Gesundheit
Füßeln mit Nemo
01.02.2012, 12:21 –
Die Fisch-Pediküre liegt momentan voll im Trend. In Thailand, auf den Kanaren und in der Türkei sind diese tierischen Behandlungen sehr gefragt. Seit kurzem kann man auch in Luxemburg seine Füße von den kleinen Fischen anknabbern lassen.
Viel Spaß bei den Piranhas“, wünschen mir meine Kollegen lachend, bevor ich zur Fish Lounge in Belair fahre. Etwas mulmig ist mir schon zumute, obwohl ich weiß, dass diese kleinen Fische keine Zähne haben. Aber wer schön sein will, muss ja bekanntlich etwas dafür tun!
Lachend empfängt mich auch Sebastian Backes, der Inhaber der „Lounge“, die er erst vor ein paar Wochen eröffnet hat, und führt mich zu seinen kleinen, aber zahlreichen Helfern. Zwei große Becken aus Glas mit je 200 Fischen erwarten mich in einem modern eingerichteten Raum im Untergeschoss. Diese kleinen Tierchen, die rote Saugbarben (Garra rufa) heißen und zu der Familie der Karpfenfische gehören, stammen aus der Region Kangal in der Türkei. Das Wasser dieser Region ist sehr nährstoffarm, und so fingen die Fische an, auf die Menschen zuzuschwimmen und sie anzuknabbern.
Ehe ich meine Füße aber der tierischen Putzkolonne anvertraue, die sie von abgestorbenen Hautzellen befreien soll und so die Regeneration der Haut fördert, muss ich einen Fragebogen ausfüllen, denn Besucher mit Fußpilz, Neurodermitis oder offenen Wunden ist es nicht gestattet, die Becken zu benutzen. Dann bekomme ich einen Waschlappen, Badelatschen und ein Handtuch ausgehändigt und werde zur Dusche begleitet, wo ich mir die Beine und Füße gründlich unter klarem Wasser abwasche. „Die Saugbarben sind sehr anfällig in Sachen Seife oder Creme“, erklärt mir der Herr der Fische. Während ich mir die kleinen Tierchen etwas genauer ansehe und an meinen Goldfisch denke, der vor 20 Jahren das Zeitliche segnete, erzählt mir der 27-jährige Fitness-Ökonom, wie es zu dieser Geschäftsidee kam. Die Fisch-Pediküre hat Sebastian Backes zusammen mit seiner Freundin zum ersten Mal in Frankreich entdeckt und es hat ihnen auf Anhieb gefallen. Nach einer Reihe von Seminaren und Schulungen in Deutschland bestellte sich der Trierer dann bei einem Züchter seine neuen Mitbewohner.
Zaghaft lasse ich meine Füße in den 30 Grad warmen, mit Süßwasser gefüllten Tank gleiten, in dem sich 200 Tierchen tummeln – und lache lauthals los. Die Mini-Fische knabbern, kitzeln und saugen an meinen Zehen. Weh tut es nicht, unangenehm ist es auch nicht. Nur irgendwie komisch. Es prickelt zwischen den Zehen und die fleißigen „Doktor Fische“ leisten ganze Arbeit. Nach zehn Minuten habe ich mich an das Gefühl gewöhnt und schon kann das Interview weitergehen.
„Die Hygiene steht hier an erster Stelle“, versichert mir der junge Inhaber. Nach jeder Behandlung wird das Wasser frisch aufbereitet und die Fische haben eine halbe Stunde Ruhe. Fünf bis sieben Mal wird es durchgefiltert, frisches Wasser wird hinzugefügt und über den ganzen Tag werden Wasserproben genommen, damit Bakterien keine Chance haben. Denn den Besuchern sowie den Fischen soll es ja gut gehen. Vier Monate alt sind die Kleinen jetzt. Wenn sie zwischen fünf und sieben Zentimeter groß sind und zwei Jahre haben, bekommt Sebastian Backes wieder Jungtiere vom Züchter und gibt die älteren Fische zurück. Zweimal am Tag werden die Fische mit Spezialfutter gefüttert, da der kleine Snack zwischendurch nicht ausreicht. Wichtig ist es auch den Tag-Nacht-Rhythmus der geselligen Tiere zu berücksichtigen. So wird eine Stunde nach der Fütterung am Abend das Licht ausgemacht. Wieder denke ich an meinen geliebten Goldfisch, der einsam seine Runden in seinem Aquarium drehte. Aber die Größe des Beckens scheint die Fische nicht zu stören. Auch nicht ihre Anzahl. Je zahlreicher sie in einem Becken sind, desto aktiver scheinen sie.
Nach einer halben Stunde ist die tierische Behandlung vorbei und ich nehme meine Füße wieder aus dem Becken. Angenehm weich fühlen sie sich an, irgendwie leichter. Es wird vermutet, dass die Fische beim Saugen ein Sekret absondern, das die Haut glättet und geschmeidig macht. Durchblutungsfördernd soll die Fisch-Pediküre auch sein. „Nach drei bis vier Behandlungen spürt man den Unterschied natürlich besser“, erklärt Sebastian Backes, der seine Füße auch gerne anknabbern lässt. Ich bin jetzt schon überzeugt. Gut gelaunt ziehe ich wieder die dicken Strümpfe und Stiefel an und mache mich auf den Weg ins Büro. Fazit: Prickelnde Wellness mit hohem Gute-Laune-Faktor, also genau das Richtige für die grauen Wintertage.
Fish Lounge, 42, rue Jean Bertels in Luxemburg-Belair, geöffnet Mo - Fr zwischen 12 und 18 Uhr, samstags zwischen 10 und 14 Uhr, Tel.: 691 25 64 86, www.fishlounge.lu. Preis pro Behandlung: 29 Euro.



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