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Emma und Luca

Seinem Kind den passenden Vornamen zu geben, stellt Eltern vor eine schwierige Aufgabe. Viele entscheiden sich für die aktuellen Modenamen. Doch es geht auch anders.

Fotos: Kristin Gründler (Fotolia), meltis (Pixelio)

Wer die Wahl hat, hat die Qual – diese alte Weisheit gilt für alle Lebenslagen. Und für jeden, der weiß, wie schwierig es ist, Entscheidungen zu treffen. Ganz besonders schwer haben es viele junge Eltern auf der Suche nach einem passenden Namen für den Nachwuchs. Da muss man den einen aus Tausenden finden, der einem gefällt und am besten zur Persönlichkeit des Kindes passt – und das ein Leben lang. Keine leichte Aufgabe.

Früher war das einfacher: Da fand die lange Namenssuche gar nicht erst statt, die Kinder wurden kurzerhand nach den Eltern, Großeltern oder Paten benannt. Auf diese Weise kamen in Familien immer wieder dieselben Vornamen vor, manchmal konnten die einzelnen Familienmitglieder nur durch die Angabe ihres Geburtsjahres voneinander unterschieden werden.

Doch die Zeiten ändern sich. Heutzutage gelten solche Traditionen längst nicht mehr als Verpflichtung. Zwar kommt es vor, dass Vornamen innerhalb einer Familie weitergegeben werden, aber Eltern haben die freie Wahl. Laut luxemburgischem Gesetz sind der Phantasie so gut wie keine Grenzen gesetzt. Mit drei Einschränkungen: Das Kindeswohl muss berücksichtigt werden, die Rechte Dritter müssen unverletzt bleiben, außerdem sollen die Vornamen dem Geschlecht des Kindes entsprechen. Kommen die Eltern mit Vornamen, die die Anforderungen nicht erfüllen, entscheidet der Standesbeamte, ob der Name eingetragen wird oder nicht.

Den Vornamen später zu ändern, ist kein einfaches Unterfangen.

Von den über 6.000 Babys, die im vergangenen Jahr in Luxemburg zur Welt kamen, wurden 60 Mädchen „Emma“ und 50 Jungen „Luca“ (oder Luka, Lucas oder Lukas) genannt, die beiden zählen bereits seit einigen Jahren zu den beliebtesten Vornamen im Lande. Aber auch Noah, Gabriel, Louis und Ben stehen hoch im Kurs junger Eltern. Ebenso wie Mia, Eva und Lea für Mädchen.

Einige Eltern lassen sich scheinbar in der Wahl des Namens stark von äußeren Einflüssen leiten. Bestes Beispiel war der rasante Aufstieg des Vornamens „Kevin“ in Deutschland, nachdem der amerikanische Spielfilm „Kevin – Allein zu Haus“ 1990 in die Kinos gekommen war. Plötzlich hieß jeder zweite Junge „Kevin“, bis der Name in Verruf geriet und ihn keiner mehr hören wollte. Studien an Schulen belegten sogar, dass Lehrer mit Jungen, die Kevin heißen, Eigenschaften wie Leistungsschwäche und Verhaltensauffälligkeit verbinden. So verschwand der Name schnell wieder in der Versenkung, nur die vielen Kevins des Jahrgangs 1991 müssen mit ihm weiterleben.

Wer vermeiden möchte, dass sein Kind wie noch fünf andere in der Schulklasse heißt, muss sich etwas anderes einfallen lassen, als die Liste der beliebtesten Namen zu durchforschen. Möglichkeiten, auf bekannte und unbekannte Namen zu stoßen, gibt es viele. Eine davon ist das Internet. Dort findet man nicht nur lange Listen mit allen möglichen und unmöglichen Namen, sondern gleich auch deren Bedeutung, Namenstage und berühmte Träger desselben. Einige Webseiten suchen sogar passende Vornamen zu einem bestimmten Nachnamen heraus, den man eingeben muss. Da kommen dann meist klangvolle Kombinationen heraus, die bestimmte Laute und Töne des Nachnamens bereits im Vornamen anklingen lassen.

Wer gerne Scrabble spielt, kann es auch damit probieren und einfach ein paar schöne Buchstaben heraussuchen, die dann wild miteinander kombiniert werden. Das macht nicht nur Spaß, sondern vermittelt auch einen guten Eindruck darüber, welche Klangbilder einem so sehr gefallen, dass man sie seinem Kind ein Leben lang als Namen aufdrücken möchte. Denn bei der Wahl eines Vornamens sollte man nicht vergessen, dass der Name fürs Leben bleibt. Den Vornamen später zu ändern, ist kein einfaches Unterfangen. Man braucht schon schwerwiegende Gründe dafür, damit es genehmigt wird.

Die Wahl des Nachnamens

Seit dem 1. Mai 2006 können Eltern den Nachnamen ihres Kindes wählen. Es kann entweder der Nachname der Mutter oder der des Vaters sein. Auch ein Doppelname (ohne Bindestrich) ist möglich, die Reihenfolge entscheiden die Eltern. Dies gilt für das jeweils erste Kind des Paares, jedes weitere Kind muss den gleichen Nachnamen tragen wie sein Geschwister.

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Sehr pragmatische Eltern wählen gerne kurze Namen, aus der man keine zusätzliche Kurzform machen kann und die sich auch in unterschiedlichen Sprachen ohne Aufwand aussprechen lassen. Viele chinesische Mitarbeiter internationaler Firmen haben sich bereits englisch klingende Aliasse wie Tom, Jane oder Kate gegeben, weil ihre amerikanischen oder europäischen Kollegen Probleme beim Aussprechen ihrer chinesischen Namen haben.

Eine spannende Methode zum Finden des passenden Namens ist die gezielte Auslese. Dafür schreibt man am besten gemeinsam mit dem Partner all die Namen auf, die einem gefallen und die man sich als Namen für das eigene Kind vorstellen kann. Danach streicht man abwechselnd immer den Namen weg, der am wenigsten gefällt. Übrig bleibt am Ende eine Handvoll Namen, die man zwar nicht wegstreichen, aber auch nicht favorisieren möchte. Innerhalb weniger Tage schält sich normalerweise ein Favorit heraus.

Zu viel Aufhebens sollte um einen Namen allerdings nicht gemacht werden. Letztendlich handelt es sich doch nur um einen Namen, der mit der Persönlichkeit nicht wirklich viel zu tun hat. Spätestens beim ersten Blick auf das neugeborene Baby wissen die meisten Eltern ohnehin sofort, ob der ausgesuchte Name passt oder nicht. Und genug Zeit, seine Meinung zu ändern, ist dann allemal. Spätestens am fünften Tag nach der Entbindung muss das Baby bei der Gemeinde angemeldet sein, fällt der Tag auf ein Wochenende, verlängert sich die Frist bis zum nächsten Werktag.

Heike Bucher

Journalistin

Ressort: Wissen

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Author: Martine Decker

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