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Vom Regen und der Traube

An der Mosel gibt es nicht nur richtig guten Wein sondern auch Menschen, die gut kochen können. Zum Beweis schwingt Martine Streng, Winzertochter aus Grevenmacher, für Revue den Kochlöffel.

Lächelnd öffnet Martine Streng die Haustür. Draußen gießt es in Strömen, aber das „Maacher Meedchen“ lässt sich die gute Laune nicht verderben. „Kommt herein“, sagt sie und führt uns in die lichtdurchflutete Küche, wo bereits die Vorbereitungen in vollem Gange sind. „Der Regen tut den Reben gut“, sagt die 27-Jährige als sie von der Arbeitsplatte aufschaut, auf der sie gerade das Tatar zubereitet. Die weiße Küche ist so ausgerichtet, dass sie beim Kochen die Aussicht auf die Natur genießen kann. „Ech kooche nach net esou laang“, lacht die Winzertochter. Davon merkt man aber nichts. Im Gegenteil. „Mäi Frënd koocht goud a gär“, erklärt sie in ihrem typischen Moseldialekt. Deshalb hat sie sich nie so richtig fürs Kochen interessiert.

Guter Wein und gutes Essen gehen ja bekanntlich Hand in Hand.

Seit kurzem aber verschlingt sie jede Art von Kochbüchern. Ob Grillen oder Sushi, alles wird ausprobiert. Wenn sie dann mal überhaupt nicht mehr weiterweiß, bekommt sie Hilfe von echten Experten. Ihr Freund sowie ihr Schwiegervater packen gerne mit an und stehen mit Rat und Tat zur Seite. „Ich habe das Menü für die Revue auch mit den beiden abgesprochen. Ich wollte ursprünglich Hähnchen machen, aber das war ihnen zu banal“, grinst sie. Nach längerer Rücksprache wurden sie sich dann einig: „Tatar vu gereechertem Fësch“ als Vorspeise und „Rëndsfilet am Deeg“ als Hauptspeise soll es werden. Der passende Wein dazu darf natürlich nicht fehlen.

Das mit dem Wein hat sie ohnehin mit in die Wiege gelegt gekriegt: Ihr Vater Henri ist Präsident des Verwaltungsrates der Vinsmoselle. So ist die Tradition des Traubensaftes tief in ihr verwurzelt. Schon die Eltern ihres Vaters, also die Großeltern von Martine hatten einen „Wéngert“. „Der Familienbetrieb liegt mir sehr am Herzen“, sagt sie mit leuchtenden Augen. Dennoch hat die junge Frau einen Bachelor in Marketing und Business Management in England gemacht. „Meine Eltern haben mir bei der Entscheidung zum Studium geholfen. Ihrer Ansicht nach kann ich immer noch später im Familienbetrieb arbeiten. Momentan macht mir meine Arbeit im Bankwesen aber viel Spaß. Wer weiß, was noch alles auf mich zukommt.“ Ihr jüngerer Bruder steckt noch voll im Studium. Ob sie dann später gemeinsam den Familienbetrieb übernehmen, steht noch in den Sternen. Weitergeführt wird er auf jeden Fall.

Das Tatar steht nun fertig auf dem Tisch. Noch ein bisschen Petersilie zum Dekorieren und schon kann es serviert werden. Ein herrlicher Duft macht sich in der Wohnung breit. Das „Rëndsfilet“ bräunt langsam aber sicher im Ofen. Beim Fotoshooting ist Martine ganz natürlich, obwohl sie sich vor der Kamera nicht wirklich wohl fühlt. Gekonnt ist jedoch gekonnt. Schließlich hat sie als ehemalige „Wäikinnigin“ etliche Auftritte und PR-Termine hinter sich. Und auch diese Tradition liegt in der Familie, denn auch schon ihre Tante und Großmutter wurden zur Weinkönigin gekrönt. An ihr fünfjähriges Amt hat sie nur gute Erinnerungen. Diese Verbundenheit mit der Moselgegend gehört einfach zu ihr. Seit ihrer Kindheit hilft sie im Familienbetrieb mit und so ist der Wein zu einer Art Hobby geworden. Viel Zeit investiert sie in ihre Leidenschaft. Aber auch das Kochen wird nun mehr und mehr zu einer Art Passion. Gerne lädt sie Freunde zum Essen ein und verwöhnt sie mit tollen Gerichten. Der Ehrgeiz hat sie richtig gepackt. Auch wenn noch manche Gerichte ihr ein bisschen Respekt einflößen, so probiert sie doch gerne aus, wo ihre Grenzen in Sachen Kochkunst liegen. Sie beschreibt sich selbst als „experimentierfreudig“. Das „Rëndsfilet am Deeg“ ist nun auch fertig und wird schön auf dem Teller angerichtet. Martine öffnet eine Flasche Pinot noir dazu. Guter Wein und gutes Essen gehen ja bekanntlich Hand in Hand.

Draußen ergießt sich noch immer der Regen. Aber das sonnige Gemüt der Winzertochter, die es ins Bankwesen verschlagen hat, macht das graue Wetter wett. Ob sie sich vorstellen könnte ihre geliebte Moselgegend jemals zu verlassen? „Nein, eigentlich nicht“, sagt sie eher bestimmt. Einmal Mosel, immer Mosel.

Winzerfrauen

Vom Regen und der Traube

Ute Metzger

Ute Metzger

Tatar vu gereechertem Fësch

Für 4 Personen

Zutaten:

  • 200 g Räucherforellenfilet
  • 250 g Räucherlachs
  • 4 EL Crème fraîche
  • 1 EL gehackter Dill Saft von ½ unbehandelten Zitrone
  • 1 EL Schalottenwürfel
  • 1 EL Olivenöl Salz, Pfeffer
  • 1 Msp. gemahlener Koriander

Zubereitung:

Die Forelle und anschließend den Lachs in kleine Würfel schneiden. Beides getrennt beiseite stellen. Die Forellenwürfel mit 2 EL der Crème fraîche verrühren. Die Lachswürfel mit Dill, Zitronensaft, Schalottenwürfel, Olivenöl, Salz, Pfeffer und Koriander mischen. Kleine Ringe mit etwas Öl ausstreichen. Zuerst das Forellentatar in den Ring geben und glatt streichen. Dann das Lachstatar darauf geben und ebenfalls glatt streichen. Mit der Crème fraîche bestreichen, so dass eine Haube entsteht. Danach die Ringe vorsichtig lösen und das Tatar servieren. Dazu passen Avocadoscheiben und Salat.

Ute Metzger

Rëndsfilet am Deeg

Für 8 Personen

Zutaten:

Für die Füllung: - 300 g Kalbfleisch - 2 Eier - 10 cl Crème fraîche Marc de Gewürztraminer - Estragon

  • 4 gesalzene Pfannkuchen
  • 1.600 g Rinderfilet
  • 500 g Blätterteig
  • 2 Eigelb
  • Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Das Kalbfleisch fein würfeln und dann pürieren. Zu der Füllung nacheinander die Eier, die Crème fraîche, den Estragon und den Gewürztraminer hinzufügen. Salzen, pfeffern und kalt stellen. Das Filet während acht Minuten im Ofen anbraten, herausnehmen, salzen, pfeffern und erkalten lassen. Das Fleisch dann mit der Füllung bestreichen und in die Pfannkuchen einwickeln. Als Letztes den Blätterteig um das Filet schlagen und mit dem Eigelb bepinseln. 20-25 Minuten bei 200 Grad im Ofen braten und danach fünf Minuten ruhen lassen. Aus dem Ofen herausnehmen und in 1 cm dicke Scheiben schneiden.

Ute Metzger

Viel Spaß in der Küche: Beim Gemüseschnippeln erzählt Martine Streng von ihrer Leidenschaft.

Ute Metzger

Sonniges Gemüt: Schon als Weinkönigin übte sie das sympathische Lächeln für die Kamera.

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