Editorial
Schicksalstage
14.12.2011, 09:40 –
Nach acht Verhandlungswochen ist mit dem so genannten Luxair-Prozess ein für alle Beteiligten schicksalhaftes Verfahren zu Ende gegangen. Es war ein Mammutprozess, den das ganze Land sich selbst und den Betroffenen des schrecklichen Unglücks schuldig war.
Ein Verfahren, in dem geklärt wurde, wer die Schuld hatte an dem Flugzeugabsturz mit zwanzig Toten an jenem 6. November 2002. Ein Prozess mit großer Verantwortung für die Justiz. Dass sie dieser Verantwortung gerecht wurde, lässt sich schon vor der Urteilsverkündung sagen.
Es war ein Verfahren, in dem nicht nur der beschuldigte Pilot und die angeklagten Luxair-Verantwortlichen, sondern auch die Sicherheitskultur des nationalen Luftfahrtunternehmens am Pranger standen. Gerade am letzten Prozesstag wurde mit der Auflistung der Beinahe-Unfälle deutlich, dass die aufgedeckten Mängel nicht nur auf ein einmaliges Versehen zurückzuführen sind, sondern auf Lücken im System. Zu hoffen ist, dass diese in der Zwischenzeit beseitigt wurden und die Zustände von damals inzwischen bereinigt sind. Zu hoffen ist auch, dass die Hinterbliebenen der Absturzopfer endlich einen Schlussstrich ziehen können unter dieses Unglück, das ihr Leben von Grund auf verändert hat. Das Gleiche gilt auch für die Angeklagten in diesem Prozess. Wichtig wird es bei dem Urteil sein, dass Letztere nicht nur symbolisch, sondern auch spürbar zur Rechenschaft gezogen werden. Denn in Sachen Flugsicherheit sollte das Urteil auch als eine in die Zukunft gerichtete Mahnung verstanden werden.
In Brüssel wurde der Euro hoffentlich endgültig vor dem Untergang gerettet.
Schicksalhafte Tage liegen aber nicht nur hinter den Beteiligten am Luxair-Prozess. Mit der Verleihung des Nobelpreises im Bereich Medizin hat sich auch das Leben des gebürtigen Luxemburgers Jules Hoffmann aus Echternach mit einem Schlag verändert. Der Preis ist eine Würdigung seiner Forschung in Sachen angeborener Immunität. Aber er verwandelt auch sein Dasein als renommierter Wissenschaftler in das einer öffentlichen Person, die mit ihrer Forschung Medizingeschichte geschrieben hat. Und seine ursprüngliche Heimat kann sich auf die Fahne schreiben, dass seine Leidenschaft für die Phänomene der Natur ihren Ursprung in der Umgebung von Echternach hat.
Schicksalhafte Tage auf politischer Ebene: In Brüssel wurde der Euro hoffentlich endgültig vor dem Untergang gerettet, und Europa demonstrierte kurz vor High Noon bis auf eine unrühmliche Ausnahme eine Einigkeit, die viele Skeptiker nicht für möglich gehalten hatten. Damit hat die Währungsunion bewiesen, dass sie kurz vor dem Abgrund doch noch eine rettende Seilschaft bilden kann. Wie stabil diese ist, wird sie allerdings noch beweisen müssen. Schicksalstage auch im südafrikanischen Durban. Hier stand nicht nur die Zukunft einzelner Personen oder einer Währung zur Diskussion, sondern das Klima des gesamten Planeten. So unkonkret das Schluss-Statement auch ausgefallen sein mag, es bestärkt die Hoffnung, dass sich die Weltgemeinschaft angesichts einer bevorstehenden Klimakatastrophe doch noch dazu durchringen kann, zusammenzustehen und eine gemeinschaftliche Lösung der Probleme anzugehen.



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