So kochen unsere Nachbarn - Argentinien
Gefüllte Teigtaschen und andere Köstlichkeiten
12.01.2012, 11:42 –
Die Argentinier sind bekannt für ihr gutes Rindfleisch. Was sonst noch so auf ihrem Speiseplan steht, haben Carmen Medina aus Kahler und ihre Mutter Teresa der Revue gezeigt und mit viel Herz zubereitet.
Probieren Sie ruhig, es schmeckt köstlich,“ lädt Teresa mich ein. „Empanadas isst man am besten mit der Hand,“ erklärt sie mir und reicht mir einen Teller, auf dem verschiedene Sorten Teigtaschen liegen. „Nicht alles aufessen, Mamma!“, lacht Carmen. „Es müssen noch Fotos davon gemacht werden.“ Mit einem lachenden und einem weinenden Auge erzählen die zwei temperamentvollen Frauen während dem Kochen und Tischdecken die Geschichte ihrer Familie, deren Mitglieder in Argentinien, Italien und Luxemburg leb(t)en.
Der Großvater von Teresa war gebürtiger Italiener und wanderte anfangs des 20. Jahrhunderts nach Argentinien aus. In La Pampa, einer Provinz im zentralen Argentinien, wird ihr Vater, also Carmens Großvater, geboren. 1920 aber zieht es die Familie wieder nach Italien zurück, aber nur für ein paar Jahrzehnte, denn schon 1957 werden Teresas Eltern zusammen mit ihren acht Kindern wieder nach Argentinien repatriiert. Dort lernt sie 1970 ihren heute verstorbenen Mann kennen und lieben. „Natürlich ein Argentinier“, lächelt sie etwas traurig.
„ Ich trage Argentinien im Herzen, obwohl ich mich hier in Luxemburg sehr wohl fühle.“ Carmen Medina
Die Hochzeitsreise führt das frisch vermählte Paar nach Luxemburg, wo sie auch bleiben und die nächsten Jahre nicht mehr zu ihrer Familie nach Argentinien zurückkehren. Vier Kinder hat Teresa, und Carmen ist die Älteste. Und auch sie hat Nachwuchs: Esteban und Rebecca (sieben und neun Jahre), mit denen sie kastillanisch redet. „Mir gefallen spanische Namen“, lacht die 40-Jährige.
Obwohl sie mit 18 Jahren die luxemburgische Nationalität angenommen hat, fühlt sie sich dem Land ihrer Vorfahren doch sehr verbunden. „Ich trage Argentinien im Herzen, obwohl ich mich hier in Luxemburg sehr wohl fühle.“ Ihrer Mutter gefällt es auch gut, obschon sie so weit entfernt von ihren Schwestern und Brüdern wohnt. „Als wir anfangs der siebziger Jahre nach Luxemburg kamen, hat es mir hier gar nicht gefallen. Ich hatte Heimweh und wollte nur noch zurück nach Argentinien. Aber jetzt möchte ich hier nie mehr fort“, erzählt sie, während dem sie weitere Teigtaschen füllt und ins heiße Fett legt. „Ich liebe Empanadas. In Buenos Aires werden sie an jeder Straßenecke angeboten“, sagt sie und beißt wieder genüsslich zu. Die frittierten Teigtaschen sind in Argentinien so beliebt wie die Grillwurst in Luxemburg.
Die Füllung besteht aus Gemüse, Käse und Rosinen. Ihre Tochter bevorzugt allerdings die traditionellen Empanadas mit Rinderhack. Nun schneidet Teresa das Matambre in feine Scheiben. „Wir essen die Scheiben kalt zum Salat oder als Aufschnitt“ erklärt sie, während dem sie einen Teller anrichtet. So und jetzt zum Dessert. Carmen gießt Mate, den traditionellen Tee auf, den auch schon Che Guevara gerne trank. Ihre Mutter öffnet eine Blechdose und löffelt eine klebrige karamell-artige Masse heraus, die sie auf Cracker streicht. „Das ist Dulce de Leche, eine Art Milchcreme. Ich könnte es zu jeder Tageszeit verspeisen“, lacht Teresa, und gemeinsam genießen die zwei Frauen eine kleine Ruhepause ehe die Kinder von der Schule nach Hause kommen.
Die Rezepte dazu finden Sie unter “Rezepte”.
Argentinische Küche
Die Argentinische Küche ist vor allem für ihr Rindfleisch (Bife) bekannt. Dort grasen die Rinder noch unter freiem Himmel in der Pampa, was ihr Fleisch besonders saftig und aromatisch macht. Gegrillt wird auch gerne und nicht nur Rindfleisch. Auch Lammfleisch wird viel gegessen und als Ganzes über dem Grill geröstet. Dazu wird Chimichurri gereicht. Hier handelt es sich um eine scharfe Sauce, die aus Petersilie, Knoblauch, Zwiebeln, Chilli, Thymian, Oregano und Lorbeerblättern hergestellt wird.
Das beliebteste Getränk in Argentinien ist das Aufgussgetränk Mate, wofür die Blätter des Yerbabusches aufgebrüht werden. Der Geschmack des teeähnlichen Getränkes ist eher bitter und wird so mit viel Zucker gesüßt. Mate ist sehr gesund, besitzt viele Vitamine und wirkt aufmunternd aufgrund des Koffeingehalts. Traditionell wird Mate aus einem Gefäß mit Trinkhalm getrunken, der aus Metall besteht und unten ein Sieb hat, damit man keine Blätter mittrinkt. Besonders ist auch die dazu gehörige Zeremonie, denn in Argentinien trinkt man den Tee zusammen mit mehreren Personen aus dem selben Gefäß, welches umher gereicht wird.
Dulce de Leche, eine süße Leckerei, ist sehr beliebt. Die Creme, die aus Milch, wenig Wasser und viel Zucker hergestellt wird, wird in Argentinien zu fast jeder Tageszeit verspeist: zum Frühstück aufs Croissant, zum Nachmittagstee auf trockenes Gebäck und zum Abend als Dessert.
Machen Sie mit! Bei der Revue-Serie „So kochen unsere Nachbarn“ stellen wir in loser Folge typische Gerichte unserer ausländischen Mitbürger vor. Denn Integration geht schließlich auch durch den Magen. Wenn Sie Lust haben, mitzumachen, melden Sie sich doch per Mail bei jessica.heitz@revue.lu oder unter Tel. 49 81 81 325.


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