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Geschichtenerzählerin

Sie könnte als Grafikdesignerin oder Sozialpädagogin arbeiten, doch stattdessen hat Vanessa Staudt sich als Autorin und Illustratorin selbstständig gemacht und mit „Atelier Kannerbuch“ einen neuen Verlag gegründet.

Zuerst ist die Idee da. Dann wird ein Storyboard angelegt. Aufgrund dieser Szenenfolge malt Vanessa Staudt zunächst kleine, im Nachhinein große Bilder. Der Text folgt gewöhnlich zuletzt. So auch für ihr neues Kinderbuch „De Kroumpernéckel“. Darin erzählt wird die Geschichte einer besonders dicken Bio-Kartoffel, die jeder haben möchte – vom Bauer, der sie erntet, über dessen Frau, die sie gern kochen und essen würde, bis hin zu frechen Krähen, die ebenfalls von ihr kosten wollen. Doch der Erdapfel weiß sich zu wehren, und wenn er sich nicht wieder in den Boden gegraben hätte…

„Allzevill soll net verroden ginn“, betont Vanessa Staudt lächelnd. Kinder sind zwar ein sehr dankbares Publikum, weil sie neugierig und begeisterungsfähig sind, aber sie haben auch ein gutes Gedächtnis und sind nicht so leicht hinters Licht zu führen. Die junge Autorin weiß, wovon sie spricht, immerhin ist sie derzeit fast täglich in Schulen zu Gast, um Drei- bis Zehnjährigen vorzulesen. „Meng Liesunge sinn allerdéngs keng gewéinlech.“

Die gebürtige Koericherin erzählt ihre Geschichten nämlich aus dem Kopf, zeigt dazu die Bilder, die sie gemalt hat, und verrät ihren kleinen Zuhörern zudem, wie ein Kinderbuch überhaupt entsteht. Sie hat Farben mit dabei und nach der Erzählstunde dürfen alle an einem kreativen Atelier teilnehmen. „D’Kanner solle verschidde Moltechnike kenneléieren a mat Faarwen experimentéieren.“

atelier-Kannerbuch

Bereits mit ihrem Erstling „Ech si kee béise Wollef“, das von einem Wolf erzählt, der seine Rolle als Außenseiter satt hat und sich daher auf die schwierige Suche nach Freunden macht, hat Vanessa Staudt derart großen Erfolg, dass sie sogleich ein zweites Projekt in Angriff nimmt. In „Aus dem Stëbs gemaach“ beschließt die Wasserschildkröte Timmy, wegzulaufen, um ihre Umwelt zu erkunden. Dabei begegnet sie den unterschiedlichsten Waldtieren. Prompt wird das Buch 2008 mit dem 2. Preis beim Wettbewerb „Raconte-moi“ ausgezeichnet. Im gleichen Jahr erhält das gemeinsame Projekt mit Jhemp Hoscheit, „Monsteren am Gaart“, den „Lëtzebuerger Buchpräis“ in der Kategorie Kinder- und Jugendbuch. Im Nachhinein wird es plötzlich etwas ruhiger um die Senkrechtstarterin.

„De Kroumpernéckel“ erzählt die Geschichte einer dicken Bio-Kartoffel, die jeder haben möchte.

„Ech wollt mäin neie Projet sou gutt wéi méiglech virbereeden“, erklärt Vanessa Staudt schmunzelnd. Einen eigenen Verlag gründet man schließlich nicht von heute auf morgen. Jetzt ist „Atelier Kannerbuch“ geboren und die Autorin und Illustratorin mit „De Kroumpernéckel“ erneut auf Tournee. Auf die Frage, wieviel Mut sie der Schritt in die Selbstständigkeit gekostet habe, schaut die diplomierte Kommunikationsdesignerin keineswegs nachdenklich, eher beschwingt: „Heiansdo muss een e Risiko a sengem Liewen agoen.“ Angst vor einem möglichen Scheitern braucht sie indes keine zu haben. Erstens hat sie bislang nur aufmunternde Erfahrungen gesammelt, zweitens ist sie mit sämtlichen Etappen einer Buchherstellung vertraut, drittens strotzt sie vor Ideen und viertens hat sie aufgrund ihres Studiums der Sozial- und Erziehungswissenschaften Ahnung davon, wie man Kunst und Pädagogik kindgerecht miteinander verbindet.

Zeichnung-De-Kroumpernéckel

Aus jeder Geschichte soll der Leser und auch der Vorleser etwas lernen. Respekt vor anderen Lebewesen, zum Beispiel. Oder sich zu wehren, wenn man ausgeschlossen, gemobbt oder bedroht wird. Auf ihren Lesungen in Schulklassen ist es Vanessa Staudt zudem wichtig, dass Kinder, die zu Hause nicht in Kontakt mit Büchern kommen, dennoch dazu motiviert werden, ein Buch in die Hand zu nehmen und zu lesen. Die Entscheidung, auf Luxemburgisch zu schreiben, gelegentlich Namen oder Wörter zu verwenden, die nicht mehr „gebräuchlich“ sind, und ausschließlich einheimische Tiere zu Buchhelden werden zu lassen, ist ebenfalls eine pädagogische. „Dat alles geschitt awer op eng ganz verspillt Manéier“, so die Autorin. Sie sich als strenge „Joffer“ vorzustellen, ist in der Tat unmöglich. Und das Allerschönste: Die Geschichten machen Klein und Groß gleichermaßen Spaß.

www.kannerbuch.lu

Gabrielle Seil

Journalistin

Ressort: Kultur

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Author: Philippe Reuter

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