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„Gathering Gamers“

Wie steht es um die Gaming-Community in Luxemburg? Gut, meinen Sébastien Gemmer und Eric Vieira von „We live Games“. 2012 gründeten sie die Gruppe, die immer mehr Anklang findet und Menschen über Grenzen hinaus miteinander verbindet.

Als aggressive Einzelgänger werden Gamer in der Politik und den Medien abgetan. Mangelnde soziale Kompetenzen und ein Hang zur Brutalität, hervorgerufen durch eine bewusste Abkapselung von der Gesellschaft und stundenlanges Zocken sogenannter Killer-Spiele, werden ihnen vorgeworfen. Dabei kann Gaming nicht nur harmonisch ablaufen, sondern soziale Fähigkeiten sogar verbessern, wie Sébastien Gemmer und Eric Vieira mit „We live Games“ (WLG), einer Vereinigung ohne Gewinnerzielungsabsicht, unter Beweis stellen. Regelmäßig organisieren die Jungs Events und Turniere, an denen sich die hiesige Szene, Menschen der Großregion und der ganzen Welt beteiligen.

Sie sind Gamer mit Leib und Seele. Dennoch verschanzen sie sich nicht in den eigenen vier Wänden, im Gegenteil: Sie beschlossen mit ihrer Leidenschaft an die Öffentlichkeit zu gehen. „Früher haben wir private LAN-Partys veranstaltet. Eine logische Konsequenz war, sie irgendwann öffentlich zu machen“, sagt Eric. Beim ersten Fifa-Turnier vor fünf Jahren wurden sie vom Andrang überwältigt. „Mehr als hundert Personen haben teilgenommen. Damit hatten wir nicht gerechnet“, erläutert der 27-Jährige. Bedarf war also eindeutig da. Mit der Gründung der Asbl zählen sie zu den ersten hierzulande, die sich in der Branche engagierten. Einzelne Gruppierungen existierten zwar bereits 2012, trafen sich jedoch auf unregelmäßiger Basis. „Videogames.lu war damals schon aktiv, aber eher in Form eines Forums, als geschlossene Gruppe“, berichtigt Sébastien. Eine offene, leicht zugängliche Plattform für ein breites Publikum zu schaffen, das war die Idee.

Gaming ist längst keine Nische mehr.Sébastien Gemmer

Mittlerweile verfügt WLG über eine Aktivzahl von 16 Mitgliedern und rund 3.800 Followers auf Facebook, wobei die Reichweite deutlich höher liegt. Anfangs legten die Initiatoren den Fokus auf Turniere und spezifische Spiele wie Fifa, Super Smash Bros., League of Legends oder Call of Duty. „Wir boten das an, was wir früher selbst vermissten: uns direkt an anderen messen zu können“, erklärt Eric und fügt hinzu: „Natürlich spielt da auch eine große Portion Ego mit“. Damit zogen sie zunächst Hardcore Gamer an. Mittlerweile gehören gemütliche Daddelabende im Café, wo Gelegenheitsspieler auf Gleichgesinnte treffen, genauso zum Programm. Hier steht nicht das Gewinnen im Mittelpunkt, sondern der Austausch untereinander. Die Community hat sich verändert. „Gaming ist längst keine Nische mehr. In einem kleinen Land wie Luxemburg hat es sich sehr schnell und gut etabliert“, ist Sébastien überzeugt. Durch das durchweg positive Feedback, das die beiden erhalten, glaubt er, dass die Stereotype dabei sind zu verschwinden.

Skeptikern raten sie, vorbeizukommen und sich ein eigenes Bild zu machen. Für Sébastien geht von den Games vor allem ein Reiz aus, weil sie Geschichten völlig anders vermitteln als Bücher oder Filme. „Videospiele sind wie interaktive Filme. Man kann sie selber erkunden und eigene Entscheidungen treffen“, verdeutlicht er. Darüber hinaus schätzt er es besonders online mit Freunden zu zocken: „Dieses Zusammenhaltsgefühl ist einfach wundervoll. Meiner Meinung nach ist das genauso sozial, wie sich in einer Kneipe zu treffen.“

Wir boten das an, was wir früher selbst vermissten: uns direkt an anderen messen zu können.Eric Vieira

Gerne erinnern sich die Jungs, die sich aus dem Gymnasium kennen, an die Anfänge ihres Hobbies zurück. Wie viele aus der ominösen „Generation Y“ waren sie Konsolenkinder. Als Hauptgrund hierfür ist der nicht existente bis schlechte Internetzugang während der 1990er und frühen Nullerjahre aufzuführen. „Ich werde nie vergessen, dass ich mir mühevoll Geld für einen neuen Rechner angespart habe und dann trotzdem nicht mit meinen Freunden spielen konnte, weil das Ganze an der Verbindung scheiterte“, erzählt Eric grinsend. Sich in die analoge Leitung einzuklinken, war eben nicht ganz so einfach wie mit WLAN oder mobilem Internet. Die ohrenbetäubenden Geräusche beim Einwählen des 56K-Modems, das Blockieren der Telefonleitung und die enormen Kosten machten aus dem Online-Gaming ein meist sehr kurzes Vergnügen. „Wir verabredeten uns immer, um überhaupt miteinander zocken zu können. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen“, stellt Eric fest.

Dass die Computerspielindustrie in den vergangenen 25 Jahren einen enormen Aufschwung erlebte, ist nicht von der Hand zu weisen. Der Stellenwert von Videospielen ist dabei sich zu verändern, was unter anderem durch die Anerkennung von E-Sport als eigenständige Sportart in Deutschland veranschaulicht wird. Von einer E-Sportler-Karriere haben Sébastien und Eric – wie wahrscheinlich alle gameaffinen Kinder und Teenager – zwar geträumt, ernsthafte Ambitionen haben sie allerdings nie verfolgt. Einerseits, weil es, von Korea abgesehen, noch ein recht neues Phänomen sei. Andererseits, weil sie alles Mögliche ausprobieren und sich nicht auf ein bestimmtes Spiel beschränken wollten. „Es soll Spaß machen und kein Job sein“, räumt Sébastien ein, „täglich zehn Stunden mit seinem Team zu trainieren, kann schon sehr hart sein“. Manche WLG-Mitglieder engagieren sich dennoch aktiv im E-Sport-Bereich. Was League of Legends, Super Smash Bros und Fifa betrifft, konnten sich bereits einige von ihnen über eine gute Platzierung oder einen Titel freuen. Die hauseigene Counter-Strike: Global Offensive- oder kurz CS:GO-Mannschaft gewann im Herbst 2017 das Luxmasters-Turnier und darf sich nun nationaler Meister nennen. Selbst an der Aufstellung eines weiblichen CS:GO-Teams wird gerade getüftelt.

Die Aktivitäten im sportlichen Bereich auszuweiten, können sich die Gründer durchaus vorstellen. Davon abgesehen, möchten sie mehr Zeit in das Drehen von Videos und Ausstrahlen von Podcasts investieren. „Wir wollen größer werden, mehr Leute ansprechen, uns international einen Namen machen“, kündigen sie an. Was danach kommt, steht in den Sternen.

Fotos: Lynn Bonetti, Anne Lommel

Françoise Stoll

Journalistin / Gastronomie

Ressorts: Lifestyle, Multimedia

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Author: Philippe Reuter

Comments (1)

  1. Tamara says:

    Flotten Artikel 🙂

    vidoegames.lu organiséiert all Mount de GamingCafé zu Koplescht. Do kann jiddereen laanscht kommen an e bësse spillen, an et kascht och keng Entrée.

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