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Eine Erfolgsstory

Im „Guide Hachette des Vins“ und der Weinbibel „Gault & Millau“ gelobt und ausgezeichnet – die Domaine Alice Hartmann gehört zu den erfolgreichsten Weingütern Luxemburgs. Wir geben Einblicke, wer sich hinter dem mysteriösen Frauennamen verbirgt und wie alles begann. (Text: Françoise Stoll / Foto: Ute Metzger)

Wer ist Alice? Diese Frage wird sich schon so mancher Weinliebhaber bei einem Glas Riesling gestellt haben. Alice Hartmann ist keinem Märchen entsprungen, sondern lebte tatsächlich in der gleichnamigen Domäne in Wormeldingen. Sie starb allerdings bereits 1988. Mit der heutigen Kellerei hat sie, bis auf den Namen, nichts gemein. Die Begründer Pierre Wesner und Jean Godard, beide Quereinsteiger aus der Fliegerei, haben 1996 eine einmalige Chance gewittert und das Weingut, das bereits damals einen etablierten Ruf hatte, übernommen. So weit, so gut. Das verheißungsvoll-weibliche Image stand, doch die Technik war veraltet. Infrastrukturell und spirituell musste dringend frischer Wind her.

Seit September 2011 ist die Domäne offizieller „Fournisseur de la Cour“. Ihre Spitzenweine und Crémants sind im In- und Ausland bekannt. Nachdem die Kellerei auf den neusten Stand gebracht wurde, liess der Erfolg nicht lange auf sich warten Dabei begann eigentlich alles ganz unspektakulär. Es ist eine dieser Garagen-Stories. Denn dort, im Keller des Elternhauses, nahm die Erfolgsgeschichte ihren Lauf. Damals hat Wesner privat seinen ersten Wein hergestellt und damit herumexperimentiert.

Ein kompletter Laie war der damals 29-Jährige nicht. Wie sein Freund Godard stammt auch er aus einer luxemburgischen Winzerfamilie, die auf mehrere Generationen zurückzuführen ist. Sein Großvater zählte zu den Begründern der Genossenschaftskellerei in Grevenmacher, die 1921 ins Leben gerufen wurde und deren Vorstandsmitglied darüber hinaus war. Zu diesem Zeitpunkt stand aber noch nicht fest, dass Wesner diese Familientradition fortsetzen und einen Platz in der Weinkultur einnehmen würde. Selbst nach dem Erwerb des Guts war „Alice Hartmann“ zunächst nur ein Hobby, hauptberuflich verfolgte er andere Ziele.

„Unsere Philosophie lautet Qualität statt Quantität.“ Pierre Wesner

Heute besitzt das Unternehmen Rebflächen in hervorragender Lage. In erster Linie die „Koeppchen“, die nicht zuletzt durch ihre 55-prozentige Steigung bekannt ist. Weitere Weinberge befinden sich in Grevenmacher unterhalb der Kreuzkapelle, an der deutschen Mosel in Trittenheim und an der Saar am Scharzhofberg. Die ältesten Reben sind zwischen 60 und 80 Jahre alt. Insgesamt verfügt die Kellerei über zehn Hektar Fläche, auf der Riesling, Chardonnay und Pinot Noir wachsen. Um auf diese Zahl zu kommen, hat das Weingut einen Zuliefervertrag mit einem Winzer aus Ahn ausgetüftelt. Dieser wird nicht wie üblich aufs Kilo, sondern aufs Hektar bezahlt. Ein neues Konzept, das verhindert, dass die Qualität der Trauben und am Ende die des Weines darunter leidet. „Ob schlechtes Jahr oder geringe Erträge ist unwichtig. Unsere Philosophie lautet Qualität statt Quantität. Und so stellen wir sicher, dass wir einen direkten Einfluss auf den Weinbau haben, sprich wie die Reben aufgezogen und behandelt werden“, erklärt Pierre Wesner denn auch.

Hochwertige Weine zu erzeugen ist der Leitgedanke. Das ist jedoch nur mit ausgezeichnetem „Urstoff“ möglich. Reife und gesunde Trauben sind die Grundvoraussetzung dafür. Seit der Umorganisation der Domäne vor etwa 20 Jahren ist die Anfrage höher, als die Produktion. Rasch wurde ein Kellermeister eingestellt. Heute gehören sechs Leute zum Team. Periodisch kommen vier Saisonarbeiter dazu, während der Weinlese helfen weitere zehn Personen aus.

Wer sich das aktuelle Bestellformular ansieht, stolpert mehrmals über den Kommentar „erhältlich ab Juli 2015“ – das typische „Alice Hartmann-Phänomen“, wenn man so will. Um dem entgegenzuwirken, wurde ein großer, aber notwendiger Schritt unternommen. Das Unternehmen hat in den Bau einer neuen Kellerei investiert, die zeitlich passend zur Saison 2014 fertiggestellt wurde. „Die Kapazität des Weinguts war mehr als ausgeschöpft. Ein Massenbetrieb werden wir jedoch niemals“, meint Wesner, der häufig als „Herr Hartmann“ betitelt wird.

Der Ausbau der Domäne bringt zahlreiche technische Neuerungen mit sich, die einen deutlichen Einfluss auf das Niveau haben. Die integrierten Kühl- und Heizsysteme sind topmodern. Außerdem werden die Gärungsproese und das Degorgieren, im deutschen Fachjargon das sogenannte Abschlämmen, des Crémants nun so detailgenau und subtil wie nie zuvor gesteuert. Das Weingut kümmert sich um den gesamten Prozess. Von der Traube bis zum Endprodukt wird alles vor Ort, bei konstanter Temperatur, gehandhabt.

Hinter den vier Wänden von „Alice Hartmann“ verbirgt sich neben der Weinkellerei eine kleine hauseigene Brennerei. Digestifs auf Traubenbasis, verfeinerte Brände wie die „Fine“ und verschiedene Trester, bekannter unter dem französischen Begriff „Marc“, werden dort hergestellt. Und man kann getrost davon ausgehen, dass Pierre Wesner und Jean Godard auch vom Brennen etwas verstehen.

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Author: Philippe Reuter

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