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Haustier Biene

Das große Bienensterben findet in Luxemburg nicht mehr statt. Zumindest nicht bei den Honigbienen. Denn diese werden von ihren Haltern gut gepflegt. Grund zur Sorge besteht eigentlich nur um die Wildbienen.

Wenn Jean-Paul Beck über Bienen spricht, wird er sofort emotional. Bereits als Zwölfjähriger entwickelte er eine bis heute ungebrochene Leidenschaft für Honigbienen. Den Grund dafür kann er mit rationalen Argumenten nicht erklären. „Der Vater eines Schulfreundes hatte Bienen, das hat mich nicht losgelassen“, sagt er, und seine Augen leuchten. „Sie sind einfach faszinierend.“ 20 Jahre später schaffte er seine ersten Bienenvölker an und stellte sie in seinen Garten, dort stehen sie noch heute.

Jean-Paul Beck ist einer von rund 450 Hobbyimkern in Luxemburg. Seit sechs Jahren steht er dem Landesverband der Imker (Fédération des Unions d’Apiculteurs du Grand-Duché de Luxemburg, FUAL) vor. Ein allmähliches Einarbeiten in seine Aufgaben war ihm allerdings nicht vergönnt, denn kurz nach seinem Amtsantritt 2013 kam es zu einer echten Krise: einem massiven Bienensterben. Da jedes Bienenvolk des Landes anmeldepflichtig ist, sind die Zahlen genau dokumentiert. Wurden im Herbst 2012 noch 5.337 Bienenvölker gemeldet, schrumpfte diese Zahl ein knappes halbes Jahr später auf 3.510. „Es ist normal, dass einige Bienenvölker über den Winter eingehen, aber so viele – das war wirklich besorgniserregend“, erzählt er. „Dann haben wir uns die richtigen Fragen gestellt und die nötigen Maßnahmen ergriffen. Seitdem hat sich der Bestand nicht nur erholt, sondern ist viel größer geworden.“

Wenn Jean-Paul Beck von „richtigen Fragen“ und „nötigen Maßnahmen“ spricht, spielt er vor allem auf die Professionalität im Umgang mit Bienen an, die vielen Imkern vor ein paar Jahren noch fehlte. „Als ich vor 30 Jahren damit angefangen habe, war Bienenhaltung noch einfach. Aber das hat sich geändert. Das A und O ist die Varroa-Behandlung. Wenn man dabei einen kleinen Fehler macht, hat man ein Problem.“

Jedes Bienenvolk im Land muss angemeldet werden.

Varroa ist eine Milbe, die sich als Parasit bei Bienen einnistet. Ursprünglich stammt sie aus Südostasien, in Europa wurde sie erstmals 1967 in Bulgarien gefunden, in Deutschland ist sie seit 1977 nachgewiesen. Sie wird hauptverantwortlich gemacht für das weltweite Bienensterben, das seit ein paar Jahren immer wieder für Schlagzeilen sorgt. Die Milben töten die Bienen nicht sofort, sie setzen sich vor allem in die Brut und schwächen die neuschlüpfenden Bienen dermaßen, dass deren Widerstandskraft und Gewicht gravierend abnehmen. Zudem werden befallene Bienen zu Überträgern der Milben, die sich schnell vermehren. Um zu verhindern, dass sich die Varroa-Milben epidemisch ausbreiten, müssen Imker ihre Bienen zweimal im Jahr behandeln, im Sommer mit Ameisensäure, im Winter mit Oxalsäure. Die Behandlung ist aufwendig, aber sinnvoll. Unbehandelt gehen mit Milben befallene Bienenvölker nämlich nach spätestens zwei Jahren ein.

Bienenlarve mit Varroa-Milbe

„Das Problem ist ja nicht nur, dass das eigene Bienenvolk dann eingeht, sondern auch, dass sich die Milben so schnell übertragen. Bienen sind ja nicht unbedingt nett zueinander. Wenn andere Bienen ein schwaches Volk sehen, wird dieses total ausgeräubert, weil dort meist Futterreserven zu finden sind. Zudem fliegen Bienen eines schwachen Volkes auch zu anderen Völkern, in der Hoffnung, dort unterzukommen“, erklärt Beck.

Wichtig war es dem Verband deshalb, alle Bienenhalter so schnell wie möglich umfassend aufzuklären und im Umgang mit den Varroa-Milben zu schulen. Mit der Hilfe des Staates – dieser übernimmt 80 Prozent der Kosten – wurde 2014 ein hauptamtlicher Bienenberater eingestellt. Dieser erteilt Beratungen vor Ort oder telefonisch, leitet praktische Schulungen in allen Teilen des Landes zu bienenspezifischen Themen und hält Kurse für Neuimker ab. Hier lernen die Bienenhalter nicht nur, ihre Tiere vor Parasiten zu schützen, sondern auch, bestimmte Eigenschaften von Königinnen und Völkern zu verstärken und dadurch friedliche Bienen zu züchten. Rund 100 Aus- und Weiterbildungstermine seien so allein im vergangenen Jahr zusammengekommen, teilweise mit unerwartet großen Teilnehmerzahlen, erzählt Jean-Paul Beck.

Ein Bienenvolk ist kein Vogelhäuschen! Jean-Paul Beck, Imker und Präsident des FUAL

Honigbienen zu halten, scheint zunehmend attraktiv zu werden. Gab es im Jahr 2013 knapp 300 Imker im Land, sind es mittlerweile 456. Die Mehrheit züchtet ihre Bienen als Hobby, lediglich drei sind hauptberuflich tätig. Für Jean-Paul Beck ist vor allem die richtige Aus- und Weiterbildung wichtig. Ärgern könne er sich vor allem über Leute, die sich ein Bienenvolk in den Garten stellen, weil sie denken, sie müssten etwas für die Bienen tun, nachdem sie überall lesen, dass die Bienen bedroht sind. „Aber es ist völliger Quatsch, sich Bienen anzuschaffen, wenn man nicht weiß, wie man damit umgehen soll. Ein Bienenvolk ist kein Vogelhäuschen!“

Viel sinnvoller wäre es, Insekten im eigenen Garten die Möglichkeit zu geben, an Blüten und Pollen zu kommen und nicht jede freie Fläche in „blöde Schottergärten“ zu verwandeln und den Rasen „auf Ameisenhöhe“ zu mähen. „Wir brauchen Biodiversität. Stellen Sie sich vor, Sie würden jeden Tag ein Filetsteak essen. Das wird mit der Zeit doch langweilig. Bienen ernähren sich von Pollen, auch da muss Abwechslung sein. Man sollte verschiedene Blumen pflanzen und den Rasen auch mal blühen lassen. Da kommen die schönsten Dinge raus.“ Auch zu Insektenhotels könne er raten. Diese würden zumindest den Insektenarten Schutz bieten, die wesentlich schlimmer gefährdet vom Insektensterben sind als Honigbienen, wie beispielsweise alle Arten von Wildbienen und Hummeln.

Im Prinzip gehe es den Zuchtbienen in Luxemburg sehr gut, meint Beck. Auch das Problem mit den Varroa-Milben bekam man in den vergangenen Jahren in den Griff. Durch den milden Winter kann es dieses Jahr aber zu einem verstärkten Ausbruch kommen, befürchtet der Verband. „Die Bienen sind dieses Jahr sehr früh in die Brut gegangen. Wir rechnen damit, dass es ein Varroa-Jahr wird und müssen schon früh mit der ersten Behandlung beginnen“, sagt er.

Hinzu kommt ein weiteres Problem, das den Bienenhaltern im Land Sorge bereitet: Mehrfach kam es in den letzten Jahren zu Diebstählen ganzer Bienenkästen. Aufgeklärt wurde jedoch kein einziger Fall, obwohl es eindeutige Hinweise auf den Täterkreis gab, wie Nicolas Schroeder in einem Leserbrief im Luxemburger Wort am 6. April berichtete. Er fragte sich sogar, ob Bienenklau mittlerweile zum Kavaliersdelikt geworden sei. Deshalb rüsten die Bienenhalter jetzt auf. Sie stellen Kameras in der Nähe ihrer Bienenstände auf, manche versehen die Kästen mit GPS-Trackern. Ein teures Vergnügen, doch immerhin besser als irgendwann völlig ohne Bienen dazustehen.

Schon seit Wochen sind die Bienen fleißig unterwegs. Für einen Imker von der Mosel, wie Jean-Paul Beck, heißt das, schon im Mai mit dem Schleudern des ersten Honigs beginnen zu können. „Und viel mehr müssen wir nicht tun, denn Honig ist eines der wenigen Naturprodukte, die es gibt.“

Fotos: Pixabay (2), Claude Lenert, Gilles San Martin (Wikipedia)

Heike Bucher

Journalistin

Ressort: Wissen

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Author: Philippe Reuter

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