Home » Home » Her mit Veränderung!

Her mit Veränderung!

Der innere Schweinehund kann ziemlich stark sein. Da ist es gar nicht so einfach, sich selbst zu motivieren. Von heute auf morgen geht das ohnehin nicht, sagt Prof. Dr. Claus Vögele, Professor für Gesundheitspsychologie an der Universität Luxemburg.

Wie motiviert man jemanden dazu, sein Verhalten zu ändern?
Prof. Dr. Claus Vögele: Die Entwicklung der Motivation zur Verhaltensänderung ist ein dynamischer Prozess. In der Gesundheitspsychologie und der Psychotherapie gehen wir von verschiedenen Phasen der Motivationsentwicklung aus:
Die Präkontemplation ist gekennzeichnet durch ein eingeschränktes Problembewusstsein, mangelnde Information und geringe Änderungsmotivation.
Die Kontemplation oder Nachdenklichkeit besteht aus einem aufkeimenden Problembewusstsein, jedoch noch immer einer ambivalenten Haltung gegenüber Veränderung.
Die Vorbereitung beinhaltet den Entschluss zu handeln, weil „etwas passieren muss“.
Während der sogenannten Handlung wird das neue Verhalten eingebettet und eingeübt, womit neue Kompetenzen erworben werden.
Bei der Aufrechterhaltung wird das neuerlernte Verhalten stabilisiert und Rückfällen vorgebeugt.

Das klingt nach Suchttherapie…
Diese Phasen-Veränderungs-Modelle entstammen ursprünglich dem Suchtbereich, haben aber nachgewiesenermaßen Gültigkeit für zahlreiche Problembereiche. Sie ermöglichen eine erste diagnostische Einordnung einer Person bezüglich ihrer Änderungsmotivation.

„Nur wer auch selbst den Ansprüchen genügt, die an die Mitarbeiter gestellt werden, kann auch überzeugend motivieren.“
Prof. Dr. Claus Vögele, Psychologe

Ist es schwierig, Menschen dabei zu begleiten?
Es kommt bei der Psychotherapie ganz darauf an, in welcher Phase der Motivationsentwicklung sich die Person befindet. Um entsprechend bei der Motivationsentwicklung zur Verhaltensänderung zu helfen, setzen wir verschiedene Gesprächstechniken ein, die manchmal auch zusammenfassend unter dem Begriff „Motivationsinterview“ zusammengefasst werden. Die Prinzipien des Motivationsinterviews umfassen verschiedene Verhaltensweisen eines Therapeuten.

Wie muss man sich das in der Praxis vorstellen?
Eine häufig eingesetzte Gesprächsführungstechnik ist der sogenannte „Sokratische Dialog“, der sich hauptsächlich dadurch auszeichnet, dass der Therapeut offene Fragen stellt, um den Patienten darin zu unterstützen, selbst Antworten zu finden. Das Prinzip ist also eine „angeleitete Reflektion“ über die eigene Motivationslage.

Demotivierend wirken in der Regel einerseits zu einfache und andererseits unerreichbare Zielvorgaben.

Viele Menschen haben Probleme, sich auf ihrer Arbeit zu motivieren und klagen über ihre Chefs. Was wirkt demotivierend?
Demotivierend wirken in der Regel einerseits zu einfache und andererseits unerreichbare Zielvorgaben. Viele wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die ideale Kombination zur Motivation ein Ziel ist, das zwar schwierig, also lohnend, aber erreichbar ist. Weitere Faktoren, die zur Demotivierung beitragen können, sind wahrgenommene Ungerechtigkeiten, wahrgenommener Kontrollverlust und mangelnde Verstärkung, also keine positiven Konsequenzen bei Zielerreichung. Nicht vergessen sollte man die Bedeutung der Vorbildfunktion des Chefs: Nur wer auch selbst den Ansprüchen genügt, die an die Mitarbeiter gestellt werden, kann auch überzeugend motivieren.

Im Internet und in Zeitschriften gibt es sehr viele Tipps zur Eigenmotivation. Da wird geraten, sich einen übersichtlichen Arbeitsplan zu erstellen, künstlichen Zeitdruck zu erzeugen oder sich mit schönen Dingen zu belohnen. Welche Tipps würden Sie geben?
Versuche zur Eigenmotivation sind natürlich ein alltägliches Phänomen. Wenn man das etwas strukturierter gestalten möchte, kann man das durchaus mal in Eigenregie versuchen, und häufig klappt es ja auch. Nur wenn das Ziel nicht erreicht wird, häufig Rückfälle passieren und ein wirkliches Problem entsteht, ist es ratsam, sich Hilfe bei einem entsprechend qualifizierten psychologischen oder ärztlichen Psychotherapeuten zu suchen. Die Qualifikation sollte nachweislich ein Training in den Methoden des Motivationsinterviews aufweisen. Übrigens wird dies neuerdings auch im Masterstudiengang Psychotherapie an der Universität Luxembourg unterrichtet..

© Trueffelpix

© Trueffelpix

Heike Bucher

Journalistin

Ressort: Wissen

Teilen ...Email this to someoneShare on Google+Print this pageTweet about this on TwitterShare on Facebook
Author: Philippe Reuter

Login

Lost your password?