Home » Home » Feuer und Flamme

Feuer und Flamme

Im „ale Pompjeesschapp“ in Senningen ist heute ein kleines Feuerwehrmuseum untergebracht, in dem sich alles um Brandbekämpfung dreht. Ein Rundgang mit Gilbert Sauber durch das Haus seiner Träume.

Fotos: Leslie Schmit

Der 11. September 2001 hat die Welt verändert. Bei den Selbstmordattentaten auf die Zwillingstürme des World Trade Center in New York kommen rund 3.000 Menschen ums Leben. Darunter auch über 340 Feuerwehrleute. Gilbert Sauber, langjähriger Kommandant der Feuerwehr in Oberanven, erinnert sich ungern an diesen schmerzhaften Tag des terroristischen Massenmordes. Trotzdem hat er in dem kleinen Museum, das seit Juni 2017 in der ehemaligen Molkerei in Senningen untergebracht ist, Fotos und Zeitungsartikel ausgestellt, die an die Opfer und das Loch im Herzen von Manhattan erinnern sollen.

Der Job eines Feuerwehrmannes ist kein leichter. Auch davon könnte der mittlerweile pensionierte „Eisebunner“ ein Liedchen singen. Aber viel lieber erzählt er von seiner Sammlerleidenschaft und davon, wie alles angefangen hat. „De Kolleg Pierre Rach an ech konnten nach ni eppes ewechgeheien.“ Gelagert werden die alten Helme, Fahnen und Feuerlöscher anfangs im Instruktionssaal des Korps in Hostert. Als die Schule jedoch renoviert wird und eine neue Bleibe für die Sammlung gefunden werden muss, spricht Gilbert Sauber den Bürgermeister auf das leer stehende Gebäude der ehemaligen Molkerei an, das zuletzt dem Fischerverein als Vereinssaal gedient hat. Beim ersten Besuch der Räumlichkeiten wird allerdings schnell klar, dass deren Instandsetzung mit Kosten verbunden ist. Es gibt keine Heizung, weshalb einige Wände von Schimmel befallen sind. Zudem ist ein Fenster kaputt. Als optimal kann man die Bedingungen für die Lagerung von historischem Material jedenfalls nicht bezeichnen.

Doch dann wird, wovon Gilbert Sauber nie zu träumen gewagt hätte, Wirklichkeit: die Idee eines Museums. Um die Umbaumaßnahmen und die Sanierungsarbeiten kümmert sich die Gemeinde. Das Einrichten übernimmt der frühere Kommandant. In einem Dossier hat er jeden Schritt der Metamorphose des „ale Pompjeesschapp“ dokumentiert, und auch bei der Zusammenstellung der Ausstellung überlässt er nichts dem Zufall. „D’Leit sollen eppes matheem huelen.“ Daher legt der 60-Jährige großen Wert auf Präventionskurse und Schulungen. Denn über die Gefahr und die richtige Verhinderung von Bränden kann man nicht früh genug aufgeklärt sein.
Während Kinder vor allem vor der Vitrine im Eingangsbereich, in der unzählige rote Modellfeuerwehrautos aus der ganzen Welt Schlange stehen, große Augen machen, werden ältere Besucher über den antiken Feuerlöscher der Marke Pyrene und darüber staunen, dass die erste Herzmassage in den 1950er Jahren erfunden wurde. „Et huet een de Leit e Këssen op d‘Häerz gedréckt an se dann iwwert e Faass oder e Päerd geluecht.“ Gilbert Sauber weiß über alles genauestens Bescheid, und es macht Spaß, ihm zuzuhören. Auch weil er sein Gegenüber – ob jung oder erwachsen, Laie oder Fachmann – als ebenbürtig betrachtet, weil er sein Wissen teilen und nicht nur vermitteln will. So „klein“ das Museum auch ist, man könnte Stunden darin verbringen und sich von seinem Leiter erzählen lassen, wie sich die Uniformen der Luxemburger Feuerwehrmänner von einfacher Arbeitskleidung zu hochentwickelter Einsatzbekleidung entwickelt haben, was moderne Feuerwehrautos im Gegensatz zu Spritzwagen aus dem 19. Jahrhundert alles können und was die unterschiedlichen Dienstgradabzeichen zu bedeuten haben.

Am stolzesten ist Gilbert Sauber auf den renovierten Schlauchturm, in dem einst die Feuerwehrschläuche zum Trocknen hingen, eine Tellerserie aus den USA und das Modell einer Feuerwehrpumpe, die unter deutscher Lizenz in den 1960er Jahren in Mersch produziert wurde. Oder zählen doch eher die handgeschriebenen Protokoll- und Inventarbücher zu seinen Lieblingsexponaten? Wie dem auch sei, wer das Museum besucht, wird sich in die Ausstellung verlieben. Erstens weil sie unglaublich interessant ist, zweitens weil die einzelnen Objekte der Privatsammlung mit sehr viel Liebe inszeniert sind und drittens weil der Leiter einen mit der eigenen Begeisterung regelrecht überwältigt.

Auf die Frage, woher er die zahlreichen Ausstellungsstücke hat, wird Gilbert Sauber zuerst etwas verlegen. „Et muss een de Sammel-Virus hunn.“ Dann betont er jedoch umso bestimmter, dass es mit Wertschätzung zu tun hätte. Er habe großen Respekt vor der Arbeit seiner Vorgänger, und es täte ihm weh, wenn ausgediente Gegenstände einfach weggeworfen werden. Darüber hinaus funktioniert die Mund-zu-Mund-Propaganda wunderbar. Auch wenn (noch) nicht das ganze Land Bescheid weiß, dass er alles sammelt, was mit Feuerwehr- und Rettungskräften zu tun, so haben bereits etliche Leute ihn kontaktiert, um ihm etwas Erhaltenswertes zu schenken. „Ech kucken awer net nëmmen an d’Vergaangengeet.“ Dass Rauchmelder Pflicht in Luxemburg werden sollen, freut ihn natürlich, aber gleichzeitig bedauert er, dass es in diesem Zusammenhang noch reichlich Aufklärungsbedarf gibt. Für ihn ist Vorbeugung eine Selbstverständlichkeit. Für die Besucher seines Museums wird es das ebenfalls sein. Auch deshalb lohnt sich der Ausflug nach Senningen.

Besichtigungen des Feuerwehrmuseums (38, rue du Château in Senningen) sind nach Absprache mit Gilbert Sauber möglich: sauber.gilbert@pt.lu, Tel. 691 507 814.

Gabrielle Seil

Journalistin

Ressort: Kultur

Teilen ...Email this to someoneShare on Google+Print this pageTweet about this on TwitterShare on Facebook
Author: alommel

Login

Lost your password?