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Mailen, chatten, quälen

Haben Sie schon mal Ihren Namen gegoogelt und gespannt gewartet, was das World Wide Web über Sie ausspuckt? Was tun, wenn man im Internet diffamiert wird? Kann man die Löschung verlangen? Und wenn ja, von wem?

Seit letzter Woche ist ein wichtiger Schritt gegen das so genannte Cybermobbing getan: Der Europäische Gerichtshof und der deutsche Bundesgerichtshof haben den Schutz derjenigen gestärkt, die sich gegen Rechtsverletzungen im Internet wehren wollen. Sowohl die Karlsruher als auch die Luxemburger Richter stellten klar, dass sich die Opfer an die Gerichte ihres Heimatlandes wenden können, auch wenn die Betreiber der Internetportale im EU-Ausland sitzen.

Im Web entscheidet sich, wer cool ist und wer nicht.

Die Urteile stärken die Persönlichkeitsrechte von Internetnutzern. Zudem gibt es endlich klare Regeln für die Prüfung von beleidigenden Inhalten im Cyberspace. Demnach muss die betroffene Person dem Portal darlegen, dass in einem seiner Blogs ein Rechtsverstoß begangen wurde. Der Hinweis muss so konkret gefasst sein, dass er ohne eingehende und tatsächliche Überprüfung bejaht werden kann. Diese Stellungnahme muss der Provider an den Blog-Verantwortlichen weiterleiten. Äußert dieser sich nicht binnen einer bestimmten Frist, ist der zu beanstandende Inhalt zu löschen. Beharrt der Blogger jedoch auf seiner Aussage, geht das Verfahren in die nächste Runde. Dann muss der Betroffene die Möglichkeit erhalten, darauf zu reagieren und die Ehrverletzung zu beweisen. Gelingt ihm das, wird der Eintrag gelöscht, fehlen die Nachweise, bleibt der Eintrag im Web bestehen. Einziger Wermutstropfen: Das Prüfverfahren ist für Betroffene dermaßen aufwändig, dass sie oft schon vor einer Entscheidung geschäftlich oder privat am Ende sein dürften. Zudem ist noch offen, wie die Provider den gerichtlichen Befehl zum „Löschen“ umsetzen, da ein Eingriff in den Blog eines Users rechtlich und technisch gar nicht so trivial ist.

Dass Cybermobbing keinen Bogen um Luxemburg macht, beweist die letzte Studie von Georges Steffgen, Psychologie-Professor und Experte für Aggressionsforschung an der Uni Luxemburg. Auch wenn die Zahlen derzeit noch relativ niedrig liegen: Zwischen 3,8 und 4,4 Prozent der befragten Sekundarschüler gaben an, einmal im Monat oder fast täglich im Netz gemobbt worden zu sein. Nichtsdestotrotz ist das Web längst zum virtuellen Pausenplatz geworden. Dort entscheidet sich, wer cool ist und wer nicht. Mit guten und schlechten Folgen. Hinter dem Computer und im Schutz des Kinderzimmers ist es leichter, jemanden anzugreifen. Schließlich verspricht das Internet dem Täter Anonymität: Tarnung hinter einer IP-Adresse oder einem Spitznamen auf Facebook. Die Folgen sind aus der Erfahrung mit herkömmlichem Mobbing bekannt: Ängste, Traumatisierung, Schulverweigerung – bis zu Suizidgedanken. Und die Rolle der Eltern wird häufig unterschätzt. Es hilft nicht, soziale Netzwerke und Co. per se zu verteufeln. Besser: Den eigenen Nachwuchs selbst behutsam an die Möglichkeiten des digitalen Zeitalters heranführen. Was im Umkehrschluss auch bedeutet, dass sich Mütter und Väter für die neuen Kommunikationsformen der Jugend interessieren und sich darüber im Klaren sein sollten, wie ihr Kind diese nutzt.

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