Winzerfrauen
Vom Regen und der Traube
30.04.2012, 11:06 –
An der Mosel gibt es nicht nur richtig guten Wein sondern auch Menschen, die gut kochen können. Zum Beweis schwingt Martine Streng, Winzertochter aus Grevenmacher, für Revue den Kochlöffel.
Lächelnd öffnet Martine Streng die Haustür. Draußen gießt es in Strömen, aber das „Maacher Meedchen“ lässt sich die gute Laune nicht verderben. „Kommt herein“, sagt sie und führt uns in die lichtdurchflutete Küche, wo bereits die Vorbereitungen in vollem Gange sind. „Der Regen tut den Reben gut“, sagt die 27-Jährige als sie von der Arbeitsplatte aufschaut, auf der sie gerade das Tatar zubereitet. Die weiße Küche ist so ausgerichtet, dass sie beim Kochen die Aussicht auf die Natur genießen kann. „Ech kooche nach net esou laang“, lacht die Winzertochter. Davon merkt man aber nichts. Im Gegenteil. „Mäi Frënd koocht goud a gär“, erklärt sie in ihrem typischen Moseldialekt. Deshalb hat sie sich nie so richtig fürs Kochen interessiert.
Guter Wein und gutes Essen gehen ja bekanntlich Hand in Hand.
Seit kurzem aber verschlingt sie jede Art von Kochbüchern. Ob Grillen oder Sushi, alles wird ausprobiert. Wenn sie dann mal überhaupt nicht mehr weiterweiß, bekommt sie Hilfe von echten Experten. Ihr Freund sowie ihr Schwiegervater packen gerne mit an und stehen mit Rat und Tat zur Seite. „Ich habe das Menü für die Revue auch mit den beiden abgesprochen. Ich wollte ursprünglich Hähnchen machen, aber das war ihnen zu banal“, grinst sie. Nach längerer Rücksprache wurden sie sich dann einig: „Tatar vu gereechertem Fësch“ als Vorspeise und „Rëndsfilet am Deeg“ als Hauptspeise soll es werden. Der passende Wein dazu darf natürlich nicht fehlen.
Das mit dem Wein hat sie ohnehin mit in die Wiege gelegt gekriegt: Ihr Vater Henri ist Präsident des Verwaltungsrates der Vinsmoselle. So ist die Tradition des Traubensaftes tief in ihr verwurzelt. Schon die Eltern ihres Vaters, also die Großeltern von Martine hatten einen „Wéngert“. „Der Familienbetrieb liegt mir sehr am Herzen“, sagt sie mit leuchtenden Augen. Dennoch hat die junge Frau einen Bachelor in Marketing und Business Management in England gemacht. „Meine Eltern haben mir bei der Entscheidung zum Studium geholfen. Ihrer Ansicht nach kann ich immer noch später im Familienbetrieb arbeiten. Momentan macht mir meine Arbeit im Bankwesen aber viel Spaß. Wer weiß, was noch alles auf mich zukommt.“ Ihr jüngerer Bruder steckt noch voll im Studium. Ob sie dann später gemeinsam den Familienbetrieb übernehmen, steht noch in den Sternen. Weitergeführt wird er auf jeden Fall.
Das Tatar steht nun fertig auf dem Tisch. Noch ein bisschen Petersilie zum Dekorieren und schon kann es serviert werden. Ein herrlicher Duft macht sich in der Wohnung breit. Das „Rëndsfilet“ bräunt langsam aber sicher im Ofen. Beim Fotoshooting ist Martine ganz natürlich, obwohl sie sich vor der Kamera nicht wirklich wohl fühlt. Gekonnt ist jedoch gekonnt. Schließlich hat sie als ehemalige „Wäikinnigin“ etliche Auftritte und PR-Termine hinter sich. Und auch diese Tradition liegt in der Familie, denn auch schon ihre Tante und Großmutter wurden zur Weinkönigin gekrönt. An ihr fünfjähriges Amt hat sie nur gute Erinnerungen. Diese Verbundenheit mit der Moselgegend gehört einfach zu ihr. Seit ihrer Kindheit hilft sie im Familienbetrieb mit und so ist der Wein zu einer Art Hobby geworden. Viel Zeit investiert sie in ihre Leidenschaft. Aber auch das Kochen wird nun mehr und mehr zu einer Art Passion. Gerne lädt sie Freunde zum Essen ein und verwöhnt sie mit tollen Gerichten. Der Ehrgeiz hat sie richtig gepackt. Auch wenn noch manche Gerichte ihr ein bisschen Respekt einflößen, so probiert sie doch gerne aus, wo ihre Grenzen in Sachen Kochkunst liegen. Sie beschreibt sich selbst als „experimentierfreudig“. Das „Rëndsfilet am Deeg“ ist nun auch fertig und wird schön auf dem Teller angerichtet. Martine öffnet eine Flasche Pinot noir dazu. Guter Wein und gutes Essen gehen ja bekanntlich Hand in Hand.
Draußen ergießt sich noch immer der Regen. Aber das sonnige Gemüt der Winzertochter, die es ins Bankwesen verschlagen hat, macht das graue Wetter wett. Ob sie sich vorstellen könnte ihre geliebte Moselgegend jemals zu verlassen? „Nein, eigentlich nicht“, sagt sie eher bestimmt. Einmal Mosel, immer Mosel.


