Gesundheit

Gruß an die Sonne

Im Einklang mit sich selbst – das ist das Ziel beim Yoga. Es beinhaltet bewusste Sinneswahrnehmung, Entspannung, Körper- und Atemübungen. Eine fernöstliche Lehre, die auch hier voll im Trend liegt.

 Erst durch Yoga hat mir mein Körper wirklich gehört“, schwärmt das ehemalige Topmodel und die zweifache Mutter Christy Turlington in einem Interview. Die Popdiva Madonna preist Yoga sogar als eine Metapher für das Leben an: „Ein Workout für Geist, Körper und Seele.“ Auch die Sängerin Pink kann sich dem angesagten Virus nicht entziehen und praktiziert es schon seit Jahren täglich 60 Minuten lang. Zu den anderen prominenten Bekehrten gehören unter anderem Sting, Sarah Jessica Parker, Cameron Diaz, Meg Ryan und Daniel Craig. Kein Zweifel: Yoga boomt und boomt. Und das in allen Variationen und auf allen Kontinenten. Ob Accessoires, Bücher, DVDs, Messen oder Reisen – die fernöstliche Wissenschaft ist inzwischen ein gigantisches Massengeschäft. Was auch beweist, dass die gängigen Vorurteile, Yoga machen nur eingefleischte Esoterikfreaks, spirituelle Räucherstäbchenfanatiker oder Faule, die keinen echten Sport vertragen, längst ausgedient haben.

Der Körper wird gestrafft und beweglicher, mit mehr Energie versorgt, das Gemüt wird ausgeglichener und Yoga tut sogar Depressiven gut.

„Ich bin vor rund 20 Jahren aus Neugier zum Yoga gekommen. Meine Freundin war Yogalehrerin und hat mich mitgenommen“, erzählt Pia Michels. Die 49-Jährige aus Düdelingen ist anfangs etwas skeptisch. „Ich habe gedacht, dass ich als etwas Üppige diese Verrenkungen für Dünne und Superbiegsame nie hinbekommen werde“, schmunzelt die Direktionsassistentin des Zitha-Gesondheetszentrums. Doch je länger sie dabei bleibt, desto besser wird auch ihre körperliche Beweglichkeit. „Die Atmung, die ich damals in den Kursen gelernt habe, bringt mir noch heute im Alltag viel“, sagt sie begeistert. Ein Besuch beim Zahnarzt mit einer schmerzhaften Behandlung würde sie dank der erlernten tiefen Bauchatmung heute nicht mehr so schnell aus der Bahn werfen. Auch bei Stresszeiten im Büro hilft ihr die Atmung, sich wieder zu entspannen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Yoga, Sanskrit für „Harmonie“ und „Einheit“, ist ein Übungssystem, das sich in Indien vor über 5.000 Jahren entwickelt hat. Die Grundidee: Wenn der Körper beweglicher wird, erlebt der ganze Mensch auch mehr geistige Beweglichkeit, wird ausgeglichener, ruhiger und friedvoller. Die speziellen Körperübungen – so genannte Asanas – können den Körper im Liegen, Sitzen und Stehen geschmeidig machen und dabei gleichzeitig Geist und Seele erfrischen. Viele Asanas tragen Tiernamen oder Namen von Erscheinungsformen der Natur, wie zum Beispiel der Fisch, der Baum oder die Krähe. Bei diesen Übungen wird eine bestimmte Stellung eine Zeit lang gehalten. Dass Yoga tatsächlich wirkt, belegen auch immer wieder neue wissenschaftliche Studien: So hilft es bei Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, lindert Rückenschmerzen und Schlaflosigkeit, verbessert die Lebensqualität von chronisch Magenkranken und Brustkrebs-patientinnen, wirkt sich positiv bei Blutfettwerten, Bluthochdruck, Gefäßverengungen, Arthrose, Arthritis oder Diabetes aus, harmonisiert das Hormon- und das vegetative Nervensystem. Zudem wird der Körper gestrafft und beweglicher, mit mehr Energie versorgt, das Gemüt wird ausgeglichener und Yoga tut sogar Depressiven gut. Noch ein Plus: Es ist für jeden geeignet. Das Alter spielt keine Rolle. Und alles, was man dazu braucht, ist eine Matte, bequeme Kleidung, einen Lehrer oder zumindest eine gute DVD.

„Yoga ist für mich ein Lebensweg, eine Art Philosophie. Und keine Sportart“, stellt Malou Schleimer klar. Anders wie Pia Michels kommt die 40-Jährige vor über zehn Jahren über ihren Beruf, sie ist ausgebildete Profitänzerin für klassisches Ballett und zeitgenössischen Tanz, mit der indischen Lehre in Kontakt. Schließlich hätten viele Lehrer schon damals einige Elemente des Yoga in ihre Kurse integriert. „Aus Interesse habe ich vor Jahren in Walferdingen einen Kurs besucht. Ich war sofort begeistert von der Ruhe, die Yoga in mir auslöste. Dadurch bin ich viel ausgeglichener geworden“, erläutert sie. Nach verschiedenen Tanzengagements im Ausland und ihrer anschließenden Lehrtätigkeit am hauptstädtischen Conservatoire entschließt sich die junge Frau plötzlich, dem Tanzen den Rücken zu kehren und einen beruflichen Neuanfang zu wagen. „Das war eine Bauchentscheidung. In den Yogakursen habe ich sofort gespürt, dass das mein neuer Weg ist. Deshalb habe ich mich auch zur Yogalehrerin ausbilden lassen“, berichtet die durchtrainierte Luxemburgerin. Inzwischen ist Malou Schleimer längst diplomierte Yogalehrerin für Sivananda, eine Richtung, die bestimmte Körper-, Atem- und Entspannungsübungen mit positivem Denken und Meditation kombiniert. Mehrmals in der Woche gibt sie heute selbst Yogakurse mit verschiedenen Schwerpunkten und für unterschiedliche Niveaus im hauptstädtischen Zitha-Gesondheetszentrum. Eine andere Fortbildung läuft momentan noch, denn jeder der Yoga ernsthaft betreibt, muss sich ständig weiterbilden. Wie erklärt sie sich selbst die aktuelle Yogaisierung? „Viele Menschen sind in unserer heute recht stressigen Zeit auf der Suche nach Ruhe, Entspannung und Ausgeglichenheit. Andere machen es, weil es gerade angesagt ist. Da die Bedeutung und der Einfluss der Kirche allgemein weniger werden, leben einige Teilnehmer auch im Yoga ihre Spiritualität aus.“

Doch es gibt hierzulande auch einen kritischen Aspekt – vor allem, was die Kurzausbildung für Yogalehrer in nur wenigen Wochen angeht. Laut Sylvie Tescher, Präsidentin der „Fédération Nationale des Ecoles Luxembourgeoises de Yoga“, sei ein solch schneller Lehrgang mit Abschlusszertifikat unseriös. Wer guten Unterricht will, rät Tescher, soll sich vorher genau informieren, zum Beispiel beim hiesigen Verband. Derzeit sind insgesamt 24 diplomierte Yogalehrende im Großherzogtum tätig, die alle über mindestens vier Jahre fachspezifische Aus- und Weiterbildung verfügen. Gerade in einigen Fitnesscentern im Land werde häufig unprofessionelles Yoga angeboten nach dem Motto höher, schneller, weiter, was der Grundidee der indischen Lehre absolut zuwiderlaufe, mahnt die Vorsitzende.

Übrigens: Der deutsche Yogapapst Dr. Patrick Broome hat nicht nur Stars wie Madonna und Sting mit Yoga fit gemacht. Was viele nicht wissen – die Fußballspieler der deutschen Nationalmannschaft sind vor Jahren „in den Hund gekommen“ und rollen bei ihm regelmäßig ihre Matte aus. Ob die Luxemburger Jungs von Luc Holtz auch schon das fernöstliche Om-Fieber gepackt hat, ist leider nicht überliefert.

Weitere Infos zu Yogakursen: www.yoga-federation.lu und www.zitha.lu

Kleines Yoga-ABC

Asana In Yoga-Schulen werden Asanas, also Körperhaltungen, in zahlreichen Übungsstilen unterrichtet. Viele der Asanas haben ihre Namen von Tieren wie „Hund“, „Kobra“ oder „Krähe“ oder deren Bewegungen, andere heißen nach der Bewegung, die ausgeführt wird.

Ashtanga-Yoga Eine kraftvolle, dynamische Form des Hatha-Yoga. Es geht um körperliche Fitness und das Abstimmen der Bewegung mit dem Atem. Mehrere Asanas werden meist ohne Unterbrechung nacheinander ausgeführt. z Bikram-Yoga Eine Form des Hatha-Yoga, die aus 24 Übungen sowie zwei Atemübungen besteht und die in einem 38-40 Grad warmen Raum praktiziert wird.

Chakra Im Yoga bezeichnet man die Organe und ihre Funktionen als den physischen, grobstofflichen Körper. Für manche Yoga-Traditionen gibt es zudem einen feinstofflichen, unsichtbaren Körper. Chakren sind Teil dieses Konzepts als Zentren der Lebensenergie. Es gibt insgesamt sieben Energiezentren.

Hatha-Yoga Eine Yogaform, die im Westen am häufigsten praktiziert wird. Die vielen Körperübungen gelten als Werkzeuge, um alles, was im Körper aus dem Gleichgewicht geraten ist, wieder ins rechte Lot zu bringen. Dieses wird durch Atemübungen, Körperhaltungen und Entspannungsübungen mittels Meditation erreicht.

Iyengar-Yoga Eine kraftvolle, körperliche Yogarichtung, bei der viel Wert auf exakt vorgegebene Körperhaltungen gelegt wird. Typisch ist die Verwendung von Hilfsmitteln wie Kissen, Bänke, Klötze, Gurte etc.

Kundalini-Yoga Es geht hier um die Anregung und Verstärkung jener Energie, die als Becken bzw. am unteren Ende der Wirbelsäule ruhend angesehen wird. Dies wird durch intensive Atemübungen, Körperhaltungen, reinigende Übungen und Meditation erreicht.

Lotussitz Auf dem Boden sitzen, die Beine verschränken, den rechten Fuß auf den linken Oberschenkel und die Ferse so nah wie möglich an den Beckenknochen und dasselbe umgekehrt – das ist der Lotussitz. Er gilt zusammen mit dem Kopfstand als typischste Asana und ist die optimale Sitzhaltung für die Meditation. Einfachere Alternative: Schneidersitz oder das Sitzen auf den Fersen oder einem Kissen.

Mantra Das „Om“ ist das bekannteste Mantra. Die Silben und Worte aus dem Sanskrit werden gesprochen oder gesungen und mehrfach wiederholt. Sie unterstützen die Meditation und sollen Körper und Geist mit frischer Energie aufladen.

Mudras Haben die Funktion, auf den Organismus positiv zu wirken. Die „chinmudra“ (Zeigefinger und Daumen zusammen, Hände liegen auf den gekreuzten Beinen) soll den Energiefluss begünstigen. Die rechte Handfläche in der auf den gekreuzten Beinen liegenden Linken charakterisiert den Meditierenden („dhyanamudra“). Die „vishnumudra“ (Zeige- und Mittelfinger zur Handfläche) wird bei Atemübungen eingesetzt.

Namaste Eine Grußformel und Grußgeste im indischen Kulturkreis, die etwa „Ich grüße das Göttliche in mir“ bedeutet. Beide Handinnenflächen werden in die Nähe des Herzens zusammengeführt, an die Brust geführt und mit einer Verbeugung begleitet.

Power-Yoga Eine aus den USA entwickelte Richtung, die aus dem alten Ashtanga-Yoga abgeleitet ist. Zusätzlich werden Elemente aus anderen Yoga-Richtungen einbezogen. Meist in Fitnesscentern praktiziert, enthält nur physische Elemente.

Pranayama Diese Atemübungen des Yoga können helfen, zum natürlichen Atmen zurückzufinden. Zuerst geht es darum, den eigenen Atem zu beobachten, später wird er bewusst gelenkt.

Sivananda-Yoga Dieser Yogaform liegt ein 5-Punkte-Prinzip zugrunde: richtige Körperübungen, richtige Atmung und richtige Entspannung kombiniert mit richtiger Ernährung sowie positivem Denken und Meditation.

Gesundheit

Gruß an die Sonne

Anje Kirsch, Zitha-Gesundheetszentrum

Yoga: Eine fernöstliche Lehre liegt im Trend.

Anje Kirsch, Zitha-Gesundheetszentrum

Zum Wohlfühlen: Die Yogaübung „Baum“ stärkt den Gleichgewichtssinn, verbessert die Haltung und festigt den Körper.

Anje Kirsch, Zitha-Gesundheetszentrum

Zum Regenerieren: Yogalehrerin Malou Schleimer korrigiert die Teilnehmer beim Schulterstand, auch Kerze genannt. Die Übung hat eine harmonisierende Wirkung auf den gesamten Körper.

Anje Kirsch, Zitha-Gesundheetszentrum

Pia Michels, Yogaanhängerin: „ Die Atmung, die ich damals in den Kursen gelernt habe, bringt mir noch heute im Alltag viel.“

Anje Kirsch, Zitha-Gesundheetszentrum

Anje Kirsch, Zitha-Gesundheetszentrum

Anje Kirsch, Zitha-Gesundheetszentrum

DVD-Tipp: Susanne Fröhlich, Yoga macht Fröhlich, DVD, ca. 15 Euro im Fachhandel erhältlich.

Anje Kirsch, Zitha-Gesundheetszentrum

Buchtipp: Susanne Fröhlich, Der Hund, die Krähe, das Om und ich! Mein Yoga-Tagebuch, ISBN: 978-3833824982, ca. 17 Euro, im Buchhandel erhältlich.

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