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Haariges Problem

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners sind aktuell wieder in aller Munde, vor allem weil die Brennhaare der Raupe für Menschen nicht ganz ungefährlich sind.

Fahrradfahrer, die ihren Drahtesel regelmäßig über die Fahrradpisten des Landes bewegen, dürften es längst bemerkt haben, die Raupe des Eichenprozessionsspinners sorgte vielerorts für Sperrungen und auch so manch ein Kinderspielplatz wurde prophylaktisch durch die verantwortlichen Gemeinden dicht gemacht. Der Grund: Die mit Widerhacken versehenen Brennhaare der Raupe beinhalten das Nesselgift Thaumetopoein, welches heftige Reaktionen beim Menschen hervorrufen kann. Dass die Raupe in den letzten Jahren vermehrt für Schlagzeilen sorgte, ist berechtigt. „Es gibt ganz einfach mehr Eichenprozessionsspinner und wenn man in Kontakt mit den Brennhaaren kommt, sind die Reizungen schon sehr unangenehm“, sagt Dr. Pierre Weicherding von der Division de l’inspection sanitaire. Wie viele Menschen hierzulande in diesem Jahr Kontakt mit den Brennhaaren hatten und deswegen einen Arzt aufgesucht haben, kann man nicht sagen. Es gibt nämlich – wie etwa bei verschiedenen ansteckenden Krankheiten – keine Meldepflicht. „Wir bekommen manche Fälle mit, wenn Ärzte uns kontaktieren. Aber das dürfte nur die Spitze des Eisberges sein. Die Meisten, die mit den Brennhaaren in Kontakt kommen, dürften nicht mal einen Arzt aufsuchen, vor allem wenn die Reaktion nicht allzu heftig ist“, erklärt Weicherding.

Jeder Mensch reagiert auf die Brennhaare, wenn auch unterschiedlich stark.

Dabei reagiert jeder Mensch auf die Brennhaare, wenn auch unterschiedlich stark. Von roten juckenden Quaddeln auf der Haut bis hin zu einer Allergie – falls man mehrfach in Kontakt kommt – ist alles dabei. Beim Einatmen der Härchen kann es zu Bronchitis und Husten bis hin zu Asthma kommen. Besondere Risikogruppen – Waldarbeiter sind aufgrund ihrer Tätigkeit natürlich besonders exponiert – gibt es nicht. „Es wäre natürlich richtig gefährlich, wenn Kleinkinder etwa die Haare verschlucken würden“ weiß Pierre Weicherding. Grundsätzlich sollte man Orte meiden an denen sich Nester befinden und vor allem sollte man es als Privatperson – ohne entsprechende Schutzkleidung und den richtigen Kenntnissen – auf keinen Fall versuchen, ein Gespinst selbst zu entfernen.

Dabei muss man wissen, dass der Eichenprozessionsspinner – dessen Name dadurch zu erklären ist, dass die Raupen mit Einbruch der Dämmerung in langen Prozessionen auf Nahrungssuche gehen –schon seit jeher in unserem Ökosystem zu finden ist. „Es gibt schriftliche Quellen, die eine Präsenz hierzulande im 19. Jahrhundert mehr als nur vermuten lassen. Die heutige Präsenz ist also alles andere als anormal. Es ist bekannt, dass er in Zyklen verstärkt auftritt. Es kann also durchaus sein, dass in ein paar Jahren es viel weniger von diesen Raupen gibt“, sagt Pierre Weicherding. Auch die Klimaveränderung und die damit einhergehenden erhöhten Temperaturen könnten das Verbreiten begünstigen. Ein warmes und trockenes Frühjahr ebenfalls.

Die Weibchen des nachtaktiven Eichenprozessionsspinner legt bis zu 300 Eier in der Krone einer Eiche ab, aus denen sich im Herbst eine Raupe entwickelt, welche im Ei überwintert und im Frühjahr schlüpft. Diese durchlaufen dann sechs Entwicklungsstadien. Ab dem dritten Larvenstadium sind die Brennhaare präsent, die mit jeder Häutung zahlreicher und länger werden.

Es kann also durchaus sein, dass in ein paar Jahren es viel weniger von diesen Raupen gibt.
Dr. Pierre Weicherding

Zurzeit wird an einem „plan national“ gearbeitet. Weicherding erklärt: „Es geht vor allem darum Richtlinien auszuarbeiten, wie Gemeinden oder andere Akteure sich richtig verhalten sollen. Für dieses Jahr ist es für Vorbeugung allerdings schon zu spät. Ein befallener Baum muss nämlich ganz am Anfang des Frühjahres behandelt werden. Zugelassene Mittel, um die Raupe zu bekämpfen, gibt es kaum. Es gibt eine bestimmte Bakterie, die man einsetzen kann, allerdings ist diese nicht selektiv und tötet auch andere Schmetterlingsarten. Weshalb es nicht die beste Lösung ist.“ Nester an Bäumen, welche sich an Orten befinden, die oft von Menschen aufgesucht werden, können aber auch von spezialisierten Firmen abgesaugt oder verbrannt werden, vor allem um die nächste Generation im Folgejahr zu vermeiden.

Christian Fischer, Gyorgy Csoka/Hungary Forest Research Institute, Kleuske (alle Wikipedia), Gerry Schmit, François Aussems (beide Editpress)

Wie kann man sich schützen?

– Raupen und Gespinste nicht berühren
– Kinder über die Gefahr aufklären und nicht unter befallenen Bäumen spielen lassen
– Nach einem Kontakt mit den Brennhaaren,die Kleidung wechseln und in der Waschmaschine waschen. Sie sollten duschen und die Haare gut waschen
– Darauf achten, dass keine Brennhaare über Kleidung und Schuhe in die Wohnung getragen werden
– Die sich in der Haut befindlichen Brennhaare mit Wasser und Seife abspülen. Haare, die sich tief in der Haut befinden, sollten entfernt werden (Pinzette, Klebeband)
– Bei ernsten Problemen sollte ein Arzt kontaktiert werden
– Der Nesselausschlag kann mit antihistamin- oder kortisonhaltigen Salben behandelt werden. Kalte Kompressen können die Anzeichen lindern.
– Betroffenes Auge ausspülen. Einen Augenarzt konsultieren
– Asthmatische Reaktionen lassen sich durch eine inhalative Therapie mit Bronchodilatatoren und/oder Kortikoiden behandeln
– Bei Verschlucken von Brennhaaren, möglichst viel Wasser trinken, um das Gift zu verdünnen
– Schwere Reaktionen erfordern eine Hospitalisierung
– Entfernung von Gespinsten nur durch fachkundiges Personal

Quelle: Faltblatt vom Gesundheitsministerium

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

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Author: Philippe Reuter

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