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Freizeitpark zum Schnäppchenpreis

Hier gibt es garantiert keinen Schock an der Kasse. Der „Walygator“ ist aber nicht nur der preisgünstigste Freizeitpark Frankreichs, er feiert dieses Jahr auch sein 30-jähriges Bestehen.

Es rattert und es klappert gewaltig. Inmitten dieses Radaus steigt die Wagenschlange, langsam aber sicher den steilen Hang mehrere Meter hoch hinauf. „Holy shit. Help me!“ schreit jemand hinter mir. Mir wird so langsam mulmig. Trotzdem geht es noch ein Stück weiter aufwärts und ich ahne schon, was uns auf dem höchsten Punkt der Achterbahn erwartet. Die 36 Meter hohe Holzkonstruktion mit dem Namen „Anaconda“ ist die höchste ihrer Art in ganz Frankreich. Europaweit steht das Architekturwunder auf Platz fünf. Ich klammere mich dort fest, wo ich nur kann. Jetzt fällt mir erst ein, dass ich unter Höhenangst leide… zu spät. Mit einem fast senkrechten Sturz geht es mit hoher Geschwindigkeit in die Tiefe. Ich höre nur noch Schreie. Mit 90 Kilometer pro Stunde geht es von einer scharfen Kurve in die Nächste, bergauf, bergab. Nervenkitzel pur, auf einer Gesamtlänge von 1,3 Kilometern. Und dies ist nur eine von vielen aufregenden Attraktionen, die der „Walygator“ seinen Gästen zu bieten hat, wovon einige, und das ist wirklich unerwartet erstaunlich, einzigartig sind. Das „Monster“ zum Beispiel ist der längste Roller-Coaster Europas, der seine Gäste rückwärts, die Füße in die Tiefe hängend, mit 92 Kilometer pro Stunde durch die Luft schleudert.

„Im Durchschnitt besuchen uns in der Sommersaison täglich bis zu 2.000 Gäste“, verrät Pressesprecherin Mélanie Zaid. „Die meisten kommen aus der Großregion, das heißt Luxemburg, Belgien, Deutschland und natürlich aus Frankreich, in einem Umkreis von ungefähr zwei Fahrstunden mit dem Auto.“

„Die meisten Besucher kommen aus der Großregion, das heißt Luxemburg, Belgien, Deutschland und natürlich aus Frankreich.“ Mélanie Zaid, Pressesprecherin

„Dieses Jahr haben wir ein brandneues Far-West-Gebiet im Herzen des Parks eröffnet“, erklärt Mélanie Zaid. „Früher befand sich dort das Dorf der Schlümpfe. Die bunten Pilze haben wir abreißen lassen und, unter anderem, durch einen Saloon und die Sheriff Academy ersetzt.“ Eine interaktive Attraktion, wo man, wie ein Cowboy auf seinem Pferd sitzend, mit einer Pistole auf virtuelle Ziele schießt.

In Lothringen ist der Park mittlerweile eine richtige Institution geworden, die dieses Jahr ihren 30. Geburtstag feiert. Angefangen hat alles mit den Schlümpfen, doch die wurden mittlerweile durch einen grünen Alligator ersetzt. Die Mischung zwischen Alt und Neu hat einen gewissen Charme. Der Freizeitpark hat sich in den letzten Jahren ständig weiterentwickelt. Ich bin überrascht über den guten Zustand und die Sauberkeit der Anlage.

Zusätzlich gibt es diesen Sommer einen Strand mit echtem Sand, Liegestühlen, Sonnenschirmen und vielen Spielen und Animationen. „Die gesamte Familie ist unsere Zielgruppe.“ Zusätzlich bleibt der Park am 17. August, ausnahmsweise bis 22 Uhr geöffnet. „Mit einem riesigen Feuerwerk“, betont die Pressesprecherin. „Jedes Jahr ziehen wir an diesem verlängerten Tag zwischen zehn- und zwölftausend Besucher an.“

Das andere Highlight des Jahres ist Halloween, eine Jahreszeit in der der Park normalerweise geschlossen bleibt. „Wir öffnen extra während zwölf Tagen. Letztes Jahr haben uns in dieser Periode zwölftausend Gäste besucht. Das sind 15 Prozent der jährlichen Kundschaft.“

Ganze 40 Attraktionen bietet der Freizeitpark, der sich zwischen Thionville und Metz befindet.

Ganze 40 Attraktionen bietet der Freizeitpark, der sich zwischen Thionville und Metz befindet. Davon sind 15 ganz speziell für kleine Abenteurer geeignet, von der Safari Tour bis zum Flug auf einem Dinosaurier oder noch einer Fahrt auf einem Tausendfüßler. Das Plus dieses Parks ist sicherlich, dass er wirklich reichlich Vergnügen für die ganze Familie und für jede Altersklasse anbietet.

Das Highlight und damit meistbesuchte Fahrgeschäft ist der reißende Wildbach, der durch das einzigartige Land der Dinosaurier zieht. Im „Dino Raft“ nehmen bis zu acht Personen in einem runden Boot Platz. Was hier anfangs aussieht wie eine entspannende Kreuzfahrt, entpuppt sich rasch als sehr feuchter Nervenkitzel mit Stromschnellen, Strudeln und einem trügerischen Wasserfall. Mehr verrate ich nicht. Sicher ist, hier bleibt niemand trocken und vor Lachen sicherlich auch kein Auge. Die passende Erfrischung während der heißen Sommertage.

Es ist unglaublich, wie viel hier angeboten wird, mit einem Eintrittspreis, der jede Konkurrenz in den Schatten stellt: 21,50 Euro für Kinder unter elf Jahren, 27 Euro für den Rest der Familie. „Unser Park ist der günstigste in ganz Frankreich“, betont Mélanie Zaid. Ein Plus für Familien mit niedrigem Einkommen. Nicht so „family-friendly“ sind allerdings die fünf Euro, die zusätzlich für das Parken verlangt werden. Lobenswert sind auch die verschiedenen Plätze, die extra für diejenigen eingerichtet wurden, die ihr eigenes Picknick mitgebracht haben und nicht unbedingt eine kostenpflichtige Mahlzeit zu sich nehmen wollen. Jedes Jahr ist man zudem bemüht, den Besuchern eine Neuigkeit anzubieten.

„Der Park wurde 1989 gebaut, um eine Million Besucher pro Jahr zu empfangen. Wir verfügen über eine riesige Fläche von 42 Hektar!“ erklärt die Pressesprecherin. „Wir haben also zwangsläufig Bereiche, die derzeit nicht genutzt werden. Für nächstes Jahr planen wir deshalb einen Indoor-Bereich, aber leider kann ich Ihnen im Augenblick noch nicht mehr dazu verraten.“

Fotos: Leslie Schmit

Mehr Informationen: www.walygatorparc.com

Jérôme Beck

Journalist

Ressorts: Wissen, Lifestyle

Martine Decker

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