Am Kiosk gibt es unzählige Rezept- und Kochzeitschriften aus aller Welt, nur Luxemburg konnte bis vor einem Jahr kein eigenes Food-Magazin vorweisen. Bibi Wintersdorf und ihre Partnerin Lena Schortgen haben den Versuch gewagt. Zum einjährigen Bestehen von „Kachen“ hat sich die Herausgeberin mit der revue unterhalten.
Fotos: Vic Fischbach, Ramunas Astrauskas
Ein Jahr „Kachen“ – wie kamen Sie eigentlich auf die Idee?
Bibi Wintersdorf: Eigentlich begann alles 2007 als ich mit meiner besten Freundin am internationalen Kochwettbewerb „Cooking Cup” von Siemens und Elle Bistro teilnahm. Wir kochten uns bis ins Finale und belegten dann in Kapstadt den dritten Platz! Ein knappes Jahr später erschien bei den Editions Schortgen mein Kochbuch „Kachen” und wurde ein großer Erfolg. Die Idee, ein Magazin zu machen, entstand schon damals, aber richtig angegangen sind wir die Sache erst 2014. Anfang letzten Jahres habe ich mit meiner Geschäftspartnerin Lena Schortgen den Magazinverlag Luxe Taste & Style Publishing gegründet und mit ihr „Kachen“ aus der Taufe gehoben.
Kann man das Magazin als eine Art Marktlücke bezeichnen?
Fest steht, dass es vor „Kachen“ kein vergleichbares Magazin in Luxemburg gab. So gesehen kann man es wohl als Marktlücke bezeichnen. Wir sehen an der Begeisterung, mit der die Leser und die Fachbranche „Kachen“ aufgenommen haben, dass die Zeit für ein solches Heft mehr als reif war. Das alles hilft natürlich nicht, wenn das Produkt nicht höchsten Ansprüchen gerecht wird. Wir wussten von Anfang an, dass wir ein Magazin auf sehr hohem Qualitätsniveau machen wollten und nach dem Feedback, das wir bekommen, ist uns das wohl auch gelungen.
Wo nehmen Sie die Inspiration her?
Das ist nicht sonderlich schwer. Erstens erscheinen wir saisonal, so dass es auf der Hand liegt, saisonale Produkte und Gerichte vorzustellen. Es tut sich so viel in Luxemburg und es gibt eine unglaubliche Vielfalt an wunderbaren Produkten, Produzenten und sehr kreativen Herstellern, so dass wir nur mit offenen Augen durch die Welt gehen müssen und die Themen fallen uns quasi zu. Alles andere ist dann die Arbeit von Profis und wir haben ein tolles Team aus Küchenchefs, Journalisten, Grafikern und Food-Fotografen, mit denen wir arbeiten.
Gehen Ihnen eigentlich nie die Ideen aus, speziell bei den luxemburgischen Rezepten?
Absolut nicht, auch wenn es natürlich einiges an Recherche erfordert, da viele alte luxemburgische Rezepte etwas in Vergessenheit geraten sind. Genau das ist aber unser Anspruch: die traditionellen luxemburgischen Rezepte aufzuschreiben, zu fotografieren und so für die Nachwelt festzuhalten. Viele unserer Rezepte tragen ja auch das Logo „Typisch Luxemburgisch“. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass Luxemburg ein multikulturelles Land ist und insbesondere unsere Küche sich durch das Zusammenleben mit vielen unterschiedlichen Kulturen in den letzten Jahrzehnten sehr entwickelt hat. Das greifen wir natürlich auch auf.
Stehen Sie auch selber am Herd?
Ja natürlich, und das mit Leidenschaft. Ich bin von Natur aus neugierig und halte ständig Ausschau nach neuen Rezepten, die ich dann ausprobiere und auf meine Art interpretieren oder abwandeln kann. Meine Kochbuchsammlung hat inzwischen beachtliche Ausmaße angenommen. Das Kochen habe ich von meiner Mutter und meiner Großmutter gelernt, ansonsten bin ich Autodidaktin und natürlich keine professionelle Köchin. Mein Talent liegt klar im Bereich der Kommunikation, in dem ich ja auch seit vielen Jahren tätig bin. Ich liebe es, Geschichten zu erzählen, Wissenswertes zusammenzutragen, aufzubereiten und so zu vermitteln, dass es Spaß macht und die Leute interessiert. Den Kuchen auf dem Titelbild der Sommerausgabe von „Kachen“ habe ich übrigens selbst gebacken!
Was ist Ihr persönliches Lieblingsgericht?
Die Frage ist schwer zu beantworten, da es eigentlich kaum etwas gibt, was ich nicht mag. Ich bin offen für alles Neue und probiere ständig neue Gerichte aus, entweder indem ich sie selbst zubereite oder sie bei Freunden oder in Restaurants entdecke. Besonders liebe ich die italienische Küche, aber das ist nicht verwunderlich, denn mein Mann ist Italiener und kocht leidenschaftlich gerne und gut. Ein Besuch bei seiner Mutter in Italien erfordert meistens anschließend ein paar Fastentage oder ein intensives Sportprogramm…
Koch-Zeitungen eignen sich ja auch vorzüglich für eine enge Leser-Blatt-Bindung – welche Reaktionen gibt es seitens der Leser?
Das stimmt, denn uns (die Macher und die Leser) verbindet die gleiche Leidenschaft für gutes Essen. Dazu kommt allerdings ein besonderer Aspekt, nämlich die Liebe für unser Ländchen und alles Schöne und Gute, was es vor unserer Haustür gibt. Es ist wunderbar, zu sehen, wie sich unsere Leser für das begeistern, was wir in unseren Artikeln und Reportagen erzählen und wir bekommen dadurch natürlich auch viel Input für weitere interessante Geschichten.
Jahrgang 1963, ist ein echter „Minettsdapp“. Geboren in Esch, zog es sie zuerst nach Brüssel zum Studium, dann nach Bonn als Direktorin der Touristik- und PR-Abteilung der luxemburgischen Botschaft und schließlich nach Köln, wo sie verantwortliche Produzentin und Leiterin des Kinder- und Jugendprogramms von RTL Television war. Nach der Geburt ihrer Tochter kehrte sie 1996 zurück nach Luxemburg, wo sie mit ihrer eigenen TV-Produktionsfirma vor allem für den deutschen TV-Markt produzierte. Bekannt wurde sie auch durch ihre eigene Interview-Show auf RTL Télé Lëtzebuerg und ihre historischen Bücher über Luxemburg.





