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Ein Ticket ergattert

Schon Monate vor ihrer anstehenden Barcelona-Reise stellte sich Alissia Dettori die Frage nach der richtigen Restaurantwahl. Die professionelle Foodbloggerin entschied sich für die von „The World’s 50 Best Restaurants“ empfohlene „Tickets Bar“.

Klar, Michelin-Restaurants gibt es eine Menge. Die Auswahl in der katalanischen Hauptstadt ist riesig, um genau zu sein, gibt es hier siebzehn 1-Stern-, vier 2-Sterne- und drei 3-Sterne-Restaurants. Eins ist sicher, wir hätten sicherlich in allen köstlich gespeist, und das haben wir auch an den ersten beiden Tagen, bevor der letzte lang ersehnte Abend eintraf. Die Wahl fiel auf die „Tickets Bar“, klingt zunächst unspektakulär, doch davon ist das Lokal weit entfernt. Das Restaurant befindet sich aktuell auf Platz 32 der bekanntesten und zu Recht hochgeschätzten Liste der „World’s 50 Best Restaurants“. Die Entscheidung, wo es hingehen sollte, war also gefallen, aber schon bei der Reservierung wurde klar: Hier wollen alle Foodies hin, und einen Tisch zu ergattern, ist nicht einfach! Genau zwei Monate vor dem gewünschten Termin kann ab Mitternacht online reserviert werden. Da ist Schnelligkeit gefragt. Beim ersten Versuch, um 00:01 Uhr, waren leider schon alle Zweiertische besetzt. Am nächsten Abend sollten wir jedoch mehr Glück haben, und wir schlossen erfolgreich eine Reservierung ab.

Hier wollen alle Foodies hin, und einen Tisch zu ergattern, ist nicht einfach.

Am Tag der Wahrheit ließen wir uns mit dem Taxi zum Restaurant chauffieren und stellten fest, nicht gerade in einem der hippsten Stadtteile zu sein. Was dann aber folgte, übertraf all unsere Vorstellungen. An der Außenfassade leuchtete hell die Aufschrift „Tickets“ und wir traten in das wohl zauberhafteste Restaurant ein, das ich je gesehen habe. In den Fenstern hingen Heißluftballons, und der Tresen, auf dem sich auch unser Platz befinden sollte, schlängelte sich um die offene Küche. Das Restaurant erinnert nicht an ein typisches Sternelokal, sondern eher an eine quirlige bunte Tapas Bar. Unsere zuvorkommende Kellnerin in ihrer märchenhaften Uniform erklärte uns, wir könnten von der Karte bestellen oder uns überraschen lassen.
Wir legten unser Glück in ihre Hände und starteten den Abend mit einem herrlich erfrischenden Cocktail. Dies war der Auftakt einer kulinarischen Reise, wie man sie nur selten erlebt, die vielleicht in dieser Form sogar einzigartig ist. Den Anfang machten drei Klassiker, Oliven, Brot und eine Art knusprig gefülltes Fladenbrot – in einer Ausführung, wie sie besser und feiner nicht sein könnte. Die Oliven überraschten mit flüssigem Kern, das Brot, kleine krosse Würfel mit Tomate waren ebenfalls in ihrer Einfachheit perfekt. Was folgte, waren unzählige kleine Teller, die in ein bis zwei Happen schnell, aber mit bleibendem Eindruck auf der Zunge zergingen. Ein Traum war der in Form von Sashimi angerichtete Kalmar, die luftigen Mini-Käse-Airbags oder auch die „Airbaguette de Rubia“, ein kleines hohles, knuspriges Baguette mit Jamón umwickelt, um nur einige der 18 erlesenen Köstlichkeiten zu nennen. Nur das Wagyu Beef brachte die Geschmacksknospen nicht zum Vibrieren und konnte trotz sehr guter Qualität und fachlich solider Zubereitung nicht mit den Tapas mithalten.

Dies war der Auftakt einer kulinarischen Reise, wie man sie nur selten erlebt, die vielleicht in dieser Form sogar einzigartig ist.

Das Dessert sollte noch einmal einen draufsetzen, und wir erhielten am Ende der salzigen Gänge eine Schatzkiste mit zwei Tickets für den Dessertraum. Beim Eintreten strahlten unsere Augen dem mit riesigen Erdbeeren, Himbeeren und Zuckerstangen, die von der Decke schwebten, dekorierten Raum entgegen, und wir ließen uns aufs Neue durch weitere sechs Gaumenfreuden verblüffen. Hier machte das Debüt eine Rose, die es zu küssen galt. Der in ihr versteckte Leckerbissen zerplatzte im Mund und ließ die Erwartungen auf die weiteren süßen Verführungen steigen. Es folgte die „Air Margarita“, eine luftig schaumige eisgekühlte und sauer abgeschmeckte Margarita zum Löffeln. Anschließend erwartete uns ein geschmackvoller Cheesecake in Form eines runden halbweichen Käses, ein Ice Cream Sandwich mit Karamell, das für Glückseligkeit sorgte und Kindheitserinnerungen erweckte. Das Finale dieses fantastische Überraschungsmenü krönte ein perfektes Schokotörtchen mit Eis und ein „After Eight“ in Perfektion. Ein gelungener Abschluss für einen Abend, der uns in eine kulinarische Traumwelt verführt sowie alle unsere Erwartungen und Vorstellungen erfüllt und sogar übertroffen hat. Glücklich und um eine Erfahrung reicher, verließen wir die „Tickets Bar“ am späten Abend in Richtung Hotel. Diesmal zu Fuß.

Alissia Dettori
Jahrgang 1989, liebt es, sich als Foodie auf Reisen inspirieren zu lassen, stets auf der Suche nach neuen Geschmackserfahrungen und kulinarischen Erlebnissen. Die 28-Jährige hat ihr Hobby zum Beruf gemacht und ist professionell als Foodbloggerin tätig. Weitere Infos unter www.cookingislove.lu.

The World’s 50 Best Restaurants

Seit 2002 reflektiert „The World’s 50 Best Restaurants” die Vielfältigkeit der kulinarischen Landschaft. Vor allem das Aufblühen des Gastro-Tourismus legitimiert die Existenz dieser Liste, die als Kompass für Feinschmecker gilt. Mehr als 1.000 kulinarische Experten arbeiten jährlich daran. Bis 2015 wurde die Preisüberreichung in London veranstaltet, 2016 in New York, 2017 in Melbourne und 2018 in Bilbao. Chefköche aus aller Welt finden durch dieses Event zusammen und feiern gemeinsam die Mannigfaltigkeit der verschiedenen Küchen und Kulturen.

Text: Alissia Dettori / Fotos: Moiss Torne Biayna, el Barri, Julien Garroy (Editpress)

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Author: Martine Decker

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