Home » Politik & Wirtschaft » Editorial » Gewinner und Verlierer

Gewinner und Verlierer

„I love taking bad deals and make them good“. Nur eine von Hunderten Aussagen, die der aktuelle US-Präsident getätigt hat, um zu versuchen, sich als omnipotenten Macher des US-Handels samt dessen globalen Auswirkungen zu inszenieren. Doch bei genauerem Hinsehen wird aus Donald Trumps vermeintlichem Steckenpferd nichts anderes als ein weiterer Beweis dafür, dass auch rund 600 Tage nach seinem Amtsantritt die blondierte Föhn-Tolle vor allem in einer Sache Weltklasse ist: der Unberechenbarkeit.

Seit Trump Anfang Juni damit begonnen hat, die Regeln der Welthandelsorganisation zu brechen und Strafzölle auf verschiedene Produkte zu erheben, eskaliert der Handelskrieg zwischen den USA und dem Rest der Welt. Ganz besonders im Fokus der trumpschen Aufmerksamkeit steht China. Und je weiter Trump an der Daumenschraube im Handel mit dem „Reich der Mitte“ dreht, umso heftiger wird die Kritik im eignen Land, wo mit fast beängstigender Regelmäßigkeit Wirtschaftsverbände vor einer weiteren Eskalation warnen. Vor allem, weil die US-Wirtschaft unter übertriebenen Strafzöllen gegenüber Produkten aus China selbst leiden würde. Dass Trump auf diesem Auge blind ist und er gebetsmühlenartig das Handelsdefizit der USA gegenüber China ins Spiel bringt, um seine Vorgehensweise zu begründen, zeigt, dass er vor allem eines ist, nämlich beratungsresistent.

Es ist ungewiss, wer dieses Kräftemessen zwischen den beiden globalen Handelsmächten gewinnen wird.

Dabei ist ungewiss, wer dieses Kräftemessen zwischen den beiden globalen Handelsmächten gewinnen wird. Es sieht so aus, als würde Donald Trump und damit Amerika am längeren Hebel sitzten. Denn China scheint relativ wenig gegen steigende amerikanische Zinsen (gleichbedeutend mit dem Rückzug von Kapital und Investoren aus dem Land) und Zöllen tun zu können. Doch sollte Chinas Wirtschaft wirklich drastisch einbrechen, wird dies dramatische Folgen für die Weltwirtschaft und damit auch für die amerikanische haben. Das scheint Trump allerdings nicht großartig zu stören, denn sein Ziel ist glasklar: die Position der USA als Nummer eins der Weltwirtschaft längerfristig abzusichern. Egal, welchen Preis es dafür zu bezahlen gilt. Mit dieser Vorgehensweise würde sein Leitspruch „Make America great again“, welcher ihm vor allem im arg gebeutelten „Rust Belt“ viele Wähler einbrachte, zumindest für eine gewisse Zeit Realität.

Und da ist der springende Punkt, denn selbst wenn viele Wirtschaftsexperten sich einig sind, dass der amerikanische Protektionismus allenfalls einen kurzfristigen Nutzen zeigen wird, so könnte die Rechnung für Trump in Sachen Wiederwahl durchaus aufgehen. Die nächsten Präsidentenwahlen stehen im November 2020 an, und es ist stark anzunehmen, dass der aktuelle US-Präsident sich zuerst parteiintern gegen ein ziemlich starkes Kandidatenfeld für den Posten des republikanischen Kandidaten durchsetzen muss. Und wie könnte er in den eigenen Reihen besser punkten, als mit einer (wenn vielleicht auch nur vorübergehend wiedererstarkten) Wirtschaft? Denn eins dürfte schon jetzt ziemlich klar sein: Sein zweites großes Wahlversprechen – den Bau einer Mauer zwischen dem südlichen Nachbarn Mexiko und den USA – dürfte bis dahin vor allem aus Kosten- und Zeitgründen kaum in die Realität umgesetzt worden sein.

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

Teilen ...Email this to someoneShare on Google+Print this pageTweet about this on TwitterShare on Facebook
Author: Martine Decker

Login

Lost your password?