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Handlungsbedarf

Wohnungsmarkt, Mobilität, Erziehung, Gesundheitswesen sowie Umwelt und Klimaschutz sind die fünf wichtigsten Themen, welche die Wahlen am Sonntag entscheiden werden. Dies geht so zumindest aus einer rezenten TNS-Ilres Studie im Auftrag von RTL und dem Luxemburger Wort hervor. Erstaunlich sind hierbei zwei Dinge: Zum einen die Tatsache, dass die vielfach diskutierten und im Wahlkampf thematisierten Gebiete von der Sprache und das der Identität, nicht wirklich die sind, welche dem Wähler am wichtigsten sind. Zum anderen überrascht, dass ein Thema, wie „Umwelt und Klimaschutz“ so weit vorne landet, obwohl es von den Parteien fast stiefmütterlich behandelt wird.

Dabei ist der Klimawandel ein Thema, dem sich politische Entscheidungsträger eigentlich längst stärker widmen sollten und müssten. Auf jeden Fall stärker als bisher, wo die Handlungen oft auf minimalistischen Zielen gründen und wirklich mutige zukunftsweisende politische Denkanstöße so rar sind, wie ein Regen in der israelischen Negev-Wüste.

2010 wurde auf der UN-Klimakonferenz im mexikanischen Cancún unter anderem festgehalten, dass die Kohlenstoffdioxid-Emissionen bis 2020 um 25 bis 40 Prozent gesenkt werden müssen, und es wurde anerkannt, dass eine Klimaerwärmung um mehr als zwei Grad gestoppt werden soll. 2015 bei dem Weltklimagipfel in Paris wurde dann das Ziel festgehalten, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 °C im Vergleich zu vorindustriellen Levels in einem Klimaabkommen zu beschränken. Vor drei Jahren wurden die Ergebnisse des Pariser Gipfels von Politkern als Durchbruch in der Klimapolitik angesehen, doch großer Handlungsbedarf besteht nach wie vor.

Wirklich mutige zukunftsweisende politische Denkanstöße sind rar.

Der „Intergovernmental Panel on Climate Change“ – sprich der Weltklimarat – hat vergangene Woche einen Sonderbericht veröffentlicht, der sich eben mit den Folgen einer globalen Erwärmung um 1,5 °C gegenüber vorindustriellem Niveau beschäftigt… und vor allem die katastrophalen Folgen der Erderwärmung verdeutlicht. Kernaussage: Bereits jetzt sind die Konsequenzen von einem Grad Erderwärmung, wie mehr Extremwetter, steigende Meeresspiegel und schwindendes arktisches Meereis zu erkennen. Und der Bericht ist ein klares Signal an die Politik, dass jetzt gehandelt werden muss. Denn eine Erwärmung von etwa zwei Grad hätte noch weitreichendere Folgen, nicht nur für Bewohner ferner Südseeinseln, sondern für die gesamte Menschheit.

Das Problem ist, dass die Menschheit zurzeit noch nicht mal auf Kurs ist, bis Ende des Jahrhunderts das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Es bedarf couragierte Maßnahmen, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren und bis Mitte des Jahrhunderts auf null zu senken, denn nur so kann das in Paris ausgegebene Ziel erreicht werden. Das bedeutet auch, dass wir unser Leben umkrempeln müssen und unser Verhalten adaptieren müssen. Egal ob beim Wohnen, bei dem was tagtäglich den Weg auf unsere Teller findet oder wie wir morgens zur Arbeit kommen…

Dass Politikern der Mut fehlt, der potenziellen Wählerschaft dies schonungslos zu offenbaren und konsequente Lösungsansätze umzusetzen, versteht sich, schließlich wäre dies richtig unpopulär. Doch Fakt ist: Die Zeit drängt, und in Sachen Klimawandel entfaltet ein Spruch momentan seine ganze Bedeutung: „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“.

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

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Author: Martine Decker

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