Editorial

Wehret den Anfängen

Kanaken nennt man die Geräusche, die eine Person von sich gibt, die sich bereits im fortgeschrittenen Stadium des Nazismus befindet. In Ermangelung eines Hirnes ist der Erkrankte nicht mehr in der Lage, mittels komplexer Sprache zu kommunizieren.“ So umschreibt die satirische Internet-Enzyklopädie Kamelopedia jenen Begriff, den man angewidert vermehrt auch in Luxemburg hört und liest, dort, wo sich die Frustschreiber braunen Anstrichs über Ausländer, Asylanten und Grenzgänger auslassen, in Internetforen und auf Facebookseiten.

Als neulich in Petingen eine Altkleidersammlung zugunsten bedürftiger Familien und der dort in Containern untergebrachten Asylbewerber organisiert wurde, schlugen aus besagten Reihen flugs die Wellen der Empörung mal wieder in Form der üblichen Hetztiraden hoch. Mit im gleichen Atemzug der ebenso üblichen wie verlogenen Floskel: „Ich bin deshalb noch längst kein Rassist.“ Was, bitte schön, seid ihr denn, ihr Fremdenfeinde? Oder seid ihr euch etwa wirklich noch nicht einmal bewusst, mit welch krimineller Energie ihr immer wieder eurem Hass Ausdruck verleiht? Was wiederum dennoch all die verbalen Entgleisungen nicht entschuldigt, mit denen ihr euch unter Gleichgesinnten gegenseitig hochschaukelt und auf die Schultern klopft. Genauso wenig wie die Angst vor einer ungewissen Zukunft, vor dem Damoklesschwert möglicherweise drohender Arbeitslosigkeit, vor Krise und Abstrichen beim eigenen Wohlstand es rechtfertigt, Andere, Fremde, zu Sündenböcken abzustempeln.

In Luxemburg darf kein Platz sein für Fremdenhass, weder latent noch offenkundig.

Schon gar nicht in einem Land wie Luxemburg, das seinen Reichtum seit gut einem Jahrhundert gerade auch ausländischen Zuwanderern verdankt, die, genau wie die Grenzgänger, auch heute noch unsere Wirtschaft überhaupt erst am Laufen halten. Einem Land, dessen Einwohner selbst im 19. Jahrhundert zu Zehntausenden Richtung Amerika auswanderten, flohen, um dort eine bessere Zukunft zu suchen. Einem Land schließlich, dessen Bevölkerung einst unter dem Joch der deutschen Besatzung und des Nazismus genug gelitten hat, als dass nun ähnliches Gedankengut auch nur den Hauch einer Chance haben darf, sich auszubreiten. Nein, in Luxemburg kann und darf kein Platz sein für Rechtsradikalismus, weder latent noch offenkundig. Auch und schon gar nicht unter einem falsch verstandenen Deckmantel der „freien Meinungsäußerung“. An der Politik, auch und vor allem der Justiz, dieser Art Treiben Einhalt zu gebieten. Und sich nicht durch Verharmlosung eines alles andere denn harmlosen Phänomens mitschuldig daran zu machen, wenn eines Tages auf Worte Taten zu folgen drohen und sich der braune Abschaum nicht mehr mit Schaumschlägerei begnügt.

Luxemburg ist seit jeher ein multikulturelles Land, gerade das macht seine Stärke, seinen Reichtum aus. Solidarität und bunt gemischtes Nebeneinander, aus dem im Laufe der Generationen bislang stets auf natürliche Weise ein harmonisches Miteinander erwuchs. Darauf sollten wir stolz sein und es pflegen. Gerade zur Weihnachtszeit, statt uns einzig an Lametta und Lichterketten zu ergötzen. Und auch bereit sein zu akzeptieren, dass es genau wie in den Reihen der „Stack-Lëtzebuerger“ auch bei den Fremden schwarze Schafe geben mag. Aber eben längst nicht nur!

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