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Stille Helden

Sechs Millionen TV-Zuschauer wollten dabei sein, als kürzlich die Bambi-Verleihung im deutschen Fernsehen übertragen wurde. Über den roten Teppich liefen an jenem Abend nicht nur Weltstars wie Justin Bieber und Lady Gaga, im Blitzlichtgewitter standen auch drei Menschen, die für das, was sie tun, normalerweise kaum Beachtung bekommen.

Stefan Bruhn arbeitet im Kinderhospiz in Hamburg. Birgit Martschin ist Ersatzmutter für Findelbabys. Leines Gaworski hat für kranke und behinderte Kinder ein Refugium geschaffen, in dem sie durchatmen können. Für dieses ehrenamtliche Engagement wurde das Trio als „Stille Helden des Alltags“ mit einem der wichtigsten Medienpreise ausgezeichnet – und rückte für ein paar Wimpernschläge in das Zentrum des Interesses.

Weitaus mehr Zeit nahm sich unlängst das Kulturmagazin „ttt – Titel Thesen Temperamente“, um die Journalistin Lydia Cacho und ihr Buch „Sklaverei – Eine Reise ins Zentrum des globalen Sexhandels mit Frauen und Mädchen“ vorzustellen. Unter Einsatz ihres Lebens hat die 1963 geborene Mexikanerin jahrelang „undercover“ in Argentinien, Israel und weiteren Ländern recherchiert – und herausgefunden, dass mit dem Verkauf von Menschen heute mehr Geld verdient wird als mit Drogen- und Waffenhandel. Was die Reporterin dabei am meisten entsetzt hat, ist die zynische Gleichgültigkeit, mit welcher einfach weggeschaut wird. Als sie vor acht Jahren ein Kinderpornographienetzwerk in ihrer Heimat aufdeckte, drohte ihr der angeklagte Sexmafiaboss öffentlich mit dem Tod. Lydia Cacho musste abtauchen, lebt seitdem ständig in Angst, wird eines Tages auch tatsächlich entführt, misshandelt und ins Gefängnis gesteckt – im Auftrag eines mexikanischen Gouverneurs. Nur durch Druck von Amnesty International kommt sie wieder frei. Spätestens in dem Moment hätte jeder dafür Verständnis gehabt, dass ihr der Mut ausgegangen wäre, doch so leicht lässt die Journalistin sich nicht einschüchtern. Stattdessen geht sie erneut in die Offensive, klagt gegen den Politiker, der sie hat verschleppen lassen.

Um einen positiven Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten, würde es genügen, anderen Menschen mehr Respekt entgegenzubringen.

Man muss nicht – wie Lydia Cacho es getan hat – nach Thailand reisen und sich dort als Prostituierte in ein Bordell einschleusen, um einen Skandal zu enthüllen. Man muss auch nicht einen Teil seiner Freizeit ehrenamtlich in Organisationen der Zivilgesellschaft investieren, wenn man dazu keine Lust hat. Um einen positiven Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten, würde es genügen, anderen Menschen mehr Respekt entgegenzubringen. Die zum Teil fremdenfeindlichen Aussagen in Bezug auf die leer stehenden Schulcontainer in Petingen, wo etwa 70 Asylbewerber einziehen sollen, gehen indes in die entgegengesetzte Richtung (siehe Reportage S. 16). Redaktionskollege Stefan Kunzmann hat mit betroffenen Flüchtlingen gesprochen. Viele haben zuvor unter noch unmenschlicheren Bedingungen leben müssen als in einem Container. Fakt bleibt, dass der Protest in Petingen, auch wenn er nicht direkt gegen die Asylanten, sondern gegen die Informations- und Verteilungspolitik des Ministeriums gerichtet war, mit sozialer Toleranz und Verantwortung nichts zu tun hat.

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