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Für ein besseres Schulklima!

Mit dem Schulunterricht assoziieren die meisten Schüler mehr Verdruss als Freude, auch viele Lehrer verbinden damit nichts Positives. Fari Khabirpour, früherer Direktor des  Centre Psychologique et d’Orientation Scolaire (CPOS), fordert ein radikales Umdenken bei Eltern, Erziehern und Lehrern. Ein Kommentar zum Bildungssystem.

„Ich freue mich auf die Schule…“. So oder ähnliche Äußerungen möchten Eltern gerne hören, wenn nach einer längeren Ferienzeit die öffentlichen Schulen in unserem Lande ihre Türen wieder öffnen und Tausende von Schülern in ihren Einrichtungen willkommen heißen. Doch stattdessen begegnen uns bei vielen Jugendlichen vergrämte Mienen, bedrückte Gesichter, sogar Widerstand und mangelnde Freude auf Schule.

Auf unsere Fragen, worüber sie sich vielleicht doch freuen könnten, wenn sie an Schule denken, erhalten wir bei manchen Jugendlichen positive Antworten nur bezüglich ihres baldigen Wiedersehens mit Freunden und Klassenkameraden, die sie schon länger vermisst haben.

Wenn wir diese Frage an Lehrer richten, erhalten wir oft auch wenig erfreuliche Reaktionen. Bei vielen überwiegt vor allem eine gewisse Angst vor dem bevorstehenden Umgang mit schwierigen und lerngestörten – oder sagen wir: unwilligen Schülern, denen sie jetzt täglich ausgesetzt seien. Aber auch Angst vor dem Streit mit unnachsichtigen, kritischen Eltern, die ihre eigenen Kinder dauernd in Schutz nehmen und ihnen kein Verständnis für die schwierige Rolle, die sie täglich auszuüben haben, entgegenbringen. Ebenso Angst vor der aussichtslosen Umsetzung eines Curriculums, das dem Wissensstand der Schüler nicht angepasst sei und vor dem Gefühl, dass sie schlussendlich bei all diesen Problemen alleine gelassen werden und wenig Unterstützung von Kollegen oder des Ministeriums erhalten.

So wird Freude, die die wichtigste Grundvoraussetzung zum Lernen darstellt, überschattet von Ärger, Angst, Misstrauen und Erfolgsdruck. Das alles erschwert vor allem eine positive Begegnung zwischen Schülern und Lehrern.

Wieso kam es nun so weit, dass öffentliche Schulen, die zu den wichtigsten Einrichtungen unseres Landes zählen, wo aktives und interaktives Lernen erfolgen soll, noch nicht die notwendigen Voraussetzungen dafür hervorgerufen haben, um Kindern und Jugendlichen helfend beizustehen, damit reibungsloses Lernen möglich ist und der angeborene Wissensdurst eines jeden befriedigt wird?

Lehrer sollen ermutigend wirken, indem sie auf die Stärken der Schüler blicken und nicht ihre Schwächen tadeln…

Auch sollten doch Lehrer immer bemüht sein, die mannigfaltigen Fähigkeiten ihrer Schüler kennenzulernen, zu fördern und sie zu ermutigen, zum ständigen Aufbau einer besseren Welt beizutragen. Mir scheint, dass einer der wichtigsten Grundvorrausetzungen zum Gelingen dieses Ziels mit einem radikalen Umdenken einhergeht, das bei Eltern, Lehrern und allen Erziehern erfolgen muss.

In diesem Zusammenhang scheint mir entscheidend zu sein, dass wir unser Menschenbild grundlegend ändern und folglich jeden Menschen als ein Bergwerk betrachten, reich an Edelsteinen von unschätzbarem Wert. Darüber hinaus sollten wir auch erkennen, dass die meisten Menschen offensichtlich schon in ihren frühen Jugendjahren einen gewissen Altruismus und Gemeinschaftssinn zeigen und demnach ein starkes Verlangen nach Zugehörigkeit in sich verspüren. Wird nun dieses soziale Grundbedürfnis eines jeden Schülers während seiner Schulzeit genügend befriedigt, wird dadurch ein gesundes und sicheres Schulklima geschaffen, Grundvoraussetzung für jede erfolgsversprechende schulische Laufbahn.

Ein solches Klima kann nur durch positives Denken erreicht werden und verlangt von uns allen, dass wir unsere auf Fehlern und Unzulänglichkeiten fokussierte subjektive Wahrnehmung der Realität durch eine positivere ersetzen. Nur so werden und können sich allmählich neue Programme entwickeln, die der holistischen Wirklichkeit der Schüler besser entsprechen und dazu dienen, neben der Förderung ihrer intellektuellen und manuellen Fähigkeiten, auch ihrer spirituellen, sozialen und künstlerischen Qualitäten gebührend Achtung zu schenken.

Ein solches Programm hilft Jugendlichen dabei, eine starke moralische Identität zu entwickeln und befähigt sie, zum Wohl ihrer Gemeinschaften und der Welt insgesamt beizutragen. Das Programm wird dann voraussichtlich eine partizipative Lernmethode vorziehen, wobei Lehrer die Rolle eines Moderators einnehmen und alle Teilnehmer voneinander lernen. Gruppen von Teilnehmern beteiligen sich dann an Aktivitäten wie künstlerischem Ausdruck, Diskussion, Theater, kooperativen Spielen, Literaturstudium, Geschichtenerzählen und gemeinnützigen Aktivitäten.

Als ich noch vor kurzem ein paar Elf- bis 15-jährige Jugendliche bat, mir ihre Vorstellungen von einer Schule mitzuteilen, worüber sie sich freuen könnten, erhielt ich spontan folgende Antworten:

„Lehrer sollen Freude ausstrahlen, denn Freude schafft eine angenehme Atmosphäre in der Klasse, wo lernen Spaß macht…“

„Mit Lehrern sollte es einfach sein zu kommunizieren…“

„Ein Lehrer, der leidenschaftlich und mit Begeisterung sein Fach unterrichtet, fördert meine Lernfähigkeit am besten…“

„Respekt beruht auf Gegenseitigkeit. Nur Lehrer, die mich respektieren, verdienen meinen Respekt…“
„Lehrer sollen ermutigend wirken, indem sie auf die Stärken der Schüler blicken und nicht ihre Schwächen tadeln…“

„Sollte ein Lehrer von mir Disziplin und Ordnung verlangen, dann erwarte ich von ihm, dass er diese wichtigen Werte in seinem Unterricht durchsetzt.“

„Ein guter Lehrer ist jemand, der auch von seinen Schülern lernt und sich darüber freut und sie nicht als unwissend, dumm oder faul behandelt… und so freue ich mich jeden Tag aufs Neue zur Schule zu gehen!“

Text: Fari Khabirpour // Fotos: Diana Drubig (Fotolia), Philippe Reuter

2-PR1_8704-KopieFari Khabirpour
Der 67-jährige Psychologe war Direktor des SOS Kinderdorfs in Mersch und des Centre Psychologique et d’Orientation Scolaire (CPOS, Centre Psycho-Social et d’Accompagnement Scolaires, SEPAS), später Direktor des Centre de Retension.

Author: Philippe Reuter

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