Home » Home » „Gleef net alles, wats de um Internet lies“

„Gleef net alles, wats de um Internet lies“

Ob Fake-Profil von Finanzminister Gramegna oder ein Foto, das die vermüllte Kinnékswiss nach einem „Youth for Climate“- Protest zeigen soll: Auch in Luxemburg tauchen immer häufiger desinformative Meldungen in sozialen Netzwerken auf. Die Kampagne „checkyourfacts“ soll nun für Aufklärung sorgen.

Fast könnte man meinen, das bunte Plakat mit dem Aluhut-Träger, dem Ufo, dem Geldschein und dem Affen richte sich nur an Kinder oder Jugendliche. Dem ist aber nicht so. „Erwachsene fallen ebenso oft auf Falschmeldungen rein“, erklärt Carmen Michels, Sprecherin bei BEE SECURE. Erschreckend ist etwa die folgende Bilanz: Sechs von zehn Meldungen werden auf Facebook geteilt – obwohl nicht der Text, sondern nur der Titel gelesen worden ist. Aus diesem Grund hat BEE SECURE, gemeinsam mit dem Zentrum für politische Bildung, eine Kampagne gestartet. Checkyourfacts heißt die und trägt den Untertitel: „Gleef net alles, wat um Internet steet“.

„Wie groß der Einfluss der Desinformationen auf die Meinungsbildung wirklich ist, ist schwer zu messen“, erklärt Carmen Michels. Dennoch wurden, um nur ein paar wenige zu nennen, im Rahmen von Wahlkampfkampagnen wie etwa Donald Trump und Jair Bolsonaro Manipulationen eingesetzt. Die meisten irreführenden Nachrichten übrigens, so Michels weiter, sind im rechtspopulistischen Raum zu verorten – nachweislich.

Doch halten wir zunächst einmal fest, was Desinformationen eigentlich sind. „Es handelt sich hierbei um nachweislich irreführende und vor allen Dingen vorsätzliche Meinungsmache, die Schaden anrichten soll“, so Carmen Michels. Ok, hier handelt es sich um Fake News. Oder? „Ja, eigentlich schon. Wir sprechen aber ganz bewusst von Desinformationen und nicht von Fake News. Einfach, weil der Begriff Fake News zu häufig vorkommt. Letztere können nämlich auch entstehen, wenn Journalisten etwa ein Fehler beim Schreiben unterläuft. Ungewollt, wohlgemerkt. Desinformationen“, so die Mitarbeiterin von BEE SECURE „gehen immer mit Intentionen einher“. Diese Begriffe sollte man deswegen eigentlich voneinander abgrenzen.

Was dennoch ein schwieriges Unterfangen ist. Denn: Von falschen Zitaten, die Politikern in den Mund gelegt werden oder aus dem ursprünglichen Kontext gerissen sind über Verschwörungstheorien und die Umdeutung realer Ereignisse bis hin zur freien Erfindung von falschen Informationen: Die Palette an irreführenden Methoden ist weit gefächert, die Grenzen zudem nicht immer klar erkennbar. Ganz zu schweigen von Filterblasen und Algorithmen, die eh nur das anzeigen, was zum Weltbild des Nutzers passt.

Doch wie kann man nun vorgehen, um zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden? BEE SECURE weiß es:

  • Zunächst einmal sollte man nachsehen, wer hinter der betreffenden Nachricht steckt. Welche Intentionen könnte diese Person, diese Seite haben? „Meist stecken hinter Desinformationen politische, wirtschaftliche, psychologische oder aber soziale Intentionen“, erklärt die Sprecherin.
  • Ist man sich ob des Wahrheitsgehaltes nicht sicher, sollte man auf anderen Seiten, wie Online-Zeitungen oder Wissenschafts-Portalen, recherchieren – und die Meldung dann mit diesen Ergebnissen vergleichen. „Denn oft, so Michels, haben Menschen die Tendenz, auf einer Seite zu verweilen, statt sich auf mehreren Ebenen zu informieren.“
  • Es wird auch davon abgeraten, Meldungen weiterzuleiten oder zu teilen, wenn man nicht ganz sicher ist, dass diese der Wahrheit entsprechen. Andere Nutzer auf Falschmeldungen aufmerksam machen, könnte eine weitere Hilfestellung sein, um diesen Tendenzen Einhalt zu gebieten.
  • Orientieren kann man sich übrigens an Onlineseiten, die sich dem Kampf gegen Desinformationen verschrieben haben, etwa Mimikama, Correctiv, Hoaxmap, Politifact oder Snopes. Entdeckt man eine Nachricht, die wie eine Desinformation wirkt, sollte man diese bei, etwa den oben erwähnten, Faktchecking-Seiten, melden. Das geht entweder per Email (z.B. bei Correctiv) oder eigens dafür eingerichtetem Meldeformular (z.B. bei Mimikama). Weil bei Jugendlichen – aufgrund mangelnder Erfahrung – die Fähigkeit, Informationen richtig einzuordnen oft noch nicht zu 100 Prozent gegeben ist, sollten Eltern ein Auge auf ihre Kinder werfen. Verschwörungstheorien zum Beispiel können auf junge Menschen sehr anziehend wirken. Was Eltern nun dagegen tun können? Ganz einfach: Reden, reden, reden. Und zwar über den Medienkonsum. Den Kindern erklären, dass Meinungsvielfalt und Medienpluralität wichtig sind, sie nicht alles immer sofort glauben sollen. Und das Allerwichtigste: Den gewissenhaften Umgang mit Informationen vorleben.

Bee-Secure bietet Medien-Sensibilisierungskurse in Grundschulen und Lyzeen an, welche auf den 7èmes sogar Pflichtveranstaltungen sind Insgesamt haben im vergangenen Jahr 400 Grundschüler und 436 Lyzeumschüler an diesen teilgenommen.

Text: Cheryl Cadamuro / Plakat: BEE SECURE

Author: Philippe Reuter

Login

Lost your password?