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Gestalt verleihen

Bei den himmlischen neuen Wohntrends hat der Kunde die Qual der Wahl. Eine Entscheidung zu fällen, ist nicht leicht, die Designermöbel perfekt in die eigenen vier Wände zu integrieren schwieriger. Innenarchitektin Sandra Kapp bahnt Unschlüssigen den Weg aus dem Einrichtungsdschungel. (Text: Françoise Stoll / Fotos: Ute Metzger)

Trautes Heim, Glück allein – so das altbekannte Sprichwort. Bis aus einer frischbezogenen Wohnung ein schnuckeliges Zuhause wird, kann jedoch einige Zeit verstreichen. Ab und zu fehlt einfach das gewisse Etwas. Der Funke, der überspringt, wenn die Tür nach einem langen Arbeitstag ins Schloss fällt, die Füße hochgelegt werden und man spürt, dass man angekommen ist. Sandra Kapp, Innenarchitektin, dass es noch nie so wichtig war, schön zu wohnen, als im stressigen Alltag der Postmoderne. „Die Menschen sehnen sich nach einer Rückzugsmöglichkeit, einem Ausgleich. Mehr noch: nach ihrer eigenen Oase der Ruhe. Eine idyllische Wohlfühlatmosphäre wünscht sich jeder. Die Frage lautet, wie diese optisch umzusetzen ist. Die 38-Jährige nimmt diese Herausforderung tagtäglich an und zwar mit Freude. Sie verleiht zunächst unstimmigen, schwammigen Vorstellungen ein konkretes Gewand. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Schon als Kind ließ das Zeichnen Sandras Herz höher schlagen. Sie begleitete ihren Großvater häufig zum Bau. Mit eigenen Augen zu sehen, wie aus einem vermeintlichen Hirngespinst ein Entwurf und schließlich Realität wird, faszinierte sie damals wie heute. Ihr Sinn fürs Räumliche begleitete sie durchs Gymnasium, durchs Studium an der „Cambre“ in Brüssel und an der Hochschule in Trier. Zahlreiche Praktika und Berufserfahrungen führten sie nach London und ebneten ihren Weg wieder zurück ins Großherzogtum, wo sie unter anderem für „Casa Nova Contemporain“ tätig war. 2011 machte sie den entscheidenden Schritt und gründete ihre eigene Firma, die Familie stärkte ihr den Rücken.

„Betrachten, verinnerlichen, umsetzen – ich bin ununterbrochen am Entwerfen.“ Sandra Kapp, Innenarchitektin

Erstaunlicherweise hatte die Innendesignerin noch nie mit künstlerischen Blockaden und Krisen zu kämpfen. Auf Knopfdruck kreativ zu sein, ist ihr ein Leichtes. Ihr Geheimnis? Berufliches und Privates werden nicht klar getrennt. Selbst beim Restaurantbesuch oder im Urlaub scannt sie jeden Zentimeter ihres Umfelds und nimmt die verschiedenen Eindrücke wie ein Schwamm auf. „Betrachten, verinnerlichen, umsetzen – ich bin ununterbrochen am Entwerfen“, gesteht sie lächelnd.

Das nötige Input bekommt Sandra nicht zuletzt durch den Dialog mit ihren Kunden. Beim ersten Stelldichein hält sie sich deutlich im Hintergrund, hört ihren Klienten zu und lässt sich durch ihre Ideen anregen. Beim zweiten Treffen übernimmt sie oftmals die Rolle des Vermittlers. Wovon die Dame und der Herr des Hauses träumen, ist oft ganz unterschiedlich und nicht aufeinander abgestimmt. Eine Fußbodenheizung, ein Fitnessraum oder doch lieber eine Sauna? Werden die anfänglichen Differenzen beiseite geschafft, steht dem gemeinsamen Planen, einem äußerst dynamischen und spaßigen Prozess, nichts mehr im Weg. Ob es ums Umgestalten, das Möblieren des Wohnzimmers, die Sanierung des Bads oder die Renovation von ganzen Gebäuden geht – die Expertin rät zum Brainstorming und zum Festlegen der Prioritäten. Steht das gewünschte Einrichtungskonzept, sollte man diesem unbedingt treu bleiben und sich nicht länger durch andere Einflüsse durcheinanderbringen lassen.

Die zeitgenössische Innenarchitektur ist allgemein recht kühl. Große Zimmer und bodentiefe Fenster erfreuen sich großer Beliebtheit, tragen jedoch meist eine schlechte Akustik mit sich. Auch harte Materialien wie Stein und Glas lassen – ganz im Gegenteil zu Textilien und Stoffen – den Schall abprallen. In Verbindung mit dem frostigen Licht der LED-Lampen wird jegliche Andeutung von Atmosphäre zerstört. Dabei ist eine optimale Beleuchtung das A und O in Sachen Interieur und sollte bereits beim Haus- oder Wohnungsbau mit eingeplant werden. Mit dem nötigen Knowhow und ein wenig Distanz kann allerdings noch Einiges gerettet und ein gemütliches Ambiente gezaubert werden.

www.innenarchitektur.lu

Das Helferlein: Innenarchitektin Sandra Kapp steht Privatkunden wie Unternehmen zur Seite, um aus den Räumlichkeiten etwas ganz Besonderes zu zaubern. (Foto: Ute Metzger)

Das Helferlein: Innenarchitektin Sandra Kapp steht Privatkunden wie Unternehmen zur Seite, um aus den Räumlichkeiten etwas ganz Besonderes zu zaubern. (Foto: Ute Metzger)

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Author: Philippe Reuter

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