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Guadeloupe mon amour

Es gibt Flecken auf unserer Erde, die man unbedingt gesehen haben muss. Glücklicherweise gibt es aber auch die „Coups de coeur“, die man einmal erlebt, ins Herz schließt und dann nie wieder vermissen will.

Text und Fotos: Gaston Zangerlé (gast.zangerle@revue.lu)

ür mich war das vor 27 Jahren die französische Karibikinsel Guadeloupe. In meinen mittlerweile 40 Aufenthalten auf Karukéra – der Insel der schönen Wasser, wie die indianischen Urbevölkerungen die Insel nannten – hat dieser kleine Flecken Erde mich so geprägt, dass ich mich wahrhaftig in ihn verliebt habe.

Mehrere Jahre lang hegte ich den Wunsch, einmal meine Leidenschaft für Guadeloupe, das französische Übersee-Departement, mit einem breiteren Publikum zu teilen. Vor ein paar Wochen war es dann soweit. Zusammen mit revue und ULT organisierte ich als Reiseleiter meine erste Reise mit einer Gruppe von 31 Menschen auf der Insel.

Nach etwa achteinhalb Stunden Flug betreten die Touristen aus Luxemburg – die meisten zum ersten Mal – „guadeloupischen“ Boden. Erster Eindruck: feucht und warm, doch wegen des leichten Windes ein recht gut zu ertragendes Klima. Das Hotel in Le Gosier findet Gefallen, so dass wir tags darauf mit unserem Besichtigungsprogramm loslegen können.

Rachel, die lokale Reiseführerin, findet gleich den richtigen Ton, um die Gruppe ab den ersten Minuten aus ihrer natürlichen Zurückhaltung zu locken. Viele sind erstaunt, dass Rachel gleich jeden mit „du“ anredet. Ich erkläre, dass das hier ganz normal ist, und dass jeder ohne weiteres seine Gesprächspartner duzen darf.

Guadeloupe besteht aus zwei großen Teilen, der Grande-Terre, eher flach und erschlossen, und der Basse-Terre, gebirgig und wild. Wir haben uns entschieden, an den beiden ersten Tagen auf Grande-Terre zu bleiben. Hier gibt es außer den beliebten Touristenorten Le Gosier, Sainte-Anne und Saint-François hauptsächlich Zuckerrohr. Der Zucker bestimmt seit Jahrhunderten das Leben der Guadeloupe, so ist die Besichtigung der ehemaligen Zuckerfabrik Beauport, die zum Freilichtmuseum umgestaltet wurde, eines der Hauptziele des ersten Tages. Besonders die Fahrt mit der kleinen Schmalspurbahn inmitten der weiten Zuckerplantagen kommt bei unserer Gruppe gut an.

Bevor es dann zum Highlight für die Fotoamateure – die abrupt ins Meer fallenden Felswände der „Pointe de la Grande Vigie“ – kommt, nehmen meine Gäste zum ersten Mal außerhalb des Hotels Kontakt mit der lokalen kreolischen Küche auf. Ein Must zu Beginn eines jeden Mittagsessens ist der Aperitif, oder besser ausgedrückt: der Rum. Ob als Ti-Punch oder als Punch Planteur – es gibt keinen in der Gruppe, der nicht nach dem ersten Tag das Ritual des Punch-Zubereitens beherrscht, und besonders den ausgezeichneten „Rhum agricole“ von Guadeloupe nicht zu schätzen gelernt hätte.

Die Grande-Terre verbirgt viele andere Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel die „Pointe des Châteaux“, das felsige Ende der Grande-Terre, von wo aus man die kleine, zur Guadeloupe gehörende Insel „La Désirade“ sehen kann. Désirade ist unter anderem die Wiege des einstigen französischen Fußballweltstars Thierry Henry. Übrigens geht die Dichte an Spitzensportlern, welche das kleine knapp vierhunderttausend Seelen zählende Departement hervorgebracht hat, fast ins Unendliche: Außer Henry sind dies unter vielen anderen Marius Trésor, Lilian Thuram (Fußball), Laura Flessel (Fechten), Roger Bambuck, Christine Arron, Marie-Josée Pérec und Muriel Hurtis (Leichtathlitik), Jean-Marc Mormeck (Boxen), Teddy Riner (Judo), Grégory Baugé (Radsport) u.v.a.m.

Ein Must zu Beginn eines jeden Mittagsessens ist der Aperitif, oder besser ausgedrückt: der Rum.

Guadeloupe zeichnet sich aus durch seine große Gastfreundlichkeit, seine Sportbegeisterung, seine Zouk-Musik, aber vor allem durch seine natürliche Schönheit. Und genau dieser Schönheit der Natur begegnet man auf der Basse-Terre, der anderen Hälfte der Insel. Meine persönlichen Aufenthalte spielen sich mit wenigen Ausnahmen alle auf der Basse-Terre, einem der größten Naturparks Frankreichs, ab. Im Hintergrund das Gebirge vom tropischen Regenwald umhüllt, sowie dem immer noch aktiven Vulkan „La Soufrière“, im Vordergrund unendlich schöne Strände, die meisten wild und nie mit Touristen übersäht, und das Ganze umgeben von einem angenehm warmen Meer (Atlantik und Karibische See), in dem man beim Schnorcheln zwischen Felsen und Korallen Fische, Schildkröten und Langusten beobachten kann.

Schon in den späten Fünfzigern ließ sich der bekannte Meeresforscher Jacques Cousteau von der Schönheit der Meeresgründe um die Insel Guadeloupe begeistern und forderte die Entstehung eines Naturreservats im Meer, die heutige Réserve Cousteau bei Malendure. Mittlerweile ist die Plage de Malendure mit dem dazugehörenden Ilet Pigeon bei den Touristen sehr beliebt, und daher auch ein viel besuchter Ort. Wer es lieber unberührter mag, findet ohne Weiteres schnell in den vielen kleinen Buchten der Côte-sous-le-vent, wie diese Seite der Basse-Terre heißt, mehr als einen ebenbürtigen Ersatz.

Drei unserer Tagesausflüge führen folglich an die Côte-sous-le-vent. Nebst der Besichtigung der Réserve Cousteau verbringen wir einen Tag lang auf kleinen Booten in dem Grand-cul de sac-marin, ein Eldorado für Naturliebhaber. Zwischen dem Korallenriff und dem Festland verteilen sich über eine Fläche von mehreren Quadratkilometern kleine Inseln (Ilets) und Sandbänke, zwischen denen sich eine einzigartige Fauna befindet. Hier sind Maske und Schnorchel ein Must, denn wer in diesem Teil der Guadeloupe den Kopf nicht unter Wasser taucht, ist selbst schuld.

Zum Grand-cul de-sac-marin gehören ebenfalls die Mangroven, ein unter Naturschutz stehendes Sumpfgebiet, eigentlich die Schnittstelle zwischen Meer und Land, in dem sich ein besonders eigenartiges Biotop entwickelt hat. Die Mangroven dienen unter anderem auch als natürlicher Schutz des dahinterliegenden Landes bei Tropenstürmen. Für unsere Gruppe bedeutet dieser Tag auf dem Meer etwas ganz Besonderes, nicht zuletzt weil das typisch kreolische Mittagessen auf einem kleinen Eiland „les pieds dans l’eau“ stattfindet.

Zu den obligaten Ausflügen an die Côte-sous-le-vent gehört mittlerweile auch die Ortschaft Deshaies. In der Tat, dadurch dass Deshaies Bilderbuchcharakter hat, wird dort seit Jahren die bestbekannte Kriminalreihe „Meutre au paradis“ (Mord im Paradies) gedreht. Im Regenwald gibt es unzählige Wasserfälle, manche „erkämpft“ man sich mit stundenlangen Strapazen durch den tropischen Wald bergauf und bergab, andere sind dagegen leicht von der Straße aus zu erreichen. Was wäre also eine Reise nach Guadeloupe, ohne mindestens einen Ausflug in den Wald, am liebsten an einen paradiesischen Wasserfall, zu unternehmen? An zwei Tagen heißt es daher: Wanderschuhe an, Wasserflasche und Müsliriegel ins Handgepäck und ab in den Wald.

Am meisten besucht werden die Chutes du Carbet. Der Wasserlauf Carbet entspringt in 1.300 Metern Höhe. Die erste „Chute“ misst 115 Meter, die zweite 110 und die dritte 20. Die zweite erreicht man über einen mehr oder weniger einfachen Wanderpfad. Diese haben wir uns für unseren Ausflug ausgewählt. Doch leider kommen wir nur bis auf hundert Meter an den Wasserfall heran, weil wegen der beiden Hurrikane Irma und Maria, die einen Monat vorher auf den kleinen Antillen gewütet haben, die Stelle noch nicht abgesichert ist. Noch regelmäßig zieht das Wasser schwere Steinbrocken mit in die Tiefe.

Die Basse-Terre beherbergt außerdem noch viele andere Orte, denen es an Attraktivität nicht fehlt, wie zum Beispiel den Vulkan La Soufrière im Süden der Insel, den man als Sportler an einem Morgen erklimmen kann, oder den Markt von Basse-Terre (Stadt), viele interessante Rumbrennereien, die Maison du Cacao und vieles anderes mehr. Verschiedene dieser erlebenswerten Orte können wir denn auch besuchen, doch man bräuchte ein ganzes Jahr, um alles gründlich zu erkunden.

Zum Departement respektive zur Region Guadeloupe gehören des Weiteren im Norden die kleineren Inseln Saint-Martin und Saint-Barthélémy, sowie unweit der Hauptinsel La Désirade, Les Saintes und Marie-Galante. Wir nehmen die Fähre und erreichen nach einer Stunde Fahrt übers Meer die „Grande Galette“, wie Marie-Galante wegen ihrer scheibenförmigen Form noch genannt wird.

Auf Marie-Galante scheint die Zeit vor dreißig Jahren stehengeblieben zu sein. Die Einwohner leben ausschließlich vom Zuckerrohranbau und von der Fischerei. Die Einfachheit des Lebens an diesem Ort hat bewirkt, dass die Natur einfach paradiesisch geblieben ist. Man kann dort über kilometerlange Strände laufen, ohne dass man außer Pelikanen eine einzige Seele antrifft. Man fühlt sich in eine Postkarte hinein gezaubert.

revue organisiert im nächsten November wieder eine Reise nach Guadeloupe.

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Author: Martine Decker

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