der Habenseite hat das Game einiges stehen. Zum einen wurde die Grafik ganz im 16bit-Stil der 90er gehalten, etwas was „Slaps and Beans“ zu einem ansprechend aussehenden „Retro-Pixel-Prügler“ mutieren lässt und für die richtige Stimmung sorgt. Untermauert wird diese Stimmung, durch Originallieder aus den Filmsoundtracks, sowie den klassischen Soundeffekten, wie sie aus den Filmen bekannt sind. Auch das einfache, wie geniale Spielprinzip mit der sehr einfach gehaltenen Steuerung weiß zu überzeugen. Unmissverständlich kommt einem der Beat’em up-Arcade-Klassiker „Double Dragon“ in den Sinn. Die beiden Protagonisten verfügen jeweils über zwei verschiedene Angriffe (einen schnellen und einen wuchtigen), man kann Gegenangriffe abwehren (zugegebenermaßen ist dies quasi unnötig, denn Taktik ist kaum gefragt, einfach schnell genug austeilen reicht aus) und nicht zuletzt kann man Gegenstände (vom Stuhl über die Bratpfanne bis hin zur Billardqueue) aufheben und Gegnern damit einen neuen Scheitel ziehen.

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Sollte trotz rapide verteilter Dampfhammer und Backpfeifen die eigene Gesundheitsanzeige einmal in den Keller gehen, hebt man die von den Gegnern zufällig fallen gelassenen Biergläser oder Bratpfannen voller Bohnen auf, „ext“ den Inhalt und nutzt das Glas oder die Pfanne, um einem Schurken eins überzuziehen. Klingt sinnlos, ist es auch, macht aber genau wie die Filme teilweise Spaß.

Auf Dauer wird das Gameplay dann doch leicht repetitiv und dies trotz der Tatsache, dass Bosskämpfe (der letzte Endgegner mit seinen Bohnenbüchsen-Kanonen ist witzig, hat es aber auch in sich) eingebaut wurden. Gut also, dass die Entwickler sich dessen bewusst waren und kleine Mini-Spiele zwischendurch eingestreut haben, um den sinnlosen Schellen-Spektakel ein klein wenig Abwechslung zu spendieren. Es gibt zum Beispiel ein Buggy-Rennen (lässt ein bisschen „Ivan Stewart’s Super Off Road“-Flair aufkommen) und ein Würstchen-Wettessen. Beides sind Referenzen an den Kultstreifen „Zwei wie Pech und Schwefel“. Oder man macht mit einem Pferd ein Wettrennen gegen einen Zug (ein Mini-Spiel, bei dem ältere Gamer sich sicherlich an die Zugmissionen aus dem Atari-Klassiker „North and South“ erinnert fühlen). Das alles sorgt für einige Kurzweile zwischen den Hau-drauf-Missionen, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Filmvorlagen nicht unendlich viel hergaben und auch das Spiel nicht gerade vor Abwechslung strotzt.

Eine Story wurde dem Spiel trotzdem implementiert (und auch die könnte klassischer nicht sein): Nach einem Filmdreh sollen Spencer und Hill von Regie-Assistentin Sofia die Kohle für ihre Schauspieler-Jobs erhalten, doch die attraktive blonde Assistentin wird prompt gekidnappt, was natürlich erst recht dafür sorgt, dass ein paar halbstarke Ganoven eins auf die Mütze bekommen, damit es zum unvermeidbaren Happy-End kommen kann. Sie merken schon, die Story ist nicht wirklich der Hauptgrund, um dieses Spiel zu zocken. Die Steuerung auch nicht wirklich. Die ist ziemlich missglückt und ist – wie eigentlich bei vielen Spielen auf Touchscreen – ungenau. Oder aber der Schreiber dieser Zeilen wird sich nie wirklich an die virtuellen Joysticks in Smartphone-Games gewöhnen können (aber „Slaps and Beans“ ist ja auf fast allen anderen Plattformen draußen).

Fazit: Hommage an zwei prägende und ebenso beliebte wie auch verpönte Filmfiguren ist gelungen. Auch wenn man als Gamer schon eine gewisse Affinität zu dem Duo Spencer und Hill aufbringen muss, um sich überhaupt ins digitale Getummel hineinzustürzen und sich bis zum Ende durchzuprügeln.

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Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

Author: Martine Decker

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