Home » Home » Faszinierende Watscheltiere

Faszinierende Watscheltiere

Der luxemburgische Kinderarzt Roland Seligmann und seine Frau nahmen an einer Expedition in den Südatlantik teil. Die beiden Naturliebhaber besuchten eine einzigartige Vogelwelt auf einer von Stürmen heimgesuchten Inselgruppe.

Text: Roland Seligmann / Fotos: Roland Seligmann

Es ist eine Fahrt der Superlative, die meine Frau Anne und ich auf die Falkland-Inseln und nach Südgeorgien unternehmen. Die Inseln im Südatlantik, die wir besuchen, sind größtenteils unbewohnt. Auf Südgeorgien leben im Sommer nur etwa 25 Menschen. Dagegen haben die Eilande eine Population an Pinguinen und anderen Vögeln von mehreren Millionen.

Wir wissen, dass der Ozean heftige Stürme verspricht und dass nicht alle Landungen garantiert sind.

Von Puerto Madryn an der argentinischen Küste aus brechen wir mit rund hundert Passagieren und einer Schiffsbesatzung von 45 Personen zu der 18 Tage dauernden Expedition in die noch unversehrte Welt auf. Organisiert wurde die Reise von den niederländischen „Oceanwide Expeditions“. Für die meisten unter uns ist es nicht die erste Polarreise. Sie haben sich schon vor einiger Zeit anstecken lassen. Für die 78-jährige Elisabeth ist es zum Beispiel die 41. Fahrt. Naturliebhaber, Ornithologen, Fotografen und eine Gruppe von zwölf Skilangläufern fahren ins Ungewisse.

DSC_2806

Wir wissen, dass der Ozean heftige Stürme verspricht, und dass nicht alle Landungen garantiert sind. Aber die Stimmung ist trotz Seekrankheit gut. Unsere sechs Guides und eine Ärztin sorgen dafür, dass uns unterwegs nicht langweilig wird. Jeden Tag gibt es zwei Vorlesungen auf Englisch oder Deutsch über die Geschichte und die Entdeckung dieser Region. Sie erklären uns die Geologie, das Klima, die Tierwelt oder einfach, wie man die besten Fotos macht, sowie die Regeln, die wir an Land respektieren müssen, um keine unerwünschten Produkte der sogenannten Zivilisation auf die fast unberührten Inseln zu bringen.

Trotz der bis zu sechs Meter hohen Wellen und eines Windes von 60 Knoten haben wir Glück. Das erfahrene Team erlaubt uns, jeden Tag an Land zu gehen. Unser Kapitän kennt die Gegend seit 16 Jahren und findet bei allen Wetterbedingungen eine Bucht, in der wir das Schiff sicher verlassen können.

Die Insel ist 170 Kilometer lang und hat eine Fläche von 3.755 Quadratkilometern.

Wir besichtigten die Insel Steaple Jason mit der größten Kolonie von Schwarzbrauenalbatrossen, die dort zu Tausenden am Strand brüten. Wenn die Kleinen ab dem 20. November schlüpfen, ist die Besichtigung nicht mehr erlaubt. An einem Nachmittag besuchen wir Saunders Island, wo wir Eselspinguine beobachten sowie eine große Kolonie von Felsenspringern, die ihre Nester mit kleinen Steinen versehen. Sie leben eng mit den Blauaugenscharben und den Mollymauks zusammen.

DSC_2914Dann treffen wir in Stanley ein, der Hauptstadt der Falklands, mit ihren farbigen Dächern, schönen Souvenirläden und den Monumenten des Falkland-Krieges gegen Argentinien im Jahr 1982. Danach geht es weiter nach Südgeorgien. Es sind drei weitere Tage, die wir auf hoher See unterwegs sind. Südgeorgien wurde 1775 von dem berühmten Seefahrer James Cook entdeckt und gehört ebenso wie die Falkland-Inseln zu Großbritannien.

Die Insel ist 170 Kilometer lang und hat eine Fläche von 3.755 Quadratkilometern. Von 1904 bis 1965 war sie eine Insel der Walfänger: Rund 175.000 Wale wurden hier getötet. Es wird noch lange dauern, bis sich der Bestand der Wale wieder erholt hat. Da sich die Säugetiere von Krill ernähren, ist zurzeit viel mehr Nahrung vorhanden für die Pinguine, Seelöwen und Seeelefanten. Die Bevölkerung der Königspinguine ist in 30 Jahren von 50.000 auf 800.000 gestiegen.

Die Bevölkerung der Königspinguine ist in 30 Jahren von 50.000 auf 800.000 gestiegen.

Unser Schiff steuert erst auf die südliche Seite der Insel in die King Haakon Bay. Von hier aus versucht die Gruppe der zwölf Skifahrer, die sogenannte Shackleton-Piste zu bewältigen. Dies war einst der Weg von Ernest Shackleton, einem englischen Südpolfahrer, der die Strecke 1916 in der danach nicht mehr erreichten Rekordzeit von 36 Stunden zurücklegte, um Hilfe für seine zurückgebliebene Mannschaft zu suchen. Unsere Freunde werden drei Tage brauchen, bis wir sie auf der nördlichen Seite der Insel wiedersehen und wieder an Bord holen.

In den folgenden sechs Tagen besuchen wir die Nordseite von Südgeorgien. Es ist eine intensive Besichtigung. Die meisten Reisenden bleiben nur zwei Tage hier und machen eine Rundreise über Ushuaia auf Feuerland, Falkland, Südgeorgien, Süd-Shetland und die Antarktishalbinsel. Wir profitieren von einer der schönsten Inseln der Welt und deren Allardyce Range, einem Gebirgszug, dessen höchster Berg, der Mount Paget, 2.888 Meter in die Höhe ragt. Bei jeder Landung gibt es verschiedene Möglichkeiten: sich einfach hinsetzen und das Leben der Tiere genießen, die ganzen Pinguinkolonien beobachten oder Wanderungen bergauf, um das Innere der Insel zu erleben.

Autor, Fotograf und Vogelkundler: der luxemburgische Kinderarzt Roland Seligmann.

Autor, Fotograf und Vogelkundler: der luxemburgische Kinderarzt Roland Seligmann.

Die Höhepunkte sind Prion Island, die Stelle, wo die Wanderalbatrosse brüten, Salisbury Plain und St. Andrews Bay mit insgesamt etwa 250.000 Königspinguinen und 10.000 Seeelefanten. Der Drygalski-Fjord mit dem Risting-Gletscher und Schwärmen von Küstenschwalben folgen. Danach sehen wir Cobblers Cave mit einer kleinen Kolonie von Goldschopfpinguinen – im Ganzen sind es fünf Millionen auf Südgeorgien.

Wir verlassen die Insel schließlich; vier Tage brauchen wir bis Ushuaia. Nochmals erleben wir starke Windböen. Es bietet sich uns ein Poesieabend rund um Shackleton. Wir beobachten Vögel vom Deck aus und sortieren Fotos. Wir hatten großes Glück. Insgesamt hatten wir 15 Landungen und waren Zeugen eines unschätzbaren Reichtums der Natur, den es zu erhalten gilt.

DSC_1815

Teilen ...Email this to someoneShare on Google+Print this pageTweet about this on TwitterShare on Facebook
Author: Martine Decker

Login

Lost your password?