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Fuhrwerk Orange

Kein Roadster wurde öfters verkauft als der Mazda MX-5. Eine auf 3.000 Stück limitierte Spezial-Edition in exklusivem „Racing Orange“, zum Anlass des 30. Geburtstags des kleinen Spaßmobils, lässt das Interesse erneut aufflackern.

Fotos: Mazda

Die Hard Top-Version („RF“) des MX-5 30th Anniversary wird und wurde auf dem Luxemburger Markt nicht angeboten, sondern ausschließlich der Roadster mit dem Stoffdach. Der MX-5 wurde erstmals beim Autosalon in Chicago 1989 vorgestellt, damals in „Sunburst Yellow“ – eine Farbe, auf die das Geburtstag-Orange anspielt – sowie in den US-amerikanischen Farben rot, blau und weiß. Die Geschichte beginnt Ende der Siebziger mit dem Auftritt des amerikanischen Journalisten Bob Hall. Als Jugendlicher hatte dieser Kalifornier, Jahrgang 1953, einige Zeit in Japan verbracht, war der Landessprache mächtig und unterhielt, als er später für das Magazin Motor Trend schrieb, noch ausgezeichnete Kontakte zu seinem Adoptionsland. Unter anderem arbeitete er damals für das japanische Automagazin Motor Fan, das ein Büro in Los Angeles unterhielt. Er sollte anschließend als Produktplaner bei Mazda anheuern, ehe er zu Proton in Malaysia und später Geely in China überwechselte. Zwischenzeitlich war er als Autojournalist in Australien tätig. Aber noch war es nicht soweit.

Auf jeden Fall war Hall Ende der 1970er angewidert von der Situation auf dem amerikanischen Sportwagenmarkt, wo man sich entweder eine teure, schwerfällige Corvette leisten konnte oder zu Fuß ging. Die kleinen wendigen Engländer waren nämlich auf dem absteigenden Ast, von Qualitätsmängeln, Endlos-Streiks im Heimatland, verschärften Abgasnormen und Sicherheitsbedenken in den USA gebeutelt. Dabei hatte Halls Vater, ein Bomberpilot aus dem Zweiten Weltkrieg, den Virus der kleinen englischen Roadster mit nach Hause gebracht. Der Vater fuhr einen MG, der Sohn sollte später das Nummernschild „IKIGAI“ auf seinem Mazda tragen, was auf Japanisch so viel heißt wie „die Sachen, die du tust, damit dein Leben einen Sinn hat“. Unsereins würde sagen: dein Steckenpferd, deine Obsession, dein Dada.

Im Jahr 1979 besucht unser Mann also den Chef der R&D-Abteilung von Mazda im Firmensitz in Hiroshima. Und erzählt Kenichi Yamamoto von seinen automobilen Träumen. Er hat eine Zeichnung mitgebracht, erläutert wie man auf Basis des kleinen Mazda Familia – in Europa hieß er Mazda 323 – einen sportlichen und zugleich erschwinglichen Hecktriebler mit Frontmotor bauen könnte. 1984 wird jener Herr Yamamoto dann Präsident von Mazda. Im September 1985 steht ein Prototyp des MX-5 auf den Rädern und unternimmt prompt seine erste Testfahrt auf öffentlicher Straße in Santa Barbara. Im Februar 1989 folgt die Weltpremiere in Chicago, und von 1989 bis 1997 werden 450.000 Stück des ersten MX-5 verkauft. Der 1,6-Liter-Motor aus dem 323 wird um neunzig Grad gedreht (von Front- auf Heckantrieb ausgelegt), eine nicht unterstützte Zahnstangenlenkung eingebaut (Servo gibt es als Option für die Waschlappen), innenbelüftete Bremsscheiben vorne und massive Scheiben hinten eingebaut. Der erste 16-Ventiler mit der Typenbezeichnung B6-ZE leistet 115 PS bei 6.500 Umdrehungen und dreht bis zu 7.200 U/min munter in den Begrenzer. Das Drehmoment liegt bei 135 Nm.

Im Lauf der Jahre werden ein paar Anpassungen fällig. 1990 erhält der MX-5 ein optionales Automatikgetriebe, 1992 folgen BBS-Felgen und Bilstein-Stoßdämpfer, 1993 wird er mit einem 1,8-Liter-Motor bestückt, der 130 PS und 152 Nm leistet. 1996 kommt ein neuer 1,6-Liter mit nur noch 90 PS, dann, 1992, nach neun Jahre, muss eine Nachfolgegeneration her, gefolgt von einer dritten ab 2005 und einer vierten ab 2015. Alle Generationen werden in Hiroshima gefertigt, dem Hauptproduktionsstandort von Mazda, und alle bleiben sie einer Grundeinstellung treu, verschließen sich jeglichen Modeerscheinungen und Trends, machen einfach nur „ihr Ding“.

Zum Feiertag gibt es für diese limitierte Auflage (eine lange Tradition des Hauses) spezielle bronzefarbene Felgen von Rays Co. Ltd, dazu Bremsen von Brembo vorne und von Nissin hinten, diesmal auch innenbelüftet, Stoßdämpfer von Bilstein und Sportsitze von Recaro. Wieso man dem kleinen Sportler die 34 mm dicken Brembo-Zangen aus Aluminium mit den vier gegenüberstehenden Bolzen ausschließlich vorne und nicht gleich auf allen vier Rädern spendiert hat, muss man vermutlich den Buchhalter fragen, diesen humorlosen Geizhals. Eine andere Erklärung wäre: Dieses Federgewicht braucht keine Anker wie ein Ozeandampfer. Ein Audio-System von Bose mit neun Lautsprechern (AudioPilot2) gibt es als Dreingabe, vier der Lautsprecher befinden sich in den Kopfstützen, das Infotainment-System Mazda Connect kann natürlich auch Apple CarPlay und Android Auto ansteuern – alles andere wäre heute nicht mehr denkbar. Die Dimensionen (3.915 mm x 1.735 mm x 1.235 mm) sind immer noch überschaubar, der Radstand beträgt 2.319 mm, das manuelle Sechsganggetriebe ist von der ganz knackigen Art und die Lenkung per Zahnstange bereitet viel Rückmeldung, die der nicht sehr hart gefederte Roadster mit spektakulärer Schieflage und reichlich Rollbewegung in schnellen Kurven über Reifen des Kalibers 205/45R17 ins Steißbein überträgt. In Japan, dem Heimatland der Drifter, wird der MX-5 Softtop mit 16-Zoll-Rädern ausgeliefert, im Rest der Welt werden sowohl Hard- wie auch Softtop mit 17-Zöllern bestückt.

Und wieso man dreißig Jahre nach der Geburt erst jetzt darauf kommt, dass der Name „Miata“ – denn so heißt der MX-5 in den USA, wo er das Tageslicht erblickte – eigentlich aus dem Alt-Deutschen kommen und „Belohnung“ heißen soll, entzieht sich jeglicher Logik. Miata könnte genauso gut nach einem Fräulein von der Elfenbeinküste benannt sein, deren Name im lokalen Dialekt „diejenige, die jeden glücklich macht“ heißt. Aber auch das wäre ein bisschen weit hergeholt. Also: Vorsichtshalber niemandem aus der Marketingabteilung glauben, denn die lügen alle wie gedruckt. Kaufen kann man ihn inzwischen wohl nur noch als Gebrauchtwagen, denn die limitierten Auflagen gehen weg wie Maki-Sushi auf dem Fließband des Szene-Restaurants. Kleine schmackhafte Happen eben.

+Purer Fahrspaß ohne Mätzchen
+Keine Assistenten, kein Turbo
+Nie war Rollbewegung lustiger
+Schnelles, analoges Faltdach
+Schön gemacht und zuverlässig

Leider sofort ausverkauft
Sehr spartanisch, im guten Sinne

Technische Daten:
MX-5 30th Anniversary
2.0 SkyActiv-G M6 184 Soft Top (+ i-Stop & i-Eloop)

6,9 l/100 km
155 g/km

1.997 cm3
135 kW/184 PS @ 7.000 U/min
205 Nm @ 4.000 U/min
6,5 s 0-100 km/h
219 km/h

(Verbrauch und CO2 nach WLTP)

Eric Netgen

Chefredakteur autorevue

Author: Eric Netgen

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